Das München-ABC: R wie Reservierung

© La Kaz

München ist wahnsinnig schön – und manchmal auch ein bisschen langweilig, spießig und streng. Zu sauber und zu geregelt. Wenn dir auch jedes Mal auf der Isar-Brücke die Knie weich werden und dich aber nichts mehr aufregt als unsere Öffnungszeiten, Tanzverbote und Mutlosigkeit, dann bist du hier genau richtig. In unserem ABC schreiben wir auf, was wir an dieser Stadt unendlich gut, aber auch ziemlich beschissen finden. Diesmal: Ohne Reservierung geht in München gar nichts!

Ich habe es erst gar nicht mehr versucht, einen der letzten Frühstückstische für Ostern zu ergattern, bei dem ich dann mit zweihundert anderen Münchnern in einem Café sitze und "nur 49 Euro" für den Brunch bezahle (aber hey, Sekt und Live-Jazz sind ja inklusive!). Die Zeit, die mir das Tisch suchen, finden und reservieren kosten würde, stecke ich lieber in einen Text darüber, wie schlimm das alles in München geworden ist. Es gibt mittlerweile fast kein Restaurant mehr, in denen man ohne Reservierung aufschlagen sollte. Ganz egal, ob man frühstücken oder montags Abend essen möchte.

Entweder bekommt man dann gar keinen Platz oder sitzt mit der Eduard-Schmid-Straßen-Altbau-Familie mit Doppelnamen-Quengelkind am selben Tisch.

Der Reservierungswahnsinn in unserer Stadt ist ein bisschen wie die Netflix-Serie Black Mirror – man wünscht sich, niemals in so einer schrecklichen Welt leben zu müssen und stellt gleichzeitig fest, dass man es längst tut. Bald sind wir in München soweit, dass man auch in Clubs einen Platz auf der Tanzfläche reservieren muss, wetten? Wer sich allerdings so manch überfüllten Bahnwärter Thiel-Abend anschaut, der würde sich das vielleicht sogar wünschen. Denn fünfzehn Euro Eintritt und dafür nicht einmal Luft bekommen, ist nicht ganz so ein geiler Deal, aber ich schweife ab.

In meiner naiven Welt, war das Ziel immer: Ein Stammlokal finden. Denn wer ein Stammlokal hat, der braucht nie wieder zu reservieren. Ha, von wegen. Selbst bei meinem Italiener, wo ich so ungefähr jede Woche ein Mal esse, muss ich am besten Tage vorher anrufen, um sicher zu gehen, dass ich den Abend nicht auf dem Gehsteig oder beim nächstbesten Pizzaladen verbringen muss. Klar, ich war ab und an auch schon einmal spontan dort (Leben am Limit!), aber entweder bekommt man dann eben gar keinen Platz – das war wohl ein bisserl zu abenteuerlustig – oder teilt sich das Besteckt mit der Eduard-Schmid-Straßen-Altbau-Familie mit Doppelnamen-Quengelkind. Nice.

Bald sind wir in München soweit, dass man auch in Clubs einen Platz auf der Tanzfläche reservieren muss, wetten?

So oder so, es empfiehlt sich in Monaco di Bavaria einfach immer einen Tisch auf seinen Namen zu haben. Vielleicht sogar gleich mehrere – ich habe sowieso längst den Verdacht, dass die meisten Münchner einfach bei allen Italienern im Viertel reservieren, um dann am selben Abend in nur einen zu gehen. Keine dumme Idee, aber wo kämen wir da denn hin, wenn das alle 1,3 Millionen Einwohner machen würden.

Und so ist es die erste und meistgehörte Frage, sobald man in unserer Hauptstadt mit Tischkärtchen ein Restaurant betritt: "Hi, habt ihr reserviert?". Entschuldige, ich wollte nur einen Kaffee trinken. Ein neues Geschäftsmodell wären es vielleicht, Leute für einen Reservierungen ausmachen zu lassen. So wie es ja tatsächlich Menschen gibt, die im KVR für dich eine Nummer ziehen und stundenlang warten. Kostet 40 Euro. Den Münchner wär's das sicher wert.

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