Januar in München: Endlich kommt die stade Zeit!

© Anna Rupprecht

In Print-Zeitschriften gehört es dazu, dass der Herausgeber auf der ersten Seite die Stimmung, Meinung oder Richtung der jeweiligen Ausgabe einfängt. Warum gibt es das auch nicht online?, haben wir uns gefragt. Denn genauso schwirren jede Woche Gefühle, Stimmungen und Meinungen durch München, die wir zwar mitbekommen, aber nirgends festhalten. Diese Kolumne ist der Platz, an dem ich all meine Gedanken zu München und dem, was mir diese Woche in der Stadt begegnet ist, sammle. Heute: München braucht immer ein bisschen länger, um wieder aufzuwachen.

Vorgestern war der erste Bürotag nach den Ferien – und während Berlin, Hamburg und alle anderen deutschen Großstädte gefühlt schon seit dem 02. Januar größtenteils wieder auf Hochtouren laufen, braucht München zum Jahresanfang immer erst ein bisschen, um aufzuwachen. Oder die Münchner nehmen sich einfach die Zeit, denn sie wissen: Bringt eh nichts, gleich an einem der ersten Januar-Tage wieder auf der Matte zu stehen. Zuerst einmal, weil auch kein Anderer da ist und zuzweit einmal, weil dann sowieso erst noch Heilige Drei Könige kommt.

Auch ich propagiere sonst: Weg mit den Traditionen, her mit den Ladenöffnungszeiten – aber diesmal fand ich insbesondere Heilige Drei Könige ein bisschen magisch!

Man kann von bayerischen Feiertagen ja halten, was man mag. Auch ich beschwere mich sonst immer und propagiere laut – und ganz zum Entsetzen meiner Mama – dass unsere "Großstadt" wirklich mehr als bereit für Einkaufsmöglichkeiten auch an diesen Tagen ist. Und ich rede nicht von Tankstellen oder Supermärkten in Untergeschossen. Also weg mit den Traditionen, her mit den Ladenöffnungszeiten. Aber diesmal fand ich insbesondere Heilige Drei Könige ein bisschen magisch, muss ich sagen. Und dass, obwohl ich schon seit Langem – und ebenfalls ganz zum Entsetzen meiner Mama – aus der Kirche ausgetreten bin.

M. und ich saßen am Samstagabend in der urgemütlichen Gaststätte Zum Kloster in Haidhausen, die by the way nicht nur für ein Frühlingsfrühstück auf der Terrasse wahnsinnig gut geeignet ist, sondern wie ich jetzt weiß, auch für deftigere Abendessen, Weinschorlen und Bier zum Mitnehmen. Wo auch sonst, denn natürlich hatte ich den Feiertag vercheckt und dementsprechend nicht eingekauft. In jedem Fall kamen irgendwann drei Kinder als Sternsinger verkleidet ins Lokal und ich musste innerlich schon so unglücklich seufzen – aber dann, als die drei ihre Lieder und Gedichte aufsagten, die ganze Wirtschaft still war, draußen noch die Lichterketten brannten und M. und ich uns verschmitzt angrinsten, während wir zuhörten, fand ich es doch ganz schön schön.

Vielleicht war es das Wegbier, vielleicht die langersehnte Mahlzeit an zwei bayerischen Feiertagen hintereinander, vielleicht war es aber auch endlich mal richtige Weihnachtsstimmung.

Und als ich irgendwann später dann nach Hause ging, wusste ich, was es heißt, wenn man sagt: Beseelt sein. Denn denauso fühlte ich mich. Vielleicht war es das Wegbier, vielleicht die langersehnte Mahlzeit an zwei bayerischen Feiertagen hintereinander, vielleicht war es aber auch endlich mal richtige Weihnachtsstimmung. Denn während sich im Dezember Massen von Menschen durch die Kaufingerstraße und eigentlich durch die gesamte Stadt schoben – ganz egal, ob vor, zwischen oder nach Weihnachten – hatte ich jetzt zum ersten Mal das Gefühl, dass es wirklich ruhig war. Stade Zeit, besser spät als nie.

So genieße ich die nun letzten Tage Ruhe in dieser Stadt, bevor wieder alle aus den Urlauben zurückkommen, aus dem Ski-Hütten-Wochenende zurückfahren, sich die Büros wieder füllen und dementsprechend die Cafés, Bars und Straßen. Und München wieder die volle Stadt wird, als die wir sie kennen.

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