Kaffeezeremonie und äthiopische Küche: Das Tillu-Coffee in der Maxvorstadt

© Sandra Langmann

Ein äthiopisches Café oder doch ein Reisebüro? Vor dem Laden liegen bunte Kissen auf den Fensterbänken und davor dienen Holzhocker als kleine Tischchen. Das schaut doch ganz nach einem Café aus, doch in den großen Schaufenstern hängen Schwimmreifen und Schiffsanker, in der Auslage steht ein Leuchtturm. Kann man hier doch seine Reise buchen? Nicht mehr. Die Reisekataloge wichen Kaffeemaschine und Bistrostühlen. Statt Urlauben verkauft Meseret seit kurzem Kaffee, Kuchen und weitere süße und deftige Leckereien. Eine schöne Erinnerung an ihre Heimat Äthiopien.

Tillu Café
© Sandra Langmann
Tillu
© Sandra Langmann
Freundlichkeit bringt dir immer etwas. Das ist meine Natur.

Was Tillu bedeutet, weiß Meseret Moges selbst nicht. Ihr Vater hat sie als Mädchen so genannt. Es ist wohl ein besonderer Ausdruck, in dem Liebe und Fürsorge mitschwingen. Und so einen Ort hat Meseret nun auch in der Augustenstraße in der Maxvorstadt geschaffen. Denn wenn Meseret im Tillu eines kann, dann ist es für Ruhe und Entschleunigung zu sorgen. Beim Betreten lässt man die Hektik der Straße draußen und Meseret überschüttet einen mit Gastfreundlichkeit und ihrer ruhigen, gelassenen Art. "Freundlichkeit bringt dir immer etwas. Das ist meine Natur", sagt sie. So kann sie auch keine zwei Minuten draußen auf der Fensterbank sitzen, ohne jemanden zu grüßen oder zu winken.

Tillu Café
© Sandra Langmann

Spicy Kaiserschmarrn und Obstburger als Eigenkreationen

Im Tillu werden wir mit allerlei Köstlichkeiten bewirtet. Äthiopien gilt als die Heimat des Kaffees, also der Arabica-Bohne, – ganz klar also, dass wir uns als allererstes eine Tasse davon genehmigen. Auch einen Matcha Latte möchten wir probieren. Den kauft Meseret extra beim Reformhaus in der Straße, der schmeckt einfach am besten. Dazu naschen wir fluffig und zugleich saftigen Käsekuchen, der beliebteste Tillu-Klassiker, und einen veganen und glutenfreien Nuss-Karottenkuchen. "In Äthiopien wird zwar viel Fleisch gegessen, aber in der Fastenzeit ernährt man sich vegan." Auch Meseret fastet regelmäßig und verwendet statt Weizenmehl lieber Teff, gemahlene Zwerghirse, das sie zum Backen verwendet.

Spannend ist außerdem der Obstburger, der statt einem Burgerpatty mit frischem Obst und Früchten belegt, mit Karamell übergossen und Nüssen verziert wird. Inspiriert wurde Meseret vom Burgerladen gegenüber und gerade bei Kindern kommt die süße Variation gut an – bei uns allerdings auch. Die deftigen Teigtaschen "Sambusa" sind mit Spinat gefüllt und als "glutenfreies Frühstück" wird würziger Kaiserschmarrn serviert, der mit Kurkuma, Knoblauch und weiteren Gewürzen so richtig spicy schmeckt!

Tillu
© Tobias Brenninger
Tillu
© Tobias Brenninger

Aufgewachsen ist Meseret in Äthiopien. Als sie 15 war, verstarb ihr Vater. Das machte sie so traurig, dass sie dort nicht länger bleiben konnte und zu ihrem Onkel nach Köln zog. "Meine Mutter und meine Familie leben noch immer in Äthiopien. Ich vermisse sie und besuche sie regelmäßig. Aber das geht eben nicht so häufig." In Köln ging sie zur Schule, lernte Deutsch und machte eine Ausbildung zur Arzthelferin. Danach machte sie sich mit einem Reisebüro selbstständig, ging für die Liebe nach Frankfurt und leitete von dort aus ein Kinderheim in Äthiopien. 2009 zog sie für eine Freundin nach München. Auch hier führte sie zuerst ein Reisebüro, doch nach Corona fehlte die Nachfrage. "Alle buchen ihre Reisen jetzt online selbst." Also switchte Meseret um, organisierte Stühle, Tische und Bänke aus dunklem Holz und verwandelte das Büro in ein äthiopisches Café, mit einem ganz besonderen Event – einer Kaffeezeremonie – inklusive Popcorn.

Kaffeezeremonie mit Weihrauch und Popcorn

Tillu
© Sandra Langmann
Das ist wie Facebook. Das gibt es dort in den Dörfern ja nicht.

In Äthiopien wird das Kaffeetrinken zelebriert und nicht einfach auf den Knopf einer Maschine gedrückt. Das Zubereiten kann dann schon mal zwei Stunden dauern. Dafür kommen die Frauen im Dorf zusammen, bereiten gemeinsam Kaffee über dem Feuer zu und tauschen sich aus. "Das ist wie Facebook. Das gibt es dort in den Dörfern ja nicht." Im Tillu wird diese Form der Kaffeezeremonie in die Maxvorstadt gebracht.

Dafür breitet sich Alem, eine Freundin von Meseret, auf dem Boden des Cafés aus. Zuerst werden die Kaffeebohnen gewaschen und dann in einem Topf auf einer Kochplatte erhitzt. Während der Zeremonie glüht der Weihrauch in einer Lampe vor sich hin, dessen Rauch das ganze Tillu in seinen Duft hüllt. Es hat wirklich etwas Spirituelles. Wenn die Kaffeebohne dunkelbraun geworden sind, kommen sie in eine Pfanne und Alem geht damit von Tisch zu Tisch, damit man sich das Röstaroma zufächern kann. Dann wird der Kaffee gemahlen, in Äthiopien mit einer Art Mörser, und mit heißem Wasser aufgegossen. Durch die Kaffeezeremonie weiß man mit jedem Schluck die Kunst des Kaffeebrühens mehr zu schätzen und es schmeckt gleich noch ein bisschen feiner.

Tillu
© Sandra Langmann

Wer bei einer Kaffeezeremonie dabei sein möchte, sollte diese spätestens einen Tag vorher buchen, damit Meseret sie rechtzeitig organisieren kann. Ein schönes kleines traditionelles Event, um mit Freundinnen am Nachmittag zum Kaffeeklatsch einzukehren.

Und was passiert mit dem Popcorn? Kommt der etwas in den Kaffee? "Ach nein, das snackt man einfach dazu. Das freut vor allem die Kinder im Dorf", sagt Meseret. So holt sie ihre Heimat in die Augustenstraße – in Form von Interieur und ihrer freundlichen und ruhigen Art und als Kaffeezeremonie, um selbst ruhig und besonnen auf die Kaffeekunst zu blicken.

Tillu
© Sandra Langmann

ALLE INFOS ZUM TILLU AUF EINEN BLICK

Unbedingt probieren // Äthopisches Frühstück (Kaiserschmarren) und Espresso.

Vegetarisch // So gut wie alles ist hier vegan oder vegetarisch.

Mit wem geht man hin? // Mit Freund*innen zur Kaffeezeremonie oder auch mal alleine zum Ratschen mit Meseret.

Für Fans von //  A small Café und MARITA Café

Besonderheit des Ladens // Die entspannte Atmosphäre, für die Meseret sorgt und der äthiopische Look.

Preise // Croissant für 2,90 Euro und veganes Frühstück für 6,90 Euro.

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