Abseits vom Trubel: 11 ruhige Wandertouren in die Münchner Hausberge

Es ist und bleibt die alte Frage: Wohin nur zum Wanderausflug? Als durchschnittliche*r Städter*in weiß man höchstens, von welcher Dachterrasse aus man bei Föhn den besten Blick hat. Und wenn dann doch mal jemand fragt, stottert man irgendwas von Neureuth, Tegernsee, Herzogstand? Dabei sind die üblichen Wege zu den allbekannten Gipfeln meist nicht nur extrem beansprucht, auch erinnern sie uns oft an das hektische Treiben am Stachus. Da das ja besonders aktuell nicht der Fall sein soll, möchten wir euch einige Wanderungen vorschlagen, bei denen ihr auf deutlich weniger Menschenseelen trefft, die euch aber mit mindestens genauso viel Gipfelglück erwarten.

Dafür haben wir uns mehr als professionelle Hilfe geholt – nämlich vom Deutschen Alpenverein, genauer gesagt der Sektion München und Oberland. Auf deren Website findet ihr unzählige Routen, Profi-Tipps, Hüttenübersichten und einfach alles für eine gute und vor allem sichere Zeit in den Bergen. Daher auch der Tipp vom DAV-Team: Da die Gipfel eben keine klassischen Hausberge vor den Toren Münchens sind, solltet ihr euch etwas intensiver mit der Tourenplanung beschäftigen, weil ihr weniger die Garantie habt auf andere Wanderer zu treffen, die euch mit einer Wegbeschreibung weiterhelfen können.

1

© Siegfried Garnweidner Freie Sicht auf den Tegernsee vom Ringspitz

Wenn es um Wanderungen am Tegernsee geht, denken die meisten Münchner*innen erstmal an die Neureuth – und genau da liegt das Problem. Wenn ihr den Menschenmassen entkommen, aber nicht auf einen schönen Tegernsee-Blick verzichten wollt, dann ist die mittelschwere Bergwanderung auf den Ringspitz (1293 m) genau richtig. Die Tour führt euch einen großen Teil der Strecke über geschützte Waldpfade, weswegen die Wanderung auch für Tage mit schlechterem Wetter geeignet ist. Vor allem am Ende Richtung Gipfel wird es dann noch mal steil, daher sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unbedingt erforderlich. Obacht geben bei Nässe! Oben angekommen liegt euch dann aber der Tegernsee zu euren Wanderstiefeln – äh, Füßen! Mehr Infos zur Tour gibt's beim DAV!

Anfahrt: Bahn bis Gmund (Tegernsee); weiter mit Bus 9557 bis Haltestelle Ringsee
Dauer: ca. 3 Stunden reine Gehzeit
Zielgruppe: Menschen mit Erfahrung im Bergwandern, Fortgeschrittene

2

© Valerie Blum Kanadafeeling und Walchenseeblick am Hirschhörnlkopf

Hach, der Walchensee ist doch irgendwie ein magischer Ort, an dem uns immer das Herz aufgeht. Doch während die Massen gen Herzogstand pilgern, um den Blick auf den See zu genießen, empfehlen wir euch hier einen Gipfel im Isarwinkel, der weit weniger überlaufen ist. Die Tour auf den Hischhörnlkopf (1514 m) hält sich in Sachen Schwierigkeit und Höhenunterschied in Grenzen, doch die Gipfelschau und der Blick hinab zum Walchensee können mit den berühmten Modebergen locker mithalten. Für eine ausführliche Tourenbeschreibung schaut ihr am besten beim DAV München & Oberland vorbei.

Anfahrt: Bahn bis Lenggries, weiter mit Bus 9595 bis "Post, Jachenau"
Dauer: ca. 3,5 bis 4 Stunden reine Gehzeit
Zielgruppe: Anfänger*innen

3

© Hannes Tausch | @mydreammoments Gipfelradler hoch über dem Chiemsee auf der Sonnwendwand

Der Spruch: "I gangat auf die Kampenwand, wenn i mit meiner Wampen kannt!" scheint die Menschenmassen nicht davon abzuhalten, zu dem beliebten Gipfel in den Chiemgauer Alpen zu strömen. Ein unbekannter Nachbar dagegen ist die Sonnwendwand (1512 m), von der aus das Panorama locker mit der Kampenwand mithalten kann. Für diese Wanderung solltet ihr die Tourenbeschreibung besonders aufmerksam lesen, denn ab der Hofbauernalm (nicht bewirtschaftet) verläuft die Tour nicht nur weglos, sondern auch ohne Markierung. Lediglich nach einem kaum erkennbaren Holzschild könnt ihr Ausschau halten.

