Manchmal fühlt sich München an wie Urlaub!

© Anna Rupprecht

In Print-Zeitschriften gehört es dazu, dass der Herausgeber auf der ersten Seite die Stimmung, Meinung oder Richtung der jeweiligen Ausgabe einfängt. Warum gibt es das auch nicht online?, haben wir uns gefragt. Denn genauso schwirren jede Woche Gefühle, Stimmungen und Meinungen durch München, die wir zwar mitbekommen, aber nirgends festhalten. Diese Kolumne ist der Platz, an dem ich all meine Gedanken zu München und dem, was mir diese Woche in der Stadt begegnet ist, sammle. Heute: Macht doch mal Urlaub in der eigenen Stadt!

Dieser Mai verwöhnt uns mit einem langen Wochenende nach dem anderen. Wer dann noch das Privileg einer Vier-Tage-Woche genießt (so wie wir), bekommt nicht nur ziemlich schnell Herzflattern alle Aufgaben in drei kleinen Tagen unterzubringen, sondern auch leichten Wegfahrstress. Wo sollen wir denn hin, wenn die Woche schon mal mehr Frei- als Arbeitstage hat? Auch ich zerbreche mir den Kopf, schreibe Listen, gucke Hotels an – und bleibe dann doch einfach daheim. Ärgere mich vor dem langen Wochenende noch, dass ich es wieder nicht geschafft habe und bin danach heilfroh, dass ich nur hier war. Beziehungsweise am See.

Deshalb wird's immer mal wieder Zeit die Urlaubsbrille auch in der eigenen Stadt aufzusetzen. Denn: Wegfahren kann schließlich jeder.

Denn nicht nur, dass es auch immer irgendwie mit Stress verbunden ist, weg zu kommen – ich sag nur: Stau, 1035 Treffer bei der Hotelsuche und zehn Mal so viele schöne Reiseziele um München herum – es gibt auch wenig entspannendere Dinge, als Urlaub daheim zu machen. Nicht groß angekündigt, sondern so nebenbei, wie von selbst. Denn wer in München arbeiten geht, der weiß: Unter der Woche passiert abends oft nicht mehr allzu viel. Die Wochenenden gehören Erledigungen und Freunden. Und wenn man dann seinen Urlaub auch nur dazu nutzt, um möglichst weit weg zu fahren, kann man München nur noch selten genießen.

Und dabei gibt es ja – vor allem im Sommer – so wahnsinnig viele Leute aus der ganzen Welt, die unsere Stadt angucken, weil sie wirklich sehenswert ist. Ich finde, das vergisst man immer so leicht. Gut, wir leben jetzt nicht in New York, aber halt auch nicht in Hinterdupfelfing. Menschen machen Urlaub in der Stadt, durch die wir täglich mit unserem Radl fahren. Schön, oder? Genau deshalb wird's immer mal wieder Zeit die Urlaubsbrille auch in der eigenen Stadt aufzusetzen. Denn: Wegfahren kann schließlich jeder.

Die schönste Stadt ist wohl die, in der man nicht nur hervorragend leben, sondern in der man auch auf Knopfdruck Urlaub machen kann.

Hand aufs Herz: Wann wart ihr zum letzten Mal im Haus der Kunst (und ich meine nicht die Terrasse von der Goldenen Bar)? Wann seid ihr im Touristentempo durch die Stadt gelaufen und habt einfach nur Menschen beobachtet? Wann habt ihr mit offenen Augen ein Gebäude entdeckt, das euch noch nie aufgefallen ist? Wann hattet ihr die Zeit, in diese eine Straße einzubiegen, von der ihr gar nicht wisst, wo sie hinführt? Nach der München ein schwarzer Fleck ist. Wann seid ihr ans andere Ende der Stadt gefahren, um einen Kaffee zu trinken? Oder ohne Handy an den See?

All diese Sachen eben, die man in fremden Städten und Ländern macht: Sich einfach in irgendein Lokal setzen, das man noch nicht kennt. Mit Menschen auf der Straße reden. Jede Menge Kultur mitnehmen. Ja, manchmal reicht schon ein Abend im Theater, um den Alltag zu vergessen und unsere Stadt aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. Und da haben wir in München jede Menge Möglichkeiten, wir nutzen sie nur viel zu selten. Und eines steht doch fest: Die schönste Stadt ist wohl die, in der man nicht nur hervorragend leben, sondern in der man auch auf Knopfdruck Urlaub machen kann.

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