Der Vorreiter der Pop Art: Alex Katz im Museum Brandhorst

Gleich am Eingang sieht man sie zum ersten Mal – zeitlose Bobfrisur, langer grauer Mantel, den gelassenen Blick auf den Beobachter gerichtet. Man wird ihr noch oft begegnen, während man die Eichendielen entlanggeht und sich rechts und links umschaut, die großflächigen Bilder mit den kräftigen Farben ins Visier nimmt.

Alex Katz‘ Frau Ada ist das häufigste Motiv in der aktuellen Ausstellung im Museum Brandhorst. Seit über 60 Jahren malt Katz seine Frau. Beinahe jedes Bild von ihr sieht so aus, als habe er sie ganz spontan eingefangen. Tatsächlich erinnern auch die meisten anderen Werke des New Yorkers an Fotografien, Schnappschüsse, wenn auch sehr perfekte. Sie zeigen Momentaufnahmen, die für sich stehen und den Augenblick festhalten.

Der Vorreiter der Pop Art: Alex Katz im Museum Brandhorst
© Julia Mielewski
Der Vorreiter der Pop Art: Alex Katz im Museum Brandhorst
© Alex Katz, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Landschaften in Mondlicht getaucht, der Wind in den Blättern an einem Novembernachmittag, Frauen und Männer, die sich scheinbar unbeobachtet wähnen oder auch mal nahezu herausfordernd aus dem Bild „zurückschauen“ – wenn man Katz‘ Werke nur lange genug betrachtet, fühlt man sich wie hineingesogen und als Teil der Szenerie.

Der 91-jährige Alex Katz gilt mit seinen figurativen, schnörkellosen Bildern als Vorreiter der Pop-Art-Bewegung und somit unter anderem als Inspiration für Andy Warhol. Einige seiner Werke sind von gewaltiger Größe und nehmen ganze Wände ein, wie das sechs Meter breite „Private Domain“ (1969), auf dem Tänzer und Tänzerinnen in einem fleischfarbenen Gemenge ihre Kür darbieten. Auffällig ist auch: Alle von Katz Porträtierten wirken wie einem Jungbrunnen entsprungen und sind stets modisch gekleidet. Graue Haare – ja, das kommt vor. Falten, Gebrechlichkeit oder gar fehlende Vitalität – niemals. Schönheit ist bei Katz im wahrsten Sinne zeitlos.

Der Vorreiter der Pop Art: Alex Katz im Museum Brandhorst
© Alex Katz, VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Der Vorreiter der Pop Art: Alex Katz im Museum Brandhorst
© Julia Mielewski

Katz‘ Arbeiten lassen Raum für Illusionen, sind nicht zwingend „realistisch“, auch wenn es sich um Alltagsszenen handelt, die er mit Öl auf Leinwand oder mit Kreide und Kohle auf Papier festgehalten hat. Hin und wieder imitiert er auch Kniffe aus dem Bereich des Films – wie im berühmten „The Black Dress“ (1960), auf welchem Ada Katz in sechs unterschiedlichen Posen abgebildet ist, wie man es aus Filmsequenzen kennt.

Über 80 Bilder von Alex Katz, entstanden zwischen 1951 und heute, kann man sich seit Dezember im Museum Brandhorst ansehen. Und wenn man findet, dass Kultur und Kaffee ein unschlagbares Paar sind, kehrt man vor oder nach dem Bilder-Gucken auch noch ins Café Horst im Brandhorst-Foyer ein und beobachtet das geschäftige Treiben auf der Theresienstraße.

Alex Katz | 6. Dezember 2018 bis 22. April 2019 | Museum Brandhorst | Täglich (außer montags, da ist geschlossen): 10.00–18.00 Uhr, donnerstags: 10.00–20.00 Uhr | Eintritt: 7 Euro, der Audioguide ist unter der Woche kostenfrei, am Sonntag kostet er 4,50 Euro (der Besuch der Ausstellung nur 1 Euro)

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