Das München-ABC: Z wie Zenith

München ist wahnsinnig schön – und manchmal auch ein bisschen langweilig, spießig und streng. Zu sauber und zu geregelt.Wenn dir auch jedes Mal auf der Isar-Brücke die Knie weich werden und dich aber nichts mehr aufregt als unsere Öffnungszeiten, Tanzverbote und Mutlosigkeit, dann bist du hier genau richtig. In unserem ABC schreiben wir auf, was wir an dieser Stadt unendlich gut, aber auch ziemlich beschissen finden. Diesmal: das Zenith – wo soll man da anfangen?

Die Halle ist voll. Ich werde von der Masse fest an den ersten Wellenbrecher gedrückt. So fest, dass man später das kleine Muster der Absperrung noch an meinen Beinen sehen kann. Die Band kommt auf die Bühne, der Frontsänger spricht eine Begrüßung ins Mikrofon. Ich kann seine genauen Worte zwar kaum verstehen, aber es dauert halt auch immer eine Weile bis alle kapiert haben, dass das lange Warten ein Ende hat. Wird schon nichts wichtiges gewesen sein.

...aber so wirklich klar dringen die Schallwellen nicht in meine Gehörgänge.

Ist das jetzt schon der erste Song? Irgendwie kommt mir das Summen bekannt vor, könnte von einem der älteren Alben sein, aber so wirklich klar dringen die Schallwellen nicht in meine Gehörgänge. Komisch, denn die Ohropax hatte ich am Eingang  eigentlich dankend abgelehnt. Mittlerweile hat sich auch das Gemurmel eingestellt und alle blicken gespannt zur Bühne.

Aber ich bin doch nicht gekommen um die Band nur anzugaffen, sondern vor allem um endlich all meine Lieblingslieder live zu erleben. Dabei ist der wichtigste Part nunmal das Hören. Hier ist es allerdings ein bisschen so, als hätte man bei einem alten Fernseher den Ton leise gestellt, damit man das Sende-Rauschen besser hören kann. Muss wohl an der Akustik im Zenith liegen.

Hier ist die Frontrow noch begehrter als bei jeder Runway-Show, weil man hinten eh gleich gar nichts mehr verstehen kann.

Da werden ja schon beim Ticketkauf die Augen verdreht, wenn man feststellen muss, dass diese eine Band, die eh so selten oder überhaupt nie nach München kommt, ausgerechnet im Zenith auftritt. Nach ausführlichem Abwägen der Vor- und Nachteile sowie einem kurzen Kampf mit dem inneren Fangirl, entscheidet man sich dann doch meistens für den Kauf.

Noch dramatischer wird es, wenn eine Veranstaltung erst im Nachhinein in das Zenith hochverlegt wird. Da bleibt es nicht mehr nur beim Augen-Verdrehen und Haare-Raufen, da muss man schon mal durch eine kleine Lebenskrise. Aber was soll man machen? Die Tickets sind bereits gekauft und die Vorfreude beruhigt den Ärger mit einer extra Portion Streicheleinheiten, sodass dieser bis zum Abend des Konzerts erfolgreich verdrängt ist.

Das Gedränge um einen Platz möglichst weit vorne in der Menge ist bei Konzerten im Zenith ungefähr vergleichbar mit dem Anstich auf der Wiesn. Es geht um alles. Dass du unterwegs deine Freunde verlierst und erst nach dem ganzen Spektakel wiederfindest, spielt keine Rolle. Hier ist die Frontrow noch begehrter als bei jeder Runway-Show, weil man hinten eh gleich gar nichts mehr verstehen kann. Da meldet sich der weggedöste Ärger wieder zu Wort.

Ach Zenith, ist es denn wirklich so unmöglich in Sachen Akustik mal aufzustocken? Die Bands müssen schon genug unter dem lahmen Münchner Publikum leiden.

Eigentlich ist es wirklich toll, dass wir in München so eine große Halle haben. Aber dann hat man mal die Kapazitäten und macht nix draus. 5500 Personen passen in dieses Juwel unter den Münchner Veranstaltungsstätten. Damit ist das Zenith ideal für große Bands, deren Popularität noch nicht für die Olympiahalle reicht – hier gibt es Platz für die dreifache Menge. Mittlerweile herrscht ja wirklich schon eine kollektive Abwehrhaltung. Selbst Personen, die noch nie zuvor dort gewesen sind, haben gar nicht erst die Möglichkeit mit der ehemaligen Werkshalle warm zu werden.

Ach Zenith, ist es denn wirklich so ein Ding der Unmöglichkeit in Sachen Akustik mal aufzustocken? Liegt's am Denkmalschutz oder an der Tatsache, dass es eh keine andere Halle in deiner Größe gibt? Die Bands müssen schon genug unter dem Münchner Publikum leiden, das lahm in der Halle steht und nichtmal zum Takt wippt. Die Vorband wird generell gar nicht gefeiert und auch beim Main-Act sind die Münchner oft zu versteift um sich auf die Musik einzulassen. Oder sind sie einfach schon zu müde? Immerhin ist Freimann für die meisten nicht gerade ums Eck, dazu kommt noch der Marsch von der U-Bahn. Uff, zum Glück gibt’s Wegbier!

 

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