„A bar is just a church where they serve beer“: Die X-Bar ist jetzt im Lehel

Die Nebelmaschine lässt einen sanften Schleier auf die Leute zwischen dem DJ-Pult und der Bühne fallen, die Gäste jubeln amüsiert und auch ein bisschen ironisch, was Inhaber Frank Schmitt ein breites Grinsen entlockt. Ein paar Diskokugeln werfen kleine rote und blaue Vierecke an die Wände. Große Spiegel mit antikem Touch und goldbemaltem Rahmen zeigen entspannte, gut gelaunte Gesichter. Man nippt am Bier, hier und da wird ein Schnaps dazu getrunken. Wir sind in der X-Bar, liebevoll das „X“ genannt. Seit dem Umzug der Schwabinger Kneipe ins Lehel hat sich allerdings das ein oder andere verändert.

„Ich habe zum Glück einiges an Vorlaufzeit gehabt“, erzählt Frank über den örtlichen Wechsel seiner Bar vom ehemaligen Künstlerviertel in die Gegend nahe des Maxmonuments. Dreieinhalb Jahre haben die Verhandlungen um die Räumlichkeiten in der Sternstraße 20 gedauert. Am Ende konnte man sich einigen, und Frank hat die Bar schließlich gekauft. Gerade rechtzeitig, denn im Juni 2019 gingen in der unprätentiösen, leicht punkigen Nachbarschaftskneipe in Schwabing endgültig die Lichter aus – wie man schon länger befürchtet hatte.

© Julia Mielewski
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120 Jahre Gastronomiegeschichte finden ein Ende

Um die Verlängerung des Pachtvertrags der X-Bar hatten Frank und seine Gäste schon in der Vergangenheit bangen müssen. Nun war es im letzten Jahr soweit, dass es nicht mehr weiterging. „Uns wurde vorgeworfen, eine Vergnügungsstätte zu sein, also mehr Club als Bar“, berichtet Frank. Im Streit um das Weiterbestehen des X ging es letztlich sogar vor Gericht – doch ohne Erfolg. 120 Jahre Gastronomiegeschichte in der Clemensstraße 71 fanden somit ein Ende. Die X-Bar war dort seit 1996 beheimatet gewesen.

Im Lehel ist das X zu einer gemütlichen Kellerbar mit kleiner Bühne geworden. Nach wie vor kommt Rockabilly, Surf, Punk, Rock’n’Roll und auch mal Countrymusik aus den Boxen. Zweimal im Monat spielen Bands – es ist Frank wichtig, vor allem Münchner Künstler*innen eine Plattform zu bieten. Die Sofas im Chesterfield-Stil, die auch schon in der alten Adresse den Charakter der Bar entscheidend prägten, sind jetzt um die Säulen im Untergeschoss verteilt.

© Julia Mielewski
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Trinkkultur abseits von fancy Cocktails in Ananas-Bechern

Der beliebte Kicker hat seinen Platz auf der Eingangsebene gefunden, wo noch zusätzliche Sitzgelegenheiten zum Ratschen einladen. Insgesamt gesehen hat der Umzug ins Lehel dem X einige interessante Neuerungen eingebracht – die Umstände, die dazu führten, lassen jedoch das eine oder andere graue Haar wachsen, wenn alternative Kultur einem nicht egal ist.

Ein alter Pachtvertrag in einem Viertel, in dem immer mehr Luxussanierungen vorgenommen und Miet- in Eigentumswohnungen umgewandelt werden – ein Schelm, wer Böses dabei denkt, aber es winken wohl lukrativere Möglichkeiten. Sicherlich spielte auch der Fakt eine Rolle, dass das X keine Bar ist, in der fancy Drinks in metallenen Bechern in Ananasform serviert werden oder wo man horrende Eintrittspreise für die Konzertabende verlangt.

© Julia Mielewski
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Die Gemeinschaft ist Teil des Konzepts

Im Gegenteil: Die X-Bar zieht Leute an, die nicht sofort an ihren Instagram-Account denken, wenn die Frage aufkommt, wo man am Freitagabend die Woche ausklingen lassen möchte. München ist schön, na klar, kein Grund, sich zu beschweren. Aber es wäre doch ein Traum, wenn auch weiterhin Orte eine Daseinsberechtigung hätten, die man nicht als schick bezeichnen würde oder die nicht allen gefallen wollen. Eine Stadt zu werden, in der Subkultur nur noch als Zwischennutzung existiert oder an die Ränder der Innenstadt verdrängt wird – das ist doch sicherlich nicht das, was wir wollen.

Beim Betreten einer Bar – egal ob gezielt oder durch puren Zufall –, in der Trinkkultur ohne großes Brimbamborium stattfindet, denkt man das nächste Mal vielleicht an den grandiosen Song von Jim White, in dem es heißt: „A bar is just a church where they serve beer“. Wenn man sein persönliches zweites Wohnzimmer gefunden hat, geht es immer auch um die Gemeinschaft, die Community. Und die X-Bar ist einer der Orte in unserer hübschen Stadt, wo dieser Gedanke Teil des Konzepts ist.

X-Bar | Sternstraße 20, 80538 München | Dienstag – Donnerstag: 20.00–03.00 Uhr, Freitag & Samstag: 20.00–04.00 Uhr  | Mehr Info

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