Ganz der Baba #22 – Helikoptereltern in der Spielplatzarena

© Marie Lechner

Ich habe es hier und da mal fallen lassen: Ich war fett in meiner Jugend. So der Typ, der dem maximal desinteressierten McDonalds Mitarbeiter erzählte, dass sich die Homies doch sehr über zwei Zwanziger-McNuggets und das Maxi Royal Käse Menü freuen würden. Nur gab es diese Homies nicht. Also Freunde hatte ich schon, aber die wurden nicht an meinen regulären Fressflashs beteiligt. Dafür war ich schon immer unterhaltsam, weshalb ich den Großteil meiner Jugend in der Friendzone verbrachte.

Dementsprechend habe ich nicht viele Storys von Ex Freundinnen auf Lager. Aber eine ließ mich nie wieder los – also wortwörtlich. Die Frau ließ mich einfach nie los! Es gab keinen Moment, in dem ich beide Hände frei hatte. Fragte mich jemand etwas, hechtete sie in die Konversation wie Michael Knight über eine beliebige Motorhaube. Permanent schwirrte sie in nächster Nähe um mich herum und hätte ich es zugelassen, hätte sie mir mein Essen vorgekaut, was bei den Mengen auf jeden Fall eine Herkulesaufgabe gewesen wäre. Ja, ich hätte aus erwähnten Gründen dankbar sein müssen für diese außefriendzonige Erfahrung, aber darauf kam ich einfach nicht klar.

Und ja, ich habe mich schon dabei erwischt, wie ich meinen zweijährigen Sohn auslache, weil er sich die komplette Sprudelflasche beim "alleine machen" übers Gesicht gekippt hat.

Wie muss sich also ein Kleinkind fühlen, was nicht mal ein- und ausatmen kann, ohne dass Mama oder Papa intervenieren und die richtige Breathwork-Technik für ein garantiert erfolgreiches Leben rausprusten?  Teddy ist aktuell in der "alleine machen"-Phase angekommen. Doch anstatt genervt zu sein von seinem nervigen, zeitraubenden, quengeligen "alleine machen", stelle ich mir lieber vor, dass er großkotzig zu mir kommt und sagt: "Zehnerwette, dass ich allein in den Kindersitz klettern kann?".

Da macht das ganze schon direkt mehr Spaß und ja, ich habe mich schon dabei erwischt, wie ich meinen zweijährigen Sohn auslache, weil er sich die komplette Sprudelflasche beim "alleine machen" übers Gesicht gekippt hat. Ich kann daher nicht ganz nachvollziehen, warum so viele Eltern auf Spielplätzen, im Haushalt und sowieso immer und ständig um ihre Kinder herumkreisen.

So wie bei einem Pokémon, das man über die letzten zwei Jahre gelevelt hat und jetzt in die Spielplatz Arena schickt. Ha, mal sehen, wie gut es mittlerweile mit Konfliktskills ausgestattet ist.

Benjamin spielt mit der Schippe, Valentin kommt dazu, will auch mit der Schippe spielen und schon kommen von beiden Seiten Eltern angeritten wie in Bravehearts besten Zeiten.

"Valentin! Du musst das Kind lieb fragen! Lieb fragen, Valentin!"

"Benjamin! Teilen lernen du musst, ja? Teilen! Immer lieb teilen!"

 

Daran, dass Benjamin schon im nächsten Moment dem kleinen Valentin die Schippe über den Schädel zieht, ändert das allerdings nichts. Aber mal ernsthaft: Ist es nicht viel lustiger und Achtung – vielleicht auch besser für die Entwicklung – seinen Nachwuchs mal alleine in so einen Konflikt gehen zu lassen? So wie bei einem Pokémon, das man über die letzten zwei Jahre gelevelt hat und jetzt in die Spielplatz Arena schickt. Ha, mal sehen, wie gut es mittlerweile mit Konfliktskills ausgestattet ist! Man kann ja immer noch dazwischen gehen, sobald es wirklich ernst wird.

Selbstständigkeit? Kommt bestimmt nicht davon, dass man beim Klettergerüst immer eine Hand am Arsch des Kindes hat wie bei diesen Gewinnspielen, bei denen der letzte, der die Hand am Auto hat, die Karre gewinnt.

Teddy sorgt häufig dafür, dass zwar "unauffällig", aber nicht weniger vorwurfsvoll nach dem Erziehungsberechtigten geschaut wird – also bloß, weil er sich relativ entspannt neben andere Kinder setzt und mitspielt. Obwohl wir unverkennbar die gleiche Frisur haben, bleibe ich in diesen Situationen unsichtbar. Meistens scannen die anderen Eltern nämlich nicht nach einem Erziehungsberechtigten an sich, sondern nach der Mutter. Aber wisst ihr was? Ich spiele da nicht mit. Ich habe Teddy immer im Blick. Er macht sein Ding und ich komme schon dazu, wenn ich das Gefühl habe, gebraucht zu werden.

Fragt man bei anderen Eltern, was sie sich für ihre Kinder wünschen, kommt Selbstständigkeit meistens unter den Top Drei vor. Tja, sorry Leute, aber die kommt nicht davon, dass man wie eine Mutterdrohne um seinen Nachwuchs kreist und jeden Konflikt löst oder gar nicht erst zulässt. Und schon gar nicht davon, dass man beim Klettergerüst immer eine Hand am Arsch des Kindes hat wie bei diesen Gewinnspielen, bei denen der letzte, der die Hand am Auto hat, die Karre gewinnt.

Ja, und vielleicht hat Legolas-Augustus auch die Körperspannung einer labbrigen Semmel weil er allein noch nichtmal einen Wasserhahn aufdrehen darf?

Da bringt es auch nichts, wenn Pauline ausgerechnet im Hochsommer, mit circa 230 wartenden Leuten hinter selbst ihr Eis bestellen soll. Ja, und vielleicht hat Legolas-Augustus auch die Körperspannung einer labbrigen Semmel weil er allein noch nichtmal einen Wasserhahn aufdrehen darf?

Daher geht das hier raus an alle kinderlosen Freundinnen und Freunde:
Solltet ihr mal als Aufsichtsperson für eure Kleinkindeltern-Homies und -Homegirls mit auf den Spielplatz gehen, ermutigt sie doch bitte, bitte zum "alleine machen".

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