Anfahrt: Über die ST2093 Aschau - Hohenaschau Richtung Sachrang nach Hainbach.
Dauer: ca. 3 Stunden
Zielgruppe: Menschen mit Erfahrung im Bergwandern, Fortgeschrittene

4

© Julian Bückers Ein echter Geheimtipp am Tegernsee: Der Silberkopf und die Grundhütte

Die Münchner*innen meinen ja manchmal, dass der Tegernsee zu ihrem persönlichen Vorgarten gehört. Kein Wunder, dass die meisten Gipfel und Wanderrouten immer gut besucht sind. An Sommerwochenenden lockt die Gipfelwiese des Hirschbergs zahlreiche Ausflügler*innen, dabei ist der unweit gelegene Silberkopf (1540 m) ein genauso schönes Ziel und dabei deutlich weniger gefragt. Besonders schön: Die Wandertour auf den Silberkopf lässt sich wunderbar mir einer Übernachtung in der Grundhütte (Selbstversorgerhütte) verbinden! Die Tourenbeschreibung und Infos zur Grundhütte findet ihr hier, wie ihr dann weiter auf den Silberkopf kommt, lest ihr wiederum hier.

Anfahrt: Bahn bis Tegernsee, Bus bis "Scharling Grundnerweg, Kreuth" und zu Fuß in knapp 15 Min. zum Ausgangspunkt (ca. 850 m)
Dauer: ca. 3 Stunden (Grundhütte – Silberkopf und zurück)
Zielgruppe: Anfänger*innen, Familien mit Kindern

5

© Karin Lankes Beste Aussicht auf die Zugspitze vom Hohen Ziegspitz

Jaja, auf der Zugspitze sollte jede*r mal gewesen sein – ist immerhin der höchste Berg Deutschlands. Wenn ihr das schon hinter euch habt und die Gegend und benachbarten Gipfel ein bisschen besser kennenlernen wollt, statt immer nur den üblichen Verdächtigen zu folgen, dann empfehlen wir euch: Ziegspitz statt Zugspitze! Der Hohe Ziegspitz  (1864 m) ist sehr viel weniger besucht als sein Nachbar, der Kramer, und dennoch bietet er eine grandiose Aussicht auf die direkt gegenüberliegende Zugspitze. Wie ihr da am besten hin marschiert, lest ihr in der Routenbeschreibung des DAV München & Oberland.

Anfahrt: Bahn bis Garmisch-Partenkirchen, weiter mit dem Eibseebus bis Breitenau und 20 Minuten zu Fuß zum Ausgangspunkt (1,5 km) oder mit Ortsbus 1/2 bis Äußere Maximilianshöhe und gut 10 Minuten zu Fuß zum Ausgangspunkt (gut 800 m).
Dauer: Aufstieg ca. 3 Stunden, Abstieg ca. 2,5 Stunden
Zielgruppe: Menschen mit Erfahrung im Bergwandern, Fortgeschrittene

6

© Sandra Seubert Stille finden bei einer Rundtour zum Latschenkopf

Eigentlich finden wir Städter*innen es ja nett, dass man sich unter Wander*innen immer so freundlich grüßt. Nach dem hundertsten "Servus" oder dem Versuch eines "Griaß di" ist es aber auch irgendwann wieder gut. Wenig bis gar nicht grüßen müsst ihr auf der kaum bekannten Rundtour um und auf den Latschenkopf (1487 m). Teils auf unmarkierten Pfaden, teils weglos findet ihr hier nicht nur Stille, sondern bekommt Einblicke in die faszinierende Almenlandschaft auf der Südseite der Benediktenwand. Damit ihr den Rundweg auch findet, hilft euch diese Wegbeschreibung.

Anfahrt: Bahn nach Lenggries, Bus 9595 nach Jachenau
Dauer: ca. 5 bis 6 Stunden
Zielgruppe: Menschen mit Erfahrung im Bergwandern, Fortgeschrittene

7

© Frank Martin Siefarth Aufregende Aussichten genießen am Osterfeuerköpfl

Überraschung: Wanderausflüge müssen nicht immer den ganzen Tag dauern! Wir wohnen ja nicht umsonst so nah dran. Eine Wanderung aufs Osterfeuerköpfl (1386 m) eignet sich dank der geringen Höhe auch als Halbtagestour, die man durch den südseitigen Anstieg in der Regel schon sehr früh im Jahr machen kann. Ein echter Geheimtipp ist ist der kleine Spitz des Osterfeuerköpfls nämlich nicht mehr – in der Vorsaison ist allerdings wenig los. Damit ihr wisst, wo es langgeht, findet ihr hier eine ausführliche Routenbeschreibung.

Anfahrt: Bahn bis Eschenlohe und zu Fuß in ca. 15 Min. zum Ausgangspunkt (1,4 km)
Dauer: Aufstieg ca. 2 Stunden, Abstieg ca. 1 Stunde
Zielgruppe: Familien mit Kindern, Anfänger*innen

8

© DAV München & Oberland Eine lange Tour durchs Karwendel und hoch aufs Grasköpfl

Spätestens bei unseren Ausflügen in die Berge merken wir, wie nah wir doch an Tirol sind und dass Grenzen auch nur Linien auf einer Landkarte sind. Der größere Teil des Karwendel liegt nämlich in Österreich, während Bayern den kleineren Teil der wunderschönen Gebirgsgruppe beansprucht. Ist aber auch egