Kleine, geile Firmen #31 – Honig aus deinem Viertel von nearBees

@ Susi Knoll

In München haben wir über tausend Imker, vor allem Hobby-Imker. Überhaupt hat Bayern die größte Imker-Dichte in Deutschland. Allerdings ist es mittlerweile echt kompliziert bei einem Imker Honig zu kaufen. Früher ist man einfach zum Bauernhof gefahren, hat an der Tür geklingelt und sich seine Portion abgeholt. Heute greift man aus Bequemlichkeit ins Supermarktregal und weiß oft gar nicht mehr, wo es regionalen Honig überhaupt zu kaufen gibt. Die Idee von nearBees kommt da gerade recht: Eine Plattform die Kunden mit Imkern verbindet.

Viktoria und Michael haben nearBees 2014 gegründet – noch während Viktorias Masterarbeit. Sie hat Produktdesign studiert und zeitgleich einen Imkerkurs belegt. Heute ist sie nicht nur für das Design von nearBees verantwortlich, sondern auch stolze Hobby-Imkerin – und das wegen ihrem Großvater.

Denn der hatte auf seinem Bauernhof ein Bienenhaus. Damals hat Viktoria natürlich noch nicht verstanden, wie eng Biodiversität mit der Bestäubung der Honigbiene zusammenhängt. Als der Großvater dann mit der Imkerei aufhörte, gab's aber schlagartig viel weniger Kirschen im Obstgarten und kaum Erdbeeren auf dem Feld. Viktoria beschloss daraufhin, selbst Bienen zu halten. Was für ein guter Plan.

Jeder kann sich für die Biene einsetzen, indem er einfach seinen Honig lokal kauft.
Viktoria

Was genau macht ihr bei nearBees?

Viktoria: Wir unterstützen lokale Imker bei der Vermarktung ihres Honigs und sorgen mit fairen Honigpreisen dafür, dass es weiterhin Imker in Deutschland gibt – hauptberuflich machen das nur zwei Prozent – beziehungsweise sich die Imkerei als Hobby lohnt und finanziell tragfähig bleibt. Langfristig sorgen wir aber auch dafür, dass es auch weiterhin Honigbienen in Deutschland gibt. Das ist super wichtig! Im Grunde ist das unser Konzept: Jeder kann sich für die Biene einsetzen, indem er einfach seinen Honig lokal kauft.

Wie hat das Ganze angefangen?

Viktoria: Nachdem ich beschlossen hatte, in die Fußstapfen meines Großvaters zu treten, habe ich einen Imker-Kurs gemacht. Ich hatte dann den ganzen Keller voll mit Honig und habe schnell gemerkt, dass man durch das Imkern immer viel mehr Honig hat, als man selber essen oder an Freunde verschenken kann. Michael war zur selben Zeit auf der SEA und hat ein Konzept entwickelt, wie man ein Unternehmen aufbauen könnte. Zusammen mit zwei Freuden haben wir dann 2014 die Plattform nearBees erstmal als Test veröffentlicht.

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© nearBees
Wir bündeln viele kleine Imker, die alleine nicht in der Lage wären den Einzelhandel zu beliefern.
Viktoria
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© nearBees

Und wie ging's dann weiter?

Viktoria: Ein Jahr später haben wir eine GmbH gegründet, eine Crowdfunding Kampagne gestartet und nearBees auf ganz Deutschland ausgeweitet. Seit 2017 beliefern wir in Bayern auch Einzelhändler mit lokalen und regionalen Honigsorten. Das heißt wir bündeln ganz viele kleine Imker, die alleine nicht in der Lage wären den Einzelhandel zu beliefern – entweder aufgrund von fehlender Menge oder den Hygienestandards.

Unsere letzte Aktion war es, auch produzierende Firmen mit dem leckeren Honig zu beliefern. Ben & Jerry's zum Beispiel. Die ersetzen jetzt in ihrem Eis den Import-Honig aus Südamerika durch lokalen von unserer Seite. Das ist ein riesiger Schritt!

Wie komme ich bei euch an meinen Honig? 

Viktoria: Du gehst auf nearBees, gibst deine Adresse ein und bekommst die Imker in deinem Viertel angezeigt. Dann kannst du dich auf den Profilen über den Imker informieren. Hier steht alles über die Bienen, welche Pflanzen im Honig sind und was das überhaupt für ein Honig ist. Ob er von Bienen aus dem Englischen Garten oder einem Dachgarten im Münchner Süden ist. So kann jeder den Honig online bestellen, der ihm gefällt und vielleicht auch nachbarschaftlich am nächsten ist. Das Angebot gab es vorher so noch nicht.

Ben & Jerry's zum Beispiel. Die ersetzen jetzt in ihrem Eis den Import-Honig aus Südamerika durch lokalen von unserer Seite.
Viktoria
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© Viktoria Schmidt

Warum ist es so wichtig, lokale Imker zu unterstützen?

Viktoria: Wir reden immer vom Bienensterben, aber eigentlich haben wir es mit einem Imkersterben zu tun. Die Zahl der Bienen hat also proportional mit der Zahl der Imker abgenommen.

Indem du einen lokalen Imker unterstützt, sorgst du nicht nur dafür, dass die Blumen auf deinem Balkon auch im nächsten Jahr bestäubt werden, weil der Imker zwei Häuser weiter wohnt. Ein Imker engagiert sich auch darüber hinaus. Alles, was für die Honigbiene gut ist, ist auch für jede andere Biene gut – und für die Hummeln und Schmetterlinge und alle Nützlinge, die sich in unserer Natur um Bestäubung und Biodiversität kümmern.

Bei euch können Firmen auch Bienenpate werden. Was kann man sich darunter vorstellen?

Viktoria: Wir suchen für die Firma vor Ort einen ausgebildeten Imker, der auf dem Firmengelände Bienenhäuser aufstellt, sich das ganze Jahr um die Bienen kümmert und wie nebenbei dann firmeneigenen Honig produziert. Es gibt verschiedene Veranstaltungen für die Mitarbeiter, bei denen sie dem Imker ein bisschen über die Schulter schauen können und einen Einblick in die Welt der Biene bekommen. Das ist eine schöne Möglichkeit, um unmittelbar für mehr Bienen zu sorgen. Der Imker schafft ein neues Volk.

Wir reden immer vom Bienensterben, aber eigentlich haben wir es mit einem Imkersterben zu tun.
Viktoria

Habt ihr in Zukunft ein konkretes Ziel für nearBees?

Viktoria: Ein großer Teil unserer Arbeit ist ja nicht nur der faire Verkauf von Honig, sondern auch Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Unser Ziel ist zum einen, dass dem Verbraucher klar wird: Bienen sind nicht nur Honig, sondern Bienen bedeuten auch die Natur, unser Leben! Die einfachste Möglichkeit diesen Zustand zu fördern ist, dass ich dafür sorge, dass Leute in meiner Umgebung Bienen halten – indem ich eben Honig von diesen Leuten kaufe.

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© nearBees

München legt gern selbst Hand an. Fast jede Woche gründet sich hier eine neue Firma, wird ein neues Label vorgestellt oder neues Produkt lanciert. Wir stellen euch die kleinen, geilen Firmen der Stadt vor. Die Bedingungen sind simpel. Klein müssen sie sein, das heißt weniger als zehn Mitarbeiter und natürlich: Geil.

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