11 verrückte Clubs in München, die Geschichte schrieben

Man mag es heute fast gar nicht mehr glauben, aber München war einmal die Partystadt schlechthin, auch genannt das "deutsche San Francisco". Vor allem in den 60er und 70er Jahren gab es hier Clubs, von denen wir heute zwischen Partybananen- und Milchbar-Mainstream nur noch träumen können. In den 80ern kam dann die Schickeria auf und mit ihr langsam eine Zweiklassen-Partygesellschaft. Aber auch die 90er hatten dann, zum Beispiel mit dem verlassenen Flughafen Riem, noch ihre einmaligen und verrückten Party-Locations.

1. Yellow Submarine – 30 Haifische im U-Boot-Club

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© Mjunik Disco

Das Yellow Submarine wurde in den 70er Jahren mit dem Einkaufs- und Vergnügungszentrum Schwabylon erbaut – und erst 2013 vollständig abgerissen! (Hätten sie's halt stehenlassen und neu belebt!). Das Besondere: Das dreistöckige Nachtlokal war im Stil eines U-Boots komplett von einem riesigen Aquarium umgeben, das 600.000 Liter Wasser und 30 echte Haie fasste!

2. Blow Up – Münchens erste Großraumdisco

Wo heute die Schauburg am Elisabethmarkt ist, eröffnete 1967 das Blow Up – die erste Großraumdisco Deutschlands, in der zweitausend Leute Platz fanden. Eröffnet wurde der Club von den beiden Brüdern, die unter anderem das Einkaufszentrum Citta 2000 ins Leben riefen. Im Blow Up hatte nicht nur Jimi Hendrix seine ersten Live-Auftritte in der Republik – auch Pink Floyd spielten hier im November 1968. Neben Konzerten gab es aber auch Multimedia-Discos (was auch immer das ist, aber es klingt lustig), Filmvorführungen und natürlich Flipper. 1970 schloss das Blow Up.

3. Old Mrs. Henderson – Freddie Mercurys unvergesslicher Geburtstag

Der Club Old Mrs. Henderson in der Rumfordstraße 2, wo heute das Paradiso ist, war in den 70er und 80ern auch weit über die Grenzen Münchens hinaus bekannt. Nicht nur Mick Jagger und David Bowie trieben sich hier rum, seinen Ruhm verdankte der Club vor allem Freddie Mercury, der hier nicht nur Stammgast war (klar, wenn er in der Hans-Sachs-Straße wohnte), sondern auch seinen 39. Geburtstag mit einer unvergesslichen Schwarz-Weiß-Party feierte, von der es einige Szenen auch in sein Musikvideo "Living On My Own" von 1986 schafften.

4. Crash – Sauerkrautessen unter einer Eisenbahnbrücke

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Einer der vielleicht verrücktesten Clubs, die München so hatte: Unter einer Eisenbahnbrücke in der Lindwurmstraße, gegenüber vom KVR, gab es im Crash ab 1968 nicht nur wilde Nächte sondern auch wilde Wettbewerbe à la die "Wahl des hässlichsten Münchners" oder das "Oben-ohne-Sauerkraut-Essen", bei dem eine hübsche Blondine gewann, die ganze zwei Pfund Sauerkraut essen konnte, ohne die Hände dabei zu benutzen. Auch der Weltrekord im Dauertanzen wurde hier aufgestellt. Ansonsten feierten im Crash Led Zeppelin, Udo Lindenberg und Thomas Gottschalk, der damals als DJ auflegte. Erst 1993 schloss der Club.

5. Big Apple – Uschi Obermaiers Stammlokal

Ebenfalls in der Leopoldstraße eröffnete in den Swinging Sixities um 1963 das Tanzlokal Big Apple – ein "Kellerlokal im Bonanza-Look". Zuerst wurde hier nur Soulmusik gespielt, später nutzte man die Bühne in der Mitte des Lokals auch für Konzerte. Großes Highlight ist das Jimi-Hendrix-Konzert 1966 – sein erstes Deutschlandkonzert überhaupt! Und Uschi Obermaier schrieb in ihrem Buch High Times. Mein wildes Leben über den Club, der 1975 schloss: "Wenn ich einen Abend nicht im Big Apple war, dachte ich, ich hätte den Lauf der Welt verpasst."

