Ausspekuliert: Will ich mir München überhaupt noch leisten?

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Ich liebe München und weiß trotzdem, dass ich in zehn Jahren nicht mehr hier wohnen werde. Nicht, weil ich dann genug habe von unserer bayerischen Wohlfühloase, sondern weil ich mir die Stadt ganz einfach nicht mehr leisten kann. Oder nicht mehr will. Denn seitdem mein erster Rentenbescheid im Briefkasten lag und mir die Altersarmut nur so entgegen schrie, schiele ich immer öfter zu meinen Freunden, die in Leipzig oder auch nur in Nürnberg wohnen.

Ich liebe München und weiß trotzdem, dass ich in zehn Jahren nicht mehr hier wohnen werde.

Wie kann es sein, dass man sich in in den meisten anderen deutschen Städten eine schöne Wohnung mit Balkon leisten und trotzdem jeden Monat locker noch was auf die Seite legen kann? Für mittelständische Münchner wie mich ist das faszinierend, denn wie ich immer so schön sage: München ist eine Stadt, in der du schon leben kannst, aber du kommst halt währenddessen nicht zum Sparen.

Rechtfertigt eine Wohnung in Isarnähe, dass ich später weniger Rente bekomme?

Diese Tatsache kombiniert mit den immer teurer werdenden Mieten lässt mich einfach mal so generell meine Prioritäten hinterfragen: Wie wichtig ist es mir überhaupt, in München zu wohnen? Rechtfertigt eine Wohnung in Isarnähe, dass ich später weniger Rente bekomme? Wir mieten uns in München doch in die Altersarmut, oder? Ist es das wert? Das schöne und doch auch sehr komfortable Stadtleben um den Englischen Garten herum? Aber nutze ich das denn überhaupt? Wie oft stehe ich denn wirklich am Viktualienmarkt oder setze ich mich an die überfüllte Isar?

Die Münchner gehen wahrscheinlich nur deshalb so viel essen, weil ihre Wohnungen so klein sind.

Und ja: Isarnähe ist cool, aber zwei Zimmer eigentlich auch. Wenn ich Freunde in anderen Städten besuche, weiß ich plötzlich wieder, was es wirklich heißt, zu wohnen. Nämlich den Raum zu wechseln. Das wusste schließlich schon Polt. So möchte ich auch leben. In einer Wohnung, in der mir nicht im wahrsten Sinne, die Decke auf den Kopf fällt. Ich werde in zwei Jahren Dreißig. Mein erwachsenes Ich habe ich mir irgendwie anders vorgestellt, als in einer Ein-Zimmer-Wohnung, in die ich nicht einmal drei Freunde einladen kann. Die Münchner gehen wahrscheinlich nur deshalb so viel essen, weil ihre Wohnungen so klein sind.

Was ist mit denen, die dafür sorgen, dass München sauber bleibt?

Bei all diesen Fragen und Problemen geht's mir aber immer noch verdammt gut. Denn München ist genauso voll mit Menschen, die gar nicht abwägen können, ob sie sich diese Stadt künftig leisten wollen, was ihnen Monaco di Bavaria wert ist. Das sind die, die uns morgens unsere Butterbreze verkaufen, die den Bus in die Arbeit fahren und dafür sorgen, dass Mülltonnen geleert werden. Die unser München so sauber halten, wie wir es kennen und stolz darauf sind. Die schon lange nicht mehr zum Viktualienmarkt gehen, weil sie es sich schlichtweg nicht leisten können.

München ist voll mit Menschen, die gar nicht abwägen können, ob sie sich diese Stadt künftig leisten wollen. Das sind die, die uns morgens unsere Butterbreze verkaufen und dafür sorgen, dass München sauber bleibt.

Die nächste Entwicklung – ein Reichen-Ghetto – liegt nicht nur nahe, sondern ist teilweise ja schon Realität. Wie im Lehel, wo der Quadratmeter schon mal bis zu 37 Euro kostet. Wer kaufen möchte, muss bis zu 16.000 Euro investieren. Bäcker, Busfahrer und Müllmänner wohnen hier sicherlich keine. Aber wohin dann, wenn man sich die Stadt nicht mehr leisten kann? Das Umland wird ja auch immer teurer. Ziehen einfach irgendwann alle ganz weg, die sich mit ihren Gehältern hier nichts mehr leisten können? Wer bleibt dann über? Und in welcher Stadt wollen wir eigentlich leben?

Wer kann sich das eigentlich noch leisten?

Und das ist auch immer der Punkt, an dem ich mich frage: Was hätte ich anders machen sollen? Klar, das Schreiben zu meinem Beruf zu machen, war finanziell keine besonders schlaue Entscheidung, aber ich habe genauso Freunde, die bei BMW arbeiten und die verdienen unwesentlich mehr. Wer sind also diese Leute, die sich das zukünftige München noch leisten können? Und was sind das für Typen? Ich möchte keine Vorurteile haben, aber wenn ich mir die geldigen, schlecht gelaunten Eltern im Rosengarten angucke, die hier sonntags mit ihren Kindern plantschen gehen, kann ich nicht umhin, das als einen kleinen Einblick abzuspeichern.

Wenn München noch teurer wird, wird es auch einfarbig. Dann ist es irgendwann nicht mehr bunt, sondern nur noch silber – so wie die teuren Einbauküchen der Familien in Haidhausen.

Die Sache ist doch die: Wenn München noch teurer wird, wird es auch einfarbig. Dann ist es irgendwann nicht mehr bunt, sondern nur noch silber – so wie die teuren Einbauküchen der Familien in Haidhausen.

Wenn ihr auch keinen Bock mehr auf den Münchner Mietwahnsinn habt, dann geht am 15. September 2018 auf die Straße. Um 14 Uhr startet Ausspekuliert – Demo für bezahlbaren Wohnraum am Mariahilfplatz!

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