Vergesst Fußball – eine Liebeserklärung ans Münchner Eishockey

© GEPA pictures/ Marcel Engelbrecht

Text: Andreas Purzer

München ist Fußball-Stadt! Auch ich sah mich bereits im Kindergartenalter mit der essentiellen Frage konfrontiert: Rot oder blau? Aufgewachsen am Fuße des Giesinger Bergs, mit Blick auf die Flutlichtmasten des Grünwalder Stadions, war die Antwort klar: Ich wurde ein Löwe und habe meine Sechzger von den Niederungen des Amateurfußballs bis in die Bundesliga und wieder zurück begleitet.

Eine unheimlich intensive Erfahrung, nur zu ertragen mit einem ausgeprägten Hang zum Masochismus. Erfolgsmomente genießt ein Löwe traditionell selten. Da darf es zwischendurch schon etwas Balsam auf die geschundene Fan-Seele sein. Fündig wurde ich ausgerechnet im Winter, beim Eishockey.

Trommeln und frenetische Fangesänge ziehen mich sofort in den Bann. Erinnerungen werden wach an die Atmosphäre im Grünwalder Stadion, wo ich als Kind den Sechzgern zugejubelt habe.

Ich sitze in der Olympia-Eishalle am Oberwiesenfeld, Spielstätte des EHC Red Bull München. Ein schmuckloser Betonbunker aus den 60er Jahren. Maroder Oldschool Charme, kein moderner Komfort oder noble VIP Lounges. Licht aus, Lasershow an während die Münchner Kufencracks zu den Klängen von „Hells Bells“, der australischen Hardrocker AC/DC, einlaufen.

Es ist eng, laut, die Zuschauer sind hautnah dran am Plexiglas. Trommeln und frenetische Fangesänge ziehen mich sofort in den Bann. Erinnerungen werden wach an die Atmosphäre im Grünwalder Stadion, wo ich als Kind den Sechzgern zugejubelt habe. Doch zum Träumen bleibt keine Zeit an diesem denkwürdigen Abend des 8. April 2016. Playoff-Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft zwischen München und den Kölner Haien.

Eine magische Nacht, die mich vom gelegentlichen Stadionbesucher zum leidenschaftlichen Fan und Dauerkarteninhaber werden ließ.

Kurz vor Schluss führen die Red Bulls in einer packenden Partie mit 4:3. Der Einzug ins Endspiel nur eine halbe Zeigerumdrehung entfernt. Dann passiert das Unfassbare, die Domstädter erzielen den Ausgleich. So nah am Ziel droht nun der gefürchtete „Sudden Death“ in der Overtime. Eine halbe Minute Restspielzeit zeigt der Videowürfel unterm Hallendach noch an, im Eishockey kann da eine Menge passieren.

© GEPA pictures/ Marcel Engelbrecht

So sollte es auch kommen: Elf Sekunden nach dem Kölner Nackenschlag erzielt München im direkten Gegenzug die erneute Führung. 5:4 – Finaaale! Die ausverkaufte Halle hebt ab, gleicht einem Tollhaus! Sechstausend wildfremde Menschen liegen sich jubelnd in den Armen, feiern als gäbe es kein Morgen. Eine magische Nacht, die mich vom gelegentlichen Stadionbesucher zum leidenschaftlichen Fan und Dauerkarteninhaber werden ließ.

Eishockey ist ein familienfreundliches Stadionerlebnis mit wesentlich höherem Frauenanteil als beim Fußball.

Eishockey bedeutet Tempo, Action pur über 60 Minuten Netto-Spielzeit. Auf dem Eis geht es hoch und runter, jede Sekunde kann etwas passieren. Gemächliches Ballgeschiebe, spielen auf Zeit oder Leerlauf im Mittelfeld, wie man es vom Fußball kennt? Undenkbar! Die Puckjäger krachen nach harten Checks in die Bande, Tore fallen, Fäuste und Zähne fliegen. Der schnellste Mannschaftssport der Welt ist unheimlich intensiv, rau und körperbetont. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Fairplay groß geschrieben wird. Dreckige Fouls sind bei Spielern und Zuschauern ebenso verpönt wie theatralische Schauspieleinlagen à la Neymar.

Diese Fairness überträgt sich auf die Ränge. Gewaltbereite Hooligans, Ausschreitungen oder Pyrotechnik haben in der Halle keinen Platz. Ein familienfreundliches Stadionerlebnis mit wesentlich höherem Frauenanteil als beim Fußball. Provokante Fangesänge und gesunde sportliche Rivalität gehören natürlich dazu, sie tragen schließlich zur Liveatmosphäre bei. Mit Ertönen der Schlusssirene kühlen die Gemüter jedoch schnell ab, die Vorfreude auf das nächste Spiel überwiegt. "Einmal Löwe, immer Löwe", doch wenn’s um Sport geht, steht Eishockey bei mir inzwischen an erster Stelle. Fußball ist nur noch die schönste Nebensache der Welt.

Juhu, wir verlosen passend dazu jeweils 3x2 Tickets die Spitzenspiele am 21.12. gegen Adler Mannheim und 28.12.2018 gegen die Eisbären Berlin. Wer Lust hat, sich mal ein Spiel anzuschauen, schreibt uns eine Mail mit dem Betreff "Eishockey" an [email protected]. Die Tickets müssten bei uns im Büro abgeholt werden. Ausgelost wird am Montag, den 19.11.2018.

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