Schwabylon & Citta 2000: So bunt war Schwabing früher

© Justus Dahinden | gemeinfrei

Zugegeben, ich bin nicht der größte Schwabing-Fan, aber wenn meine Mama mir erzählt, wie sie in den 70er Jahren dort mit ihren Eltern durch abgefahrene Kaufhäuser bummelte, später auf der Leopoldstraße krasse Partys feierte und den Sommer damit verbrachte, zwischen Münchner Freiheit und Giselastraße zu flanieren, dann klingt das, wie die beste Zeit, die München jemals gesehen hat.

Alle waren in Schwabing, denn es gab ja auch eine Menge zu sehen hier – da lief man schon mal Mick Jagger über den Weg und wunderte sich nicht über ausgeflippte Gestalten, die mit Krokodilen an der Leine entlang der Leopoldstraße spazieren gingen. Passend zu dieser skurrilen und bunten Zeit baute Architekt Justus Dahinden 1973 das 160 Millionen DM teure Schwabylon – ein "Einkaufs- und Vergnügungszentrum", wie es offiziell hieß.

Wer das Schwabylon (so wie meine Mama) nicht mit eigenen Augen gesehen hat, der kann heute kaum noch glauben, dass München einmal so ein Gebäude hatte. Der außergewöhnliche Bau war allerdings nicht nur für seine Architektur (keine Fester und statt Treppen gab es nur Rampen) bekannt, sondern auch für sein nicht weniger buntes Innenleben.

Schwabylon & Citta 2000: So bunt war Schwabing früher
© Justus Dahinden | gemeinfrei

Neben Büros, Wohnungen und Ateliers beherbergte das Schwabylon hundert Läden, zwölf Restaurants, einen Biergarten, eine Spielhalle. Außerdem ein Kino, Solarium, Schwimmbad, eine Eislaufhalle (!), eine Sauna und Therme. Am abgefahrensten war allerdings wahrscheinlich der Club nebenan, das Yellow Submarine. Die Diskothek war wie ein riesiges Aquarium – in 600.000 Litern Wasser schwammen über 30 Haie. Wirklich so passiert. Doch das futuristische Einkaufszentrum war seiner Zeit leider weit voraus, denn so richtig warm wurden die Münchner mit dem außergewöhnlichen Gebäude nicht. Knapp ein Jahr später stand es schon wieder so gut wie leer.

Ein bisschen mehr Erfolg hatte da das Citta 2000 an der Leopoldstraße weiter Richtung stadteinwärts – 1969 eröffnet, hielt es sich für mehr als ein Jahrzehnt. Vielleicht, weil es optisch nicht ganz so ausgeflippt daher kam wie das Schwabylon. Innen warteten allerdings nicht weniger seltsame Lokalitäten auf einen: Zwei Restaurants, die alleine schon zwei Millionen Mark kostetet und unter den 22 Minishops auch die damals ziemlich bekannte "Dr.-Müllers-Sex-Boutique" mit 800 Quadratmeter Fläche! Das Gebäude vom Citta 2000 (alleine dieser grandiose Name!) steht heute noch in der Leopoldstraße 28a.

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