Neuer Club am Sendlinger Tor: Im FOLKS wird bald zu Rock, Indie und Disco getanzt

© Stefanie Witterauf

Wenn ich an die Erste Liga denke, dann denke ich an Nacht-Abenteuer erster Klasse. Direkt am Sendlinger Tor neben dem Alpenimbiss wurde man verschluckt und ist in einen Keller der Freude gelangt. Blinkende Dancefloors und guter Sound haben mich aufgefangen und erst wieder ausgespuckt, wenn es weiter ins Pimpernel oder nach Hause ging. Dann war Schluss mit der Ersten Liga. Der Club machte zu. Ein fliegender Wechsel der Clubbetreiber folgte – es war mal das Yip Yab, dann das Kiddo. Irgendwie habe ich den Überblick verloren und den Spaß gleich dazu.

Nun nimmt sich wieder jemand der schwierigen Aufgabe an, in die Fußstapfen der Thalkirchner Straße 2 zu treten. Und die sind riesig. "Ein Meilenstein des Münchner Nachtlebens", sagt einer der Betreiber des neuen Clubs FOLKS. Drei Münchner wollen es nun trotzdem wagen. Wir haben Geschäftsführer Marvin Endres, Betriebsleiter Maximilian Früchtl und Betriebsleiterin Lisa Grimm, die hier am 10. November 2018 ihren Club eröffnen, auf der Baustelle besucht.

Neuer Club am Sendlinger Tor: Im FOLKS wird bald zu Rock'n'Roll getanzt
© Stefanie Witterauf

Marvin betreibt schon seit vergangen März zusammen mit Freunden die Traditions-Bar Rennbahn in Schwabing und hat seine Liebe zur Gastronomie entdeckt. Auf der Suche nach einem Club, hatte ihn ein Freund kontaktiert und ihm von der leeren Location am Sendlinger Tor erzählt. Zusammen mit Maximilian und Lisa haben sie für das FOLKS ein "Jedermann-Konzept" im Oldie-Style entwickelt.

Babylon Berlin statt Atomic 2.0

Die Wände streichen sie in Petrolblau, Betongrau und Orange. Akzente soll es mit Messing und Naturholz geben. Das Vorbild dafür sind Designs aus den Dreißigern und der Club Le poisson rouge in New York. Ein Lichtkonzept wird für das gewisse Etwas sorgen. Wer bei diesen Retro-Elementen ans Atomic Café denkt, der hat schon Recht. Die Indie-Disco hat bis heute eine riesige Lücke hinterlassen – die auch durch den Cord Club in der Sonnenstraße leider nicht geschlossen werden kann.

Vielleicht ist das FOLKS ein neuer Ort für Blümchenkleider und Skinny-Jeans. Aber vielleicht auch nicht. Denn ein Atomic 2.0 soll es nicht werden – und zu Rock'n'Roll und Boogiewoogie passen auch Petticoats viel besser. Oder so chice Outfits wie aus "Der große Gatsby" und hoffentlich solche Tanzszenen wie im Tanzlokal "Moka Efti" von Babylon Berlin. Klingt so gut, dass der Wehmut zur Lavalampe und dem Glitzervorhang gleich wieder ein bisschen vergessen ist.

Rock'n'Roll, Funk, Elektro-Swing und Jazz auf Vinyl

Ein Drittel Live-Musik und Konzerte, zwei Drittel DJs, die Vinyl auflegen. "Wir spielen Musik aus den Zwanzigern bis zu den Siebzigerin mit modernem Einfluss. Unsere DJs legen Platten von Rock'n'Roll, Funk, Elektro-Swing und Jazz auf", beschreibt Marvin die Musikrichtung, die uns im FOLKS erwarten wird. Wenn er den Sound erklärt, dann zeigt er am liebsten das Musikvideo "Jailhouse Rock" von Elvis Presley. Besonders in der Anfangs-Bauphase hat er den Song immer wieder gehört.

Rock'n'Roll soll also die Musikebene darstellen, aber noch wichtiger ist die Tanzbarkeit. Die DJs sollen alte Beats auflegen, Rhythmen aus vergangenen Tagen aufnehmen, ohne dabei nostalgisch zu wirken und mit modernen Elementen eigens interpretieren. Und der Sound wird nicht nur von der Platte kommen, auch live werden Instrumente und Gesang einen Elektro-Swing entwickeln.

Neuer Club am Sendlinger Tor: Im FOLKS wird bald zu Rock'n'Roll getanzt
© Stefanie Witterauf

Statt rein auf Mainstream und Klassiker wollen Marvin, Maximilian und Lisa auf Unbekanntes setzen. In London-Soho gehe man zu solcher Musik weg, meint Maximilian. In München ist das Angebot für diese Musikrichtungen noch beschränkt. Zwischen vor allem Elektro- und Techno-, sowie wenigen Hip Hop-Clubs finden sich tatsächlich wenig Alternativen. Es gibt zwar den Vintage-Club zwischen Stachus und Sendlinger Tor, wo wild zu Jazz und Swing die Tanzschuhe zum Glühen gebracht werden. Aber die wenigen Male, die ich dort war, war der Altersdurchschnitt über Fünfzig. Geplant ist der fürs FOLKS nicht, da soll es sich etwa auf einen Durchschnitt von 30 Jahren einpendeln, also ungefähr doppelt so alt wie das Publikum im kiddo war.

Der Name FOLKS ist aber auch Programm, denn "jedermann" ist willkommen. Natürlich gibt es ein Wunschpublikum, das eine Symbiose aus dem Publikum der Sauna in der Marsstraße und dem Boulevardesken aus dem Paradiso in der Müllerstraße wäre. Nach dem Geldbeutel von "jedermann" sollen sich auch die Eintritts- und Getränkepreise gestalten. Das 0,33 Liter Bier wird um die drei Euro, die Weinschorle um die 4,50 Euro kosten. Neben Münchner Klassikern gibt es Qualitätsschnaps und selbstgemachte Basilikum-Limonade. Versprochen wurde auch, dass gut eingeschenkt wird.

FOLKS Club | Thalkirchner Straße 2, 80337 München | Eröffnung: 10. November 2018 | Donnerstag, Freitag & Samstag: 21.00–05.00 Uhr | Mehr Infos

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