11 Theaterstücke, die du dir im März und April 2020 anschauen solltest

© Marie-Laure Briane

Im März und April sprießen Premieren aus dem Bühnenboden wie Krokusse und Schneeglöckchen im Englischen Garten. Die Frühlingsgefühle entfalten sich in den verschiedensten Inszenierungen: Es wird improvisiert und nichts dem Zufall überlassen. Die Theaterhäuser werfen sowohl einen Blick in die Vergangenheit als auch in die Zukunft. Nicht nur Menschen stehen im Scheinwerferlicht, sondern auch ein Auto. Ob das alles Realität ist oder doch ein Computerspiel, ist manchmal nicht ganz klar. Wenn nichts mehr hilft, einfach eine Untersuchungspille nehmen. Und falls meine Worte für euch keinen Sinn ergeben: Einfach das hier aufgeführte bunt-gemischte Arrangement an Theaterempfehlungen durchstöbern.

Gärtnerplatztheater

1. Salome Tanz

Salome Tanz
© Marie-Laure Briane

Den Anfang macht das Gärtnerplatztheater mit einer Uraufführung des Ballets "Salome Tanz".  Die Bücherwürmer unter euch haben natürlich direkt richtig vermutet, dass Oscar Wildes Drama "Salome" hier die Grundlage bildet. Der israelische Choreograf Eyal Dadon greift dessen wesentliche Merkmale wie Sehnsucht nach Liebe, Angst vor der Wirklichkeit, die Gegenüberstellung von Stolz und Gehorsam, Treue und Betrug sowie Leben und Tod auf und visualisiert diese im zeitgenössischen Tanz. Er zitiert dabei eine Videospiel-Ästhetik – den Zuschauenden wird es wie den Spielenden möglich sein, den Verlauf der Vorstellung aktiv zu beeinflussen. Bereits jetzt kann man auf der Webseite des Theaters noch bis zur Premiere den Produktionsprozess mitgestalten. Die Macht sei mit euch!

Termine: 01. März: 18.00 Uhr, 03., 06., 12., 13. März, 03. und 22. April 2020: 19.30 Uhr

Tickets: 10 bis 67 Euro

Mathilde Westend

2. Vita & Virginia

Mathilde Westend
© Miriam Worek

Auch im Mathilde Westend hat sich ein literarischer Geist eingenistet: Virginia Woolf und Vita Sackville-West lernen sich 1921 in London kennen. Zwischen den beiden Schriftstellerinnen entwickelt sich eine tiefe Freundschaft und zarte Liebe, die in unzähligen Briefen und Tagebuchaufzeichnungen der beiden dokumentiert sind. Das Theaterstück „Vita & Virginia“ bringt die Texte dieser beiden außergewöhnlichen Frauen auf die Bühne. Auf der wohl kleinsten Bühne der Stadt wird dem Publikum die Geschichte einer Liebe dargestellt, die zwar in vergangene Zeiten entführt, dabei jedoch trotzdem verblüffend aktuell bleibt. Zwei spannende, witzige und sinnliche Frauen prallen hier in ihrer Verschiedenheit aufeinander. Nicht nur was für Feminist*innen!

Termine: 03., 05., 06., 08., 10., 20., 24., 26., 29. und 31. März 2020: 20.30 Uhr

Tickets: 24 Euro

Heppel & Ettlich

3. impro à la turka

impro à la turka
© impro à la turka

Workaholics aufgepasst! Dieser Theaterabend könnte eurem grauen Büroalltag ein bisschen Pepp und vor allem Humor einhauchen. Die Schauspielerinnen des ersten deutsch-türkischen Improtheaters stampfen im Heppel & Ettlich nämlich einmal im Monat frei erfundene Geschichten rund um den alltäglichen Bürowahn aus dem Boden. Beim "impro à la turka" werden nicht nur deutsche und türkische Klischees auf den Arm genommen, sondern auch Hierarchien und typische Situationen mit Witz und Charme zerlegt, die uns unabhängig von Herkunft und Kultur irgendwie doch alle nerven können. Mit einem gewissen Augenzwinkern und einer ordentlichen Portion Ironie werden Ideen für das tägliche Leben am Arbeitsplatz eingebracht, die ihr vielleicht direkt am nächsten Tag schon an euren Kolleg*innen testen könnt.

