Mein Lieblingsort in München #4: Die Fensterbank im Cucurucu

Wir empfehlen jeden Tag jede Menge toller Locations, ausgesucht von uns und unseren Autoren. Und trotzdem hat jeder von uns dieses eine immer gleiche Café, in dem er schon seit Jahren draußen seinen Cappuccino trinkt, den einen See, an den er immer wieder fährt und von dem er einfach nicht genug bekommt oder diese eine Ecke der Stadt, die sein Herz immer wieder höher schlagen lässt. Hier kommen unsere ganz persönlichen Lieblingsorte in München.

Was macht eine Lieblings-Bar aus? Eine meterlange Theke, die neueste Einrichtung und überstylte Drinks? Sicherlich nicht. Dass man am Ende des Abends immer mit jemandem nach Hause geht? Für manche vielleicht. Eigentlich sind es die Menschen – hinter und vor der Bar – und die Erinnerungen. Die Momente, die man vor sich sieht, wenn man die Augen schließt und an diese eine Bar denkt.

Cucurucu
© Lilli Wermuth
Lieblingsort Cucurucu
© Lilli Wermuth

Das Cucurucu am Hauptbahnhof ist für mich diese eine Bar. Ein Ort, an dem ich genau weiß, was mich erwartet und der doch jedes Mal wieder aufregend neu ist – und gleichzeitig so angenehm unaufgeregt. Mir ist schon klar, dass meine Liebe zu dieser Bar vor allem daher kommt, weil ich die Betreiber kenne. Peter und Tobi sind zwei wundervolle Menschen.

Das geht doch jedem so, der mal hinter die Kulissen der Gastro-Szene schnuppern darf. Der irgendwie zum inneren Kreis gehört, ohne dort zu arbeiten. Man fühlt sich direkt zugehörig, bewegt sich viel selbstverständlicher in den Räumlichkeiten – und das braucht es besonders in München, wo die Szene teilweise schon eher mal arrogant und elitär daherkommt, ganz dringend.

Trotzdem ist mein Lieblingsort in München nicht bloß das Cucurucu. Das wäre zu einfach. Es braucht immer auch eine Ecke, in der ich mich zurückziehen kann. Ja, auch in einer Bar muss man sich mal zurückziehen können, vor allem, wenn man in dieser Bar gefühlt jede freie Minute verbringt. Im Cucurucu ist diese Ecke die Fensterbank gleich links neben der Theke. Mein Lieblingsort ist ein Fenster. Deal with it!

Lieblingsort Cucurucu
© Lilli Wermuth
Hier komme ich auch noch in den frühen Morgenstunden kurz vorbei, wenn ich eigentlich von einer anderen Party auf dem Weg nach Hause bin.
Cucurucu
© Lilli Wermuth

Hier schaue ich Peter und Tobi beim Drinks mixen zu, wenn am frühen Abend noch wenig los ist. Hier sitze ich, wenn ich an wilden Wochenenden mal eine kleine Verschnaufpause vom Tanzen brauche. Normalerweise findet ihr mich nämlich ganz dicht ans DJ Pult gepresst, versunken in die Musik, die gerade läuft. Hier komme ich auch noch in den frühen Morgenstunden kurz vorbei, wenn ich von einer anderen Party eigentlich auf dem Weg nach Hause bin.

Ich wollte schon immer eine Fensterbank haben, vielleicht kommt es daher. Mein Bett ans Fenster stellen zu können, hätte mir wahrscheinlich schon gereicht. Leider hat mein Zimmer das nie zugelassen. In Filmen wirkt es immer so friedlich, wenn sich ein Charakter auf seiner Fensterbank zum Lesen oder Philosophieren niederlässt. Und Menschen beobachten kann man von der Fensterbank aus auch ziemlich gut.

Lilli Cucurucu Lieblingsort
© Nina Vogl
Ein Ort, an dem ich genau weiß, was mich erwartet und der doch jedes Mal wieder aufregend neu ist.
Cucurucu
© Lilli Wermuth

Die Fensterbank ist sofort sichtbar für jeden, der die Treppe hochkommt. Trotzdem ist sie angenehm intim. Wenn mir der Trubel im Cucurucu mal zu viel wird, verschmelze ich förmlich mit dem Fenster. Bin hier auf beruhigende Art und Weise aufgeräumt. Wenn sich schon vor mir jemand diesen Platz ergattert hat, bricht mir das jedes Mal ein kleines bisschen das Herz.

Was macht eine Lieblings-Bar aus? Es sind die Menschen und Erinnerungen. Für mich ist das Cucurucu zu einem zweiten Zuhause geworden. Und so sitze ich nun hier, so oft ich kann, auf meiner Fensterbank, mit einem Liquid Cocaine in der Hand, obwohl ich nicht mal Kaffee mag und beobachte das Treiben um mich herum. Ein Treiben, das zu Erinnerungen wird.

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