11 Theaterstücke, die du dir im November und Dezember 2021 anschauen solltest

Langsam haben sich die Theater wieder in ihren gewohnten Rhythmus geschaukelt und bescheren uns eine Perle nach der anderen im November und Dezember. Es regnet Premieren, Uraufführungen stürmen jung und naiv die Bühne, aber auch alt bewährte Theaterstücke glänzen heller denn je. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Herbst uns aktuell gar so grau und nebelig in sein trotzdem buntes Blätterlaub hüllt. Dieses Wetter schreit förmlich nach Kultur, Kultur, Kultur und wir wollen diesem Verlangen unendlich gerne nachgehen. Wo ihr anfangen sollt, den Drang nach ganz großer Schauspielkunst zu befriedigen? Wir hätten da 11 Theaterstücke in petto, mit denen man nichts falsch machen kann. Bühne frei und Vorhang auf!

Obacht: Aufgrund der aktuellen Corona-Maßnahmen schließen einige Theater, vor allem die kleineren Häuser, bis 15. Dezember 2021. Checkt vor eurem Besuch lieber nochmal die Sozialen Medien oder Webseiten der Theater.

Volkstheater

1. Edward II.

Edward II. Volkstheater
© Arno Declair

Starten wir mit einem absoluten Highlight: "Edward II." in den neuen heiligen Hallen vom Volkstheater. Nach Jahren der Verbannung holt der König seinen Geliebten Gaveston an seine Seite, überhäuft ihn mit Geld und Ehren und macht ihn zum wichtigsten politischen Berater. Königin Isabella bangt um ihre Familie, der Adel um seine Macht, die Kirche um ihre Prinzipien – eine gnadenlose Jagd beginnt.

Bei dieser Inszenierung stimmt einfach alles. Vom komplett pinken Bühnenbild und den ebenfalls pinken Kostüme mit schwarzen Akzenten über das leider immer noch sehr aktuelle Thema der (unterschwelligen) Homophobie bis hin zur schauspielerischen Leistung. Wir waren von Anfang bis zum Ende gefesselt von diesem Stück, das uns erstmals ins Volkstheater an der Tumblingerstraße gelockt hat. Und würden euch dringend raten, diese Perle nicht zu verpassen.

Termine: 1., 10., 13. und 25. November 2021: 19.30 Uhr

Tickets: 15 bis 39 Euro

2. Cloud*S*Cape

Cloud*S*Cape
© Chris McPherson

Nachdem das Jugendwort des Jahres 2021 "cringe" ist, sollte es und eigentlich nicht mehr wundern, dass im Volkstheater eine Tap-Oper Premiere feiert. Unsere erste Reaktion darauf: "Fuck, wie geil ist das denn!?" Der Hybrid aus Schauspiel und Konzert "cloud*s*cape" stellt die Frage, wie weit Widerstand gehen darf. Rapartist Antifuchs performt mit dem Ensemble auf der Bühne. Und für alle, die es aus Gründen des Alters nicht mitbekommen haben: Trap ist ein Subgenre des Hip-Hop mit markanten Drumcomputer-Beats, das international in den Charts ist. Skrrrt!

Termine: 19., 23. und 24. November: 20.00 Uhr, 21. November 2021: 19.00 Uhr

Tickets:  15 bis 28 Euro

Marsstall

3. Was der Butler sah

Was der Butler Sah
© Birgit Hupfeld

Im Marsstall regnet es im November und Dezember Affären: "Was der Butler sah" beginnt mit einem Bewerbungsgespräch, bei dem der Psychiater Dr. Prentice seiner Sekretärin Geraldine mehr als #MeToo-verdächtige Annäherungsversuche macht. In flagranti ertappt werden sie von seiner Frau, die allerdings eine eigene Affäre zu vertuschen sucht. Es entspinnt sich eine atemberaubende Jagd von sechs Figuren nach passenden Kleidungsstücken, passenden Ausreden und dem passenden Geschlecht, bei der beinahe ein Polizist ermordet wird und alles mit Winston Churchills Penis endet. Na wenn euch das mal nicht den Atmen stocken lässt!

