Club Legenden #5: Britwoch und Indie-Konzerte im Atomic Café

© Atomic Café

Heute kaum mehr vorstellbar, aber München war mal die Partystadt schlechthin – das "deutsche San Francisco". In den wilden 60ern und 70ern feierten hier Freddy Mercury, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Uschi Obermaier und Mick Jagger. Schwabing und die Leopoldstraße waren der Place-to-be. In den 80er Jahren kam dann die Schickeria auf, das hielt die 90er aber nicht auf mit ausgefallenen Partylocations wie dem Flughafen Riem noch mal Gas zu geben. Aber auch heute machen immer wieder Clubs zu, die in München Geschichte schrieben – wie das Atomic, die Registratur oder die Erste Liga. Wir erzählen ihre Geschichte.

Das Atomic Café – wo soll man da nur anfangen? Eigentlich kann man allen, die diese Indie-Legende noch miterlebt haben, nur herzlich gratulieren. Was für eine Zeit, was für ein Laden, was für ein München. Das Atomic war weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt, eigentlich viel zu große Bands wie The Babyshambles und Die Toten Hosen spielten in dem doch eher kleinen Club mit Mini-Bühne und Glitzervorhang unangekündigte Konzerte und feierten spontane Afterpartys. Insgesamt lautet die Bilanz vom Atomic: 2000 Live-Acts und über 5000 Partys in 18 Jahren.

Das Atomic schaffte es vor allem über seine intime Live-Atmosphäre und dem visionären Booking (beim ersten Mumford & Sons-Konzert waren gerade mal 150 Leute da) sich international einen Namen zu machen. Es spielten unter anderem die Arctic Monkeys und Stereo Total, Nora Tschirner und Heike Makatsch gaben Lesungen – ja, und manche Bands gründeten sich sogar hier. Wie die Sportfreunde Stiller, deren Mitglieder alle jahrelang hinter der Bar vom Atomic arbeiteten.

Die ganz eigene Bilanz von vielen Münchnern, die in den 90ern geboren sind, hört sich dagegen wahrscheinlich so an: 23 Weinflaschen im Gebüsch versteckt, sich vor 23 Uhr einen Stempel umsonst geholt und dann zwei Stunden nachts auf dem Spielplatz verbracht. Fünf Mal geknutscht und zu 18 Liedern mitgesungen. Ein Mal nicht reingekommen und über 60 Prozent der Besucher gekannt.

Atomic Café – die letzten Abende in 2014

Der Abschied vom Atomic Café zog sich viele Monate. Schon 2013 stand fest, dass der Pachtvertrag nicht verlängert wird. Nach einem kurzen Aufschub und einer großen, leider vergeblichen Rettungsaktion hatte der Club dann in der Silvesternacht 2014 seine wirklich letzte Party. Über hundert Exponate von der 60er-Jahre-Einrichtung wurden in die Sammlung des Stadtmuseums aufgenommen. Wer heute noch große Atomic-Sehnsucht verspürt, der kann sich leider nur noch mit dem Dokumentarfilm "This is Atomic Love" trösten.

Wann eröffnet: Januar 1997

Wann geschlossen: Januar 2015

Berühmte Gäste: Pete Doherty, Mumford & Sons, Heike Makatsch, Nora Tschirner, Die Toten Hosen und so viele mehr!

Besonderheit des Clubs: Kleiner Club, große Künstler – und das 60er Jahre Space-Design!

Vergnügte Anekdote: Das Atomic hatte eine eigene Freizeit-Fußballmanschaft – bei den „The Atomic Allstars“ kickte auch der  Flo von den Sportfreunden!

Heute steht dort: Lacoste, kein Scherz.

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