Termine: 04. März und 01. April 2020: 20.00 Uhr

Tickets: 15 Euro, ermäßigt 11 Euro

ArtikultTheater

4. Die Mitwisser

Die Mitwisser
© Artikult Theater

Das ArtikultTheater ist kein Haus, sondern seit 15 Jahren eine semi-professionelle Theatergruppe in München. Im März feiert das Ensemble eine neue Premiere mit "Die Mitwisser". Im Stück geht es um Theo und seinen neuen Kwant. Theo ist einer der Ersten, der sich einen dieser unauffällig dienstbeflissenen Herren, die jederzeit mit Rat und Tat zur Stelle sind, besorgt hat und Feuer und Flamme für seinen neuen Freund. Der smarte Herr Kwant erleichtert ihm seine Arbeit ungemein, denn er weiß einfach alles. Klingt in der Theorie ziemlich gut, sein Umfeld ist da viel skeptischer. Für Annas Geschmack mischt sich Kwant viel zu sehr in persönliche Dinge ein und Theos Chefin fragt sich: Wenn Herr Kwant das ganze Wissen bereitstellt, wozu braucht man dann noch Theo?

Termine: 06., 07., 13., und 19. März, 16., 17., und 18. April 2020: 20.00 Uhr
(Achtung: Verschiedene Spielstätten!)

Tickets: 17 bis 19 Euro

Kammerspiele

5. Étude for an Emergency

Étude for an emergency
© Nicole Marianna Wytczak

Was Stunts in Action-Filmen sind, kann die Arie in der Oper sein. Mit einer gemischten Besetzung aus Stuntfrauen, Opernsängerinnen und Performerinnen kreiert die Choreografin Florentina Holzinger eine musikalische Studie für zehn Körper und ein Auto. In einer Reihe gemeinsamer, opernhafter Rituale und orchestrierten Crashtests lernen die Performerinnen in "Étude for an emergency", ihre Körper und Stimmen zu beherrschen, und bereiten sich für den Notfall vor.

Ausnahmsweise gilt bei diesem Stück eine Altersfreigabe ab 16 Jahren, da explizite Nacktheit, Theaterblut und viele gewaltsame Handlungen zu sehen sind, die auf einige Zuschauer*innen verstörend wirken können.

Termine: 09., 10., 19. und 20. März 2020: 20.00 Uhr

Tickets: 22 Euro, ermäßigt 6 Euro

6. DIVE. A celebration

Dive
© Gabriela Neeb

Der Körper ist ein politischer Schauplatz: Er symbolisiert Macht, Ohnmacht, Status und Zugehörigkeit. Mit und durch ihn kreieren wir unsere soziale und kulturelle Identität – genauso wie wir sie auch anderen zuschreiben. In "DIVE" sampelt, mixt und scratcht die Choreografin Anna Konjetzky zusammen mit sieben in Südafrika und Deutschland lebenden Tänzer*innen Stereotypen und Identitäten. Dabei entsteht ein Raum voller Widersprüche, der nach Gemeinsamkeiten sucht, die nicht auf Ähnlichkeiten basieren, sondern trotz oder gerade wegen der Unterschiede bestehen.

Termine: 28. und 30. März: 20.00 Uhr, 29. März 2020: 19.00 Uhr

Tickets: 19 Euro, ermäßigt 6 Euro

Pathos

7. Die Haltestelle

Die Haltestelle
© Franz Kimmel

Mit seiner ureigenen Mischung an Fantasie und präziser Beobachtung beschreibt der Regisseur Stefan Kastner die Welt: Der seit Langem arbeitslose Karl verbringt seine Tage an einer Bushaltestelle am Münchner Hauptbahnhof. Wenn ihr uns fragt, nicht gerade der schönste Ort um den Rest seines Lebens zu verbringen. Oder vielleicht doch? Denn Aphrodite, die Liebesgöttin, war es, die einst diesen Bahnhof gründete – behauptet jedenfalls ihre Priesterin, ebenfalls ein Bahnhofsgast. Doch nicht nur die beiden kreuzen den geschäftigen Knotenpunkt. Kastner zeigt mit "Die Haltestelle" ein ausdrucksstarkes Kaleidoskop der kleinen Leute.

