"Schickeria" – diese Serie zeigt, wie wild und verrucht München einmal war!

© Constantin Dokumentation

Viele Clubs, wilde Nackt-Partys und exzessiver Drogenkonsum – bei diesen Schlagworten denken wir sofort an Berlin, doch in den 60er und 70er Jahren gehörten sie zu München! Als "heimliche Hauptstadt" galt sie damals und ein progressiver Puls ging durch die Stadt – so erzählt es zumindest die neue Doku-Serie "Schickeria" auf Amazon Prime und gibt mit dem Beisatz "Als München noch sexy war" zugleich zu, dass dies (leider) längst Geschichte sei.

"München war wirklich sexy!", dieser Satz wird von Iris Berben in der ersten Folge so oft wiederholt, dass schon am Anfang eine gewisse Überzeichnung deutlich wird, die sich durch die ganze Serie zieht. Die Schauspielerin führt zusammen mit Moderator Thomas Gottschalk durch die vierteilige Doku-Serie. 

© Constantin Dokumentation

Die Serie "Schickeria" mag die Zeit von damals verklären (wir selbst waren nicht dabei), doch erfahren wir trotzdem viele neue, überraschende Fakten über München, die wir vorher niemals geglaubt hätten. Und selbst wenn die Geschichten nur halb so krass waren, wie beschrieben, ändern sie unsere Sicht auf München komplett! 

Angefangen bei der Schickeria, die zuerst alles andere als eine Schickimicki-Gesellschaft neureicher Münchner*innen war. Mitte der 60er Jahre, noch vor der Erfindung des Wortes, fand sich eine Gruppe kreativer, junger Menschen zusammen. Sie alle hatten den Drang nach Freiheit, die Lust aufs Feiern und den Wunsch nach Frieden und Fortschritt in der Gesellschaft. Erst später ging es der Schickeria um die Selbstinszenierung, begleitet vom Boulevardjournalismus. 

München – durch Olympia zur Weltstadt

München hatte den Ruf einer Weltstadt und das zu Recht! Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1972 brachte die Stadt allein in Schwabing einige Bauten hervor, die für die damalige Zeit revolutionär waren: Das Blow Up war Deutschlands erste Großraumdisko und galt als einer der bekanntesten Nachtclubs ganz Europas! Mit der Citta 2000 entstand wenig später das erste Shopping Center Deutschlands.

Als Highlight galt das Schwabylon, ein bunter und futuristischer Bau, in dem unter anderem eine Spielhalle, ein Schwimmbad und eine Eishalle untergebracht waren. Ebenfalls im Schwabylon gab es einen Club namens Yellow Submarine – und jetzt haltet euch fest: Darin gab es ein riesiges Aquarium mit 30 echten Haien!

Schwabylon & Citta 2000: So bunt war Schwabing früher | Golden Clubs #1: Cocktails zwischen Haifischen im Yellow Submarine
© Justus Dahinden | gemeinfrei
Golden Clubs #1: Cocktails zwischen Haifischen im Yellow Submarine
© Mjunik Disco

Unzählige Clubs im Münchner Stadtteil Schwabing

München und seine Clubs – heutzutage eine eher überschaubare Angelegenheit – war damals eine ganz andere Nummer. Allein in Schwabing soll es mehrere Dutzend gegeben haben. Und es wird noch besser: Sie hatten jeden Tag geöffnet! Jeden Tag! So erzählen es die Zeitzeugen in der Amazon-Serie. Und die Polizei war der Freund der Party People, diese mussten nicht mit Kontrollen oder Razzien rechnen. Sicher, dass wir noch von München sprechen? Dieses Phänomen kennen wir sonst nur aus Berlin.

Ich hatte keine Zeit für weiche Drogen.
Iris Berben, Schauspielerin

Für die Schickeria in München waren neben den Partys auch die Drogen ein stetiger Begleiter. So erzählt Iris Berben in der Serie: “Ich hab sicherlich auch ab und zu mal einen Joint geraucht, aber für mich stand immer der Leitspruch: 'Ich hab keine Zeit für weiche Drogen.' Kokain war da und LSD war da.” Und damit war sie sicherlich nicht allein. München war damals eine große Drogenhochburg, bis heute wird Kokain auch als “Schickeria-Droge” bezeichnet.

© Heinz Gebhart, Constantin Dokumentation

Skandal im Sperrbezirk: München kämpft für den Puff

Das hat uns am meisten überrascht: München war Vorreiter für die Emanzipation von Frauen und die Anerkennung von Sexarbeit. Alles begann mit Demos für den Minirock und gegen den BH – es sollte ein Zeichen sein für Freiheit und Selbstbestimmung von Frauen. In den Clubs wurden sogar Nackt-Partys veranstaltet. 

Kurz vor den Olympischen Spielen kamen dann Europas erste Peepshows nach München und tausende Sexarbeiterinnen wurden erwartet. Das war wohl zu viel, die Innenstadt wurde zum Sperrbezirk erklärt. So kam es letztendlich zum sogenannten "Dirnenkrieg", bei dem Sexarbeiterinnen für ihre Rechte demonstrierten. Leider ohne Erfolg – den Sperrbezirk in München gibt es bis heute.

Schickeria – Als München noch sexy war

Die Schickeria hingegen gibts heute so nicht mehr, alles zum tragischen Ende der Schickimicki-Gesellschaft und viele spannende Originalaufnahmen aus der wilden Zeit Münchens zeigt die Serie "Schickeria" in vier Folgen auf Amazon Prime.

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