Termine: 1. November und 25. Dezember: 19.00 Uhr, 27. November, 10. und 16. Dezember: 20.00 Uhr, 31. Dezember 2021: 20.30 Uhr

Tickets: 16 bis 48 Euro

Kammerspiele

4. Heart Chamber Fragments

Heart Chamber Fragments
© Judith Buss

Was bedeutet es, ein neues Herz zu erhalten? Wie wird aus einem Zuhause ein Gefängnis? Für die Stückentwicklung "Heart Chamber Fragments" begeben sich das Theaterkollektiv Paper Tiger Theater Studio aus Beijing und das Ensemble der Kammerspiele auf eine performative Recherche in die labyrinthischen Gangsysteme unter unserer Haut und unter der Erde. Dabei kombinieren sie Texte von Kafka, Nancy und Yuanming, die um Fragen nach Abschottung und Ausschluss, Immunität und Identität, dem Verhältnis von Körperwahrnehmung und Raumerfahrung, extremen Gefühlen der namenlosen Angst und der überschäumenden Freude kreisen.

Termine: 1., 2., 4., 7., 9. November: 20.00 Uhr, 10. November 2021: 11.00 Uhr

Tickets: 25 Euro

5. Der Sprung vom Elfenbeinturm

Der Sprung vom Elfenbeinturm
© Emma Szabó

Was haben Sexspielzeuge, Wölfe, Kinder, die Bomben lieben, und groteske Essrituale gemeinsam? Sie alle spielen eine Rolle in den Werken von Gisela Elsner. Mit sezierenden Blicken und sprachlicher Überhöhung erkundet die Satirikerin Untiefen der Nachkriegszeit und der Bundesrepublik vor 1990, die auch unsere Gegenwart prägen: faschistisches Denken, Geschichtsverdrängung, maßloses Wachstum, hierarchische Geschlechterverhältnisse und soziale Ungleichheit. "Der Sprung vom Elfenbeinturm" ist ein Abend mit Texten der Autorin, die stets die Normalität anklagte, und sich nach dem Scheitern des Kommunismus 1992 in München in den Freitod stürzte.

Termine: 27. und 29. November 2021: 19.30 Uhr

Tickets: 10 bis 41 Euro

Hoch X

6. Manila Zoo

Manila Zoo
© Christian Schuller

Im Glücksimperium von Disney spielen philippinische Entertainer*innen eine besondere Rolle: Sie gelten als energiegeladene Glücksmaschinen, wenn es darum geht, in den Vergnügungsparks und Shows des Konzerns Tiere darzustellen. Die Choreografin Eisa Jocson erforscht in "Manila Zoo" gemeinsam mit einem internationalen Team die Schnittstellen von Mensch und Tier, von Spektakel, Arbeit und Isolation. Die Performance untersucht die politischen Zusammenhänge, die in den Aufführungsraum, den virtuellen Raum, das Disney-Imperium, den Zoo und in Privaträume eingeschrieben sind. Obacht: Das Ganze ist auf Englisch!

Termine: 2. und 3. November 2021: 18.00 Uhr

Tickets: 14 Euro, ermäßigt 7 Euro

Gärtnerplatztheater

7. Undine

Undine
© Marie-Laure Briane

Undine, Rusalka, Melusine, Arielle – das Motiv der (unmöglichen) Verbindung zwischen Mensch und Wasserwesen fasziniert seit jeher. Kein Wunder, denn, ob Nixe oder Wassernymphe, sie verkörpert eine der stärksten Triebfedern der menschlichen Natur: die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren. Karl Alfred Schreiner beschäftigt sich daher im Ballet "Undine" am Gärtnerplatztheater mit dem Wunsch, anders zu sein und doch dazuzugehören, ebenso wie mit der scheinbar paradoxen Verknüpfung von Sehnsucht und erotischem Begehren.

