Mein Lieblingsort in München #10: Der Auer Mühlbach in Giesing

Wir empfehlen jeden Tag jede Menge toller Locations, ausgesucht von uns und unseren Autoren. Und trotzdem hat jeder von uns dieses eine immer gleiche Café, in dem er schon seit Jahren draußen seinen Cappuccino trinkt, den einen See, an den er immer wieder fährt und von dem er einfach nicht genug bekommt oder diese eine Ecke der Stadt, die sein Herz immer wieder höher schlagen lässt. Hier kommen unsere ganz persönlichen Lieblingsorte in München – diesmal der zauberhafte Auer Mühlbach in Giesing.

Den Lieblingsort in einer Stadt auszumachen, in der man sein ganzes Leben verbracht hat, ist nicht leicht. Im Laufe seines Lebens durchlebt man schließlich mehrere Phasen, hat bestimmte Interessen und verbringt mit ganz unterschiedlichen Menschen Zeit an verschiedenen Orten. Und trotzdem war mir relativ schnell klar, wo mein liebster Ort in München ist. Beziehungsweise nicht ganz klar! Eher trüb im Winter und dunkelgrün im Sommer, wenn sich die dichten Bäume in ihm spiegeln: der Auer Mühlbach.

Der Auer Mühlbach ist zur festen Konstante in meinem Leben geworden. Mein Ruhepol, mein schattiger Arbeitsplatz, meine Laufstrecke, mein Abendspaziergang.
© Julia Sturm
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Der Auer Mühlbach ist zur festen Konstante in meinem Leben geworden. Mein Ruhepol, mein schattiger Arbeitsplatz, meine Laufstrecke, mein Abendspaziergang. Der kleine Bach, der in Harlaching mit Starthilfe der Isar los fließt und sich kurz vor Untergiesing im grünen Dickicht angenehm Platz verschafft.

Unter kleinen Brücken schlängelt er sich zwischen Schrebergärten und Bäumen hindurch, auf Höhe des Mittleren Rings hat er sogar kurz Ambitionen ein Fluss zu werden! Kurz darauf zaubert er dann noch schnell eine malerische Kulisse für die alten Häuschen in der Mondstraße, bis er schlussendlich unter die Au schlüpft und man ihn erst wieder am Maria-Hilf-Platz so richtig wahrnimmt.

© Julia Sturm
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Für mich ist der Auer Mühlbach der Inbegriff von Ruhe. Das liegt aber gar nicht ausschließlich an ihm selbst, sondern auch an seiner schönen Umgebung: Die Schafe, die neben dem Wasser grasen, geben dem Bach noch mehr ländliche Idylle. Einen unweigerlich märchenhaften Touch bekommt er durch das Templer-Kloster noch oben drauf.

Fast wirkt es so, als hätte der Auer Mühlbach nicht mitbekommen, dass er eigentlich ein Stadt-Bach ist.

Fast wirkt es so, als hätte der Auer Mühlbach nicht mitbekommen, dass er eigentlich ein Stadt-Bach ist. Er plätschert aber auch wirklich ganz schön ungestört vor sich hin. Es gibt nur wenige Badegäste, denn der Bach protzt nicht gerade mit Badestellen, die sich zum Schwimmen anbieten. Vermutlich hat er einfach keine Lust auf Hektik.

© Julia Sturm
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Es gibt viele Gründe, warum ich mich zum Auer Mühlbach hingezogen fühle: Zum Beispiel, dass mein Uropa schon in der Mühle am Bach gearbeitet hat – back to the roots quasi. Seit Kurzem spielt auf jeden Fall aber auch der wahnsinnig gute Espresso aus der Fausto Kaffeerösterei eine Rolle. Auf Liegestühlen sitzend, kann man hier dem Plätschern des Baches lauschen, gediegen Kaffee schlürfen und seinen Gedanken nachhängen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass meine Homebase nur 200 Meter entfernt ist. Aber warum auch in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? Während ich also am Auer Mühlbach sitze und diesen Text schreibe, freue ich mich über den Luxus, dass es in München so viele schöne Orte direkt vor unserer Nase gibt. Manche begleiten einen für eine bestimmte Lebensphase und manche, wie der Auer Mühlbach, eben für immer!

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