"Nachts" im Münchner Stadtmuseum: Das Atomic Café lebt wieder!

© Tina Weber

Schließt die Augen und stellt euch folgendes Szenario vor: Es ist Freitagabend. Die Sonne ist irgendwo hinter der Hackerbrücke untergegangen und die Nacht breitet sich langsam aus. Ihr lasst euch mit einem Wegbier durch die Straßen der Stadt treiben, hier und da wummert bereits der Bass hinter Türen hervor. Doch euch zieht es weiter, vorbei an den Schlangen und Menschenmassen, die sich vor einzelnen Lokalen häufen. Euch zieht es in die Neuturmgasse – denn dort warten die heiligen Hallen des Atomic Cafés auf euch.

Leider können wir euch an dieser Stelle nicht verkünden, dass das Atomic zurück kommt. Diese Perle der Clubkultur öffnete wirklich das letzte Mal ihre Pforten zur Silvesternacht 2014 und ruht seither in glitzerndem Frieden. Doch eine andere Münchner Institution macht es jetzt möglich, dass wir in alten Zeiten schwelgen und die ein oder andere feuchtfröhliche Nacht wieder präsenter im Kopf haben. Am 24. Juli 2021 eröffnet im Stadtmuseum nämlich die Ausstellung "Nachts. Clubkultur in München" und nimmt uns mit auf einen Streifzug durch das Münchner Nachtleben der letzten 80 Jahre.

Atomic Café Ausstellung
© Lilli Wermuth
Nachts Stadtmuseum
© Lilli Wermuth

Die Ausstellung widmet sich dem Thema in seiner ganzen Bandbreite: von legendären Orten über legendäre Nächte bis hin zu legendären Musiker*innen. Von den Menschen, die bis in die frühen Morgenstunden feiern, bis hin zu einer ganzen Industrie, die davon lebt. Die Ausstellung fragt dabei auch nach der Bedeutung des Nachtlebens und der Clubkultur im Bezug auf die Urbanisierung Münchens und lenkt den Fokus auf die prekäre Situation der Clubs, die sich durch die Pandemie zusätzlich verschärft hat.

Legendäre Orte, legendäre Menschen, legendäre Nächte

Das Stadtmuseum wird also die nächsten Monate – bis Anfang Mai 2022 –  gespickt sein mit verloren geglaubten Orten und Objekten der Subkultur. Darunter eben auch das ein oder andere Stück Wand aus dem Atomic, der berühmt berüchtigte Paillettenvorhang, das DJ-Pult samt Originalstickern, sogar die echte Eingangstür mit Schild und allem drum und dran. Das Atomic Café wird quasi zum Leben erweckt, wenn auch nicht ganz so lebendig, wie wir es gerne hätten, und ohne den klebrigen Boden. Dafür finden aber wirklich sämtliche Details in der Ausstellung Platz: Ein kleines Tütchen mit alten, von der Theke gekratzten Kaugummis inklusive.

Nachts Stadtmuseum
© Lilli Wermuth
© Lilli Wermuth
Nachts Stadtmuseum
© Privat

Doch nicht nur das: Einrichtungsgegenstände und Fotografien aus dem Club Morizz, dem Ultraschall II, dem Flughafen Riem, dem Kunstpark Ost oder der Registratur lassen vergangene Zeiten wieder hochleben – und jagen uns eine Gänsehaut über den ganzen Körper. Natürlich dürfen Sound- und Videoinstallationen dabei nicht fehlen, um die Blutkörperchen in unseren Adern vor Sehnsucht zum Tanzen zu bringen. Deswegen haben die Jungs von naiv studios eigens für die Ausstellung eine spezielle Raum-in-Raum-Installation gebaut, die uns kurzzeitig in eine Achterbahn der Gefühle katapultiert. Und uns den Dancefloor fast schon wieder spüren lässt.

Pilgert also beim nächsten Regenwetter zum Stadtmuseum und besucht "Nachts", denn glaubt uns, diese Ausstellung ist alles, von dem wir nicht wussten, dass wir es brauchen. Sie gibt uns ein bisschen von dem Gefühl und Leben zurück, das wir nach bald eineinhalb Jahren Pandemie fast vergessen hätten. Dabei ist sie auch noch so wunderbar kuratiert und aufgebaut, mit so viel Liebe zum Detail und zur Szene gestaltet, dass es bei einem Besuch wohl nicht bleiben wird. Am besten ihr besorgt euch direkt eine Jahreskarte. See you on the dancefloor!

Ausstellung "Nachts. Clubkultur in München" | Münchner Stadtmuseum | St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München | 24. Juli 2021 – 1. Mai 2022 | Mehr Info