Termine: 13. und 14. März 2020: 20.00 Uhr

Tickets: 12 bis 18 Euro

8. Der flüchtige Körper

Der flüchtige Körper
© Peter Kreibich

Als nächstes heißt es Manege frei für ein Gastspiel: Das aus Dresden stammende Kollektiv theatrale subversion stattet dem Pathos an zwei Abenden einen Besuch ab mit der Performance "Der flüchtige Körper". Die Produktion beschäftigt sich mit den Themen Flucht und Vertreibung mit Fokus auf den Körper. Untersucht werden Körperbilder: Welchen Einfluss hat die Bilderflut auf die Wahrnehmung von eigenen und von fremden Körpern? Es erwartet euch eine szenische Recherche zwischen Videoinstallation, Performance und Choreografie.

Termine: 31. März und 01. April 2020: 20.00 Uhr

Tickets: 5 bis 17 Euro

Volkstheater

9. Gehörlosen-Hörspiel

Gehörlosen-Hörspiel
© Volkstheater

Körperbetont geht es auch im Volkstheater zu. Besser gesagt: Sinnesbetont. Dabei ist der Titel der neusten Inszenierung "Gehörlosen-Hörspiel" eigentlich selbsterklärend. Auf der kleinen Bühne des Volkstheaters schaut man hinter die Kulissen einer Hörspielproduktion. In diesem Stück sind jedoch kaum Stimmen, Geräusche und Musik zu hören – es handelt sich um ein stilles Hörspiel.

Steve Stymest, von Geburt an gehörlos, wird infolge einer zufälligen Begegnung mit Theater- und Hörspielregisseur Noam Brusilovsky ins Münchner Volkstheater eingeladen – gemeinsam bauen sie ein Tonstudio, in dem sie ein Hörspiel entwickeln, das sowohl an Gehörlose als auch an Hörende adressiert wird. Was bleibt vom Hör-Spiel übrig, wenn das Hören wegfällt? Wie lässt sich ein Hörspiel aus der Perspektive eines Nichthörenden vorstellen?

Termine: 13. und 16. März: 20.00 Uhr, 15. März: 17.00 Uhr, 27. März: 18.00 Uhr, 28. März: 19.00 Uhr, 07., 08. und 23. April 2020: 19.30 Uhr

Tickets: 19 Euro, ermäßigt 8,50 Euro

Akademietheater

10. Garten der Lüste

Akademietheater
© Felix Lechner

Passend zum Frühling lädt die Theaterakademie August Everding in ihren "Garten der Lüste". Jetzt nicht direkt an Adam und Eva denken, der Fokus liegt auf den Pflanzen. Denn sind es nicht die Pflanzen, die uns am Leben halten? Im Garten der Lüste verwachsen Sprache und Musik, verweben sich Manifeste und Sounds. Hier treffen Menschen in erster Linie auf das Menschsein, das so geprägt ist von der Sehnsucht nach Kontrolle, Kultivierung und Perfektionierung. Puh. Anstrengend. Vielleicht kommt dem*der Einen oder Anderen zur Beruhigung allerdings doch noch eine göttliche Eingebung?

Termine: 24., 25. und 27. März 2020: 19.30 Uhr

Tickets: 10 Euro

Theater am Sozialamt

11. Nehmen Sie die Untersuchungspille

Theater am Sozialamt
© TamS

Das Theater Apropos ist schon seit vielen Jahren im Theater am Sozialamt beheimatet, das gerade seinen 50. Geburtstag feierte. Happy Birthday an dieser Stelle! Nach dem erfolgreichen Programm „Ich bin anders“ hat sich das Ensemble unter der Regie von Burchard Dabinnus mit Texten des russischen Literaten Daniil Charms beschäftigt und präsentiert Anfang April sein neuestes Stück "Nehmen Sie die Untersuchungspille". Die künstlerische Freiheit und der Ideenreichtum des Schriftstellers waren der stalinistischen Diktatur ein Dorn im Auge. 1942 starb er in Leningrad in der Gefängnispsychiatrie. Ein Stück über Groteskes, Poetisches, Lebenslust und Lebensangst. Wir haben nur eine Frage: Die rote oder die blaue?

Termine: 01., 03. und 04. April 2020: 20.30 Uhr

Tickets: 20 Euro, ermäßigt 10 Euro

Titelbild: © Marie-Laure Briane

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