Termine: 4., 8., 24. und 26. November sowie 4. Dezember 2021: 19.30 Uhr
Tickets: 10 bis 56 Euro

Residenztheater

8. Lulu

Lulu
© Birgit Hupfeld

Über zwanzig Jahre lang arbeitete der Münchner Dramatiker Frank Wedekind an der von ihm sogenannten Monstretragödie, die aufgrund der harschen Zensur zu seinen Lebzeiten keine Aufführung in München erlebte. Zu anrüchig, zu lüstern. Wedekind schuf mit "Lulu" eine Schlange, geschaffen, um zu locken und verführen. Und um zu morden. Für ihre Liebhaber scheint Lulu Projektionsfläche – was Mann wünscht, findet er in ihr. Lulus Verführungen treiben ihre Liebhaber*innen in München und Paris reihenweise in den Tod, bis sie sich schließlich in den Londoner Gassen ihrem eigenen Tod in die Arme wirft.

Termine: 6., 8., 12. und 19. November sowie 3. und 4. Dezember: 19.30 Uhr, 15. und 29. Dezember 2021: 20.00 Uhr

Tickets: 14 bis 44 Euro

Hofspielhaus

9. Zwei Männer ganz nackt

© Martin Hangen

Mit viel französischem Humor stellt die rasante Komödie "Zwei Männer ganz nackt" die Konventionen der Gesellschaft und des Theaters in Frage: Als der erfolgreiche Anwalt Alain Kramer und sein Mitarbeiter Nicolas Prioux eines Tages splitternackt gemeinsam in Kramers Wohnzimmer aufwachen, gerät ihre Welt aus den Fugen. Denn sie haben keine Ahnung, wie sie in diese Situation gekommen sind.

Termine: 9., 11., 18., 20., 24. und 25. November sowie 2., 4., 5. und 8. Dezember: 20.00 Uhr, 31. Dezember 2021: 18.00 und 21.00 Uhr

Tickets: 30 Euro (inklusive Snack)

Hoftheater

10. 1984

1984
© Hoftheater

Überwachung rund um die Uhr, alternative Fakten, totalitäre Herrschaft. George Orwell schrieb den Roman "1984" anno 1948. Damals schien es ein Blick in eine sehr weit entfernte Zukunft, auch im realen Jahr 1984 bestand noch nicht viel Grund zur Sorge. 35 Jahre später haben wir nun allerdings um so mehr Anlass zu Bangen: Orwells Vision von der totalen Überwachung hat erschreckende Aktualität gewonnen. Im neuen Hoftheater rüttelt uns das Ensemble ein wenig wach und bringt die Anti-Utopie auf die Bühne.

Termine: 24. bis 30. November 2021: 19.30 Uhr

Tickets: 8 bis 35 Euro

WERK7

11. Jana & Janis

Jana & Janis WERK7
© Schmidt Tivoli

Last but not least möchten wir euch ein Stück vorstellen, dass 2018 den Deutschen Musical Theater Preis abgestaubt hat. "Jana & Janis" stellt Fragen. Viele Fragen. Braucht Liebe Kompromisse, zum Beispiel? Oder soll man sich lieber selbst treu bleiben und weiterziehen, wenn’s kompliziert wird? Gibt es so etwas wie das Schicksal oder sind das alles nur die Hormone? Und was mag man wirklich, wenn man alles so einfach liken kann? Schnappt euch Tickets für das Theater im Werksviertel und findet vielleicht Antworten.

Termine: 1. bis 4., 8. bis 11. Dezember: 19.30 Uhr, 5. und 12. Dezember 2021: 18.30 Uhr

Tickets: 28,90 Euro

Titelbild: © Arno Declair

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