Vergesst den Monaco Franze – ich hab' eine neue Münchner Lieblingsserie!

© Anna Rupprecht

In Print-Zeitschriften gehört es dazu, dass der Herausgeber auf der ersten Seite die Stimmung, Meinung oder Richtung der jeweiligen Ausgabe einfängt. Warum gibt es das auch nicht online?, haben wir uns gefragt. Denn genauso schwirren jede Woche Gefühle, Stimmungen und Meinungen durch München, die wir zwar mitbekommen, aber nirgends festhalten. Diese Kolumne ist der Platz, an dem ich all meine Gedanken zu München und dem, was mir diese Woche in der Stadt begegnet ist, sammle. Heute ganz passend zum Januar über meine neue Münchner Lieblingssendung.

Klar, der Monaco Franze ist toll, aber wenn man sich die Lieblingsserien der Münchner mal anschaut – eben diese und Kir Royal – fällt schnell auf: In beiden spielen Männer die Hauptrolle, in beiden wird ein Macho- und Frauenbild gezeichnet, über das man heute vielleicht noch nicht lachen, aber zumindest schon einmal schmunzeln kann. Und die 80er Jahre-Münchner Schickeria ist immer der große Hintergrund. Dass München zu der Zeit aber auch ganz schön gemütlich sein konnte und auch mal starke Frauen die Hauptrolle spielen durften, beweist meine neue Lieblingsserie, deren Entdeckung ich meiner Freundin Milena verdanke: Die Hausmeisterin.

Nicht nur, dass die Serie im wunderschönen alten Haidhausen spielt, hier ist nichts mit München Schickeria und im Tambosi sitzen.

Eine kurze Zusammenfassung, die garantiert nicht zu viel verrät: Es geht um die 5o-jährige Martha Haslbeck, die eigentlich alleine die Hausmeisterei geschmissen hat, weil ihr Ex-Mann eher arbeitsscheu und untreu unterwegs war. Die beiden ließen sich scheiden und seither bekommt Martha ihr Leben ziemlich gut alleine auf die Reihe, mit ihren Jobs, ihrer erwachsenen Tochter. Zuerst einmal will sie gar nichts mehr von Männern wissen, lernt dann aber irgendwann den guten Costa kennen.

Nicht nur, dass die Serie im wunderschönen alten Haidhausen spielt, man erkennt immer wieder bekannte Ecken – wie den Weißenburger Platz und das italienische Stammlokal Ciancarlo, wo heute der Klinglwirt ist – hier ist nichts mit München Schickeria und im Tambosi sitzen. Martha hat vor allem nach der Scheidung nie großartig Geld, kämpft sich durch, arbeitet hart, aber verliert dabei niemals ihren Mut und selbst später, als sie in einer neuen Beziehung ist, ihre Unabhängigkeit.

Alleine die Intro-Musik hat mich jedes Mal so komplett runterfahren lassen, dass man fast von Serien-Meditation sprechen kann.

Monaco Franze-Fans müssen zudem auch gar nicht auf Helmut Fischer verzichten, denn der spielt Marthas untreuen Ex-Mann (natürlich, wen sonst?) – und befindet sich ebenfalls in einem für damals eher noch untypischen Rollenbild, denn seine neue Frau finanziert ihm seinen ständig wechselnden Jobs. So oder so und bevor ich jetzt wirklich noch zu viel verrate: Die Hausmeisterin müsst ihr euch einfach angucken!

Ich bin leider schon durch mit den 23 Folgen und todtraurig, denn alleine die Intro-Musik hat nicht nur große München-Heimatgefühle geweckt – wie das all die 80er-Jahre-Serien ja wunderbar tun – sondern mich auch jedes Mal so komplett runterfahren lassen, dass man fast von Serien-Meditation sprechen kann. Wenn ihr also noch mehr gute Münchner Serientippy habt, fernab von Monaco Franze und Kir Royal, dann bitte immer her damit!

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