Wieder ein Juwel weniger: Die Theresa Bar schließt – ein Nachruf

© Theresa Grill Restaurant Bar

Einzig in ihrer Art – die Theresa Bar war die unangefochtene Königin der Münchner Bars. Eingewickelt in Samt, verziert mit Gold saß sie da in der Maxvorstadt und nippte gemächlich an ihrem Champagner Daisy. Sie hatte es nie eilig, sie war nie hektisch. Eigentlich war sie die Bar, die einen erwachsen gemacht hatte. Mit der man erwachsen geworden war – und wenn auch nur für einen Abend. Für manche ein einziger Grund, ins wuselige Univiertel zu fahren. Zwischen Studentenkneipe und Hipster-Bar eine Genuss-Oase, für die man nie zu overdressed sein konnte.

Die Theresa Bar war die beste Version einer Nacht und dementsprechend wollte man sich ihr auch von seiner besten Seite zeigen. Die einzige Bar auch, der man den Teppichboden verzieh. Sie war eine Zeitreise in die Illusion der 20er Jahre, die man nie erlebt hatte, aber die man sich hier an einem Abend mal vorstellen konnte. Schwere samtene Kissen, in die man sank, bezaubernde Drinks in kühlen Kristallgläsern, die man in der Hand hielt und gedämpftes Licht, durch das man die anderen Gäste wunderbar beobachten konnte. Die Theresa Bar war eine andere Welt und in manchen Momenten schien hier alles möglich.

Die Theresa Bar schluckte einen, lud einen auf einen sanften Drink ein und drückte einen ebenso sanft ins Polster.

Und das ohne auf laute Musik, Menschenmassen, Lichteffekte und gewagte Drinkmischungen zu setzen. Die Theresa Bar schluckte einen, lud einen auf einen sanften Drink ein und drückte einen ebenso sanft ins Polster. Es ging nicht um den Rausch, sondern um den Genuss. Wenn man ihre Welt wieder verließ, war draußen meistens alles wie zuvor. Nur die Zeit dazwischen hatte man woanders verbracht. Sie war ein Juwel, von dem es keine zweite Version gab. Keinen Zwilling, keinen Vergleich, keinen Plan B. Wenn die Theresa Bar voll war, ging man wieder heim.

Und jetzt, da die Bar schließt, gibt es kein Trostpflaster. Keinen anderen Ort, an den man gehen könnte, sobald man eine Sehnsucht verspürt. Sie wird fehlen, die Königin ist tot. Ende März ist der letzte Tag der wohl schönsten Bar Münchens – und so wie wir die Theresa kennen, wird sie noch ein letztes Mal den Champagner kalt stellen, sich in Schale werfen und in der Masse baden. Sie wird einen noch einmal vollkommen einnehmen, herzlichst einladen und dann ein letztes Mal nach Hause gehen lassen.

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