6. Piper Club – Drogen für alle!

Offiziell Piper Club, inoffiziell "Joint" hieß der Club am Kurfürstenplatz – der seinem Name alle Ehre machte. Hier konnte man direkt im Eingangsbereich so alles kaufen, was das Herz begehrte – von Gras bis Heroin. Hauptsächlich ging es allerdings um ersteres, weshalb der Piper Club auch als "Kiffertreffpunkt" bekannt war. Im hinteren Teil des Clubs wurde dann auf einem riesigen Matratzenlager der Rausch ausgeschlafen. Nach nur drei Jahren wurde der Club vom KVR aufgelöst, das Piper gab es von 1971 bis 1974.

7. Tiffany – Lieblingsclub der Rolling Stones

"Die tägliche Schwabingtour führt über das "Woodstock" ins "Café Europa", ins "Joint" und ins "Tiffany"", so die Welt in einem Artikel aus 2008. Das Tiffany in der Leopoldstraße 69 war nicht nur der Lieblingsclub der Rolling Stones (Uschi Obermaier und Mick Jagger sollen sich hier kennengelernt haben!), sondern auch von Filmemacher Klaus Lemke, der hier einige Szenen für seine Filme drehte. Unter den Gästen waren zwischen Mitte der 60er und der 70er außerdem Donna Summer und Wim Wenders!

8. Why Not – 400.000 DM Umsatz im Monat

Im Why Not am Lenbachplatz tanzen heute die Fans der Roten Sonne. Zwischen Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre trafen sich hier Straßenkehrer und Schickeria. Man ging "zu Edith", so hieß die berühmte Besitzerin. Im Why Not ging es zumindest beim Publikum nicht um Geld, sondern um Stil. Irgendwelche krummen Geschäfte müssen hier aber wohl gelaufen sein, denn der Club machte teilweise 400.000 DM Umsatz im Monat. Unter den Gästen war auch ein Keith Richards, doch Besitzerin Edith erkannte ihn nicht, weil sie keinen Fernseher hatte. Lustig: Das Why Not hatte eine Näherin und Ersatzkleider parat – für die Gäste, die sich ihre Kleider beim Feiern zerrissen hatten.

9. Domicile – Europas wichtigster Jazzclub

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© Mjunik Disco

Das Domicile (zuerst in der Sieges-, dann in der Leopoldstraße) war einer der wichtigsten Jazzclubs in Europa (!). 1965 eröffnet traten hier Größen wie Chet Baker und Art Blakey auf. Und hier brannte die Jazz-Luft – im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Musiker Hartwig Bartz, der für gewöhnlich während seiner Auftritte rauchte, drückte einmal seine Zigarette nicht richtig aus und der Clubs brannte ab. Das Lokal wurde renoviert und bestand noch bis in die 80er Jahre, bis der Dollar und damit auch Reisekosten und Gagen der US-Stars zu teuer wurden.

10. Colahalle – Champagner-Partys in einer alten Abfüllhalle

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Es klingt fast wie ein Traum: Eine alte Coca Cola-Fabrik in der Steinstraße Ecke Rosenheimer Platz, die fast für ein Jahr leer stand. Dort, wo heute das Hilton Hotel ist, fanden '86 und '87 einige krasse Partys statt. Ein paar junge Münchner hatten die Idee mit einem Club, sie wohnten auch zeitweise in der alten Halle und machten alles selbst – von der Schalldämmung bis zur Stromverlegung und feierten schließlich in der schwarzgefliesten Cola-Abfüllhalle im Abendkleid und mit Champagner die Eröffnung. Sissi Perlinger trat hier auf, ebenso Bands wie No Goods oder GBH. Leider wurde das Gelände nur kurze Zeit später abgerissen.

11. Flughafen Riem – Raves & Nirvanas letztes Konzert

Der alte Flughafen Riem wurde Anfang der 90er Jahre zum Veranstaltungsort, hier gab es Flohmärkte, Konzerte – so zum Beispiel 1994 das letzte Nirvana-Konzert im Terminal 1 – und auch passend zur Zeit natürlich jede Menge Raves. Sven Väth und Westbam legten hier auf, Drag-Queens tanzten mit Männern in Röcken und Frauen in Unterwäsche, LSD, LEDs und Techno, soweit das Ohr reichte – es war wild. Den Flughafen Riem gab es 1996.

Mehr verrückte und vergessene Münchner Clubs findet ihr in dem Buch Mjunik Disco, das 2008 von Mirko Hecktor herausgegeben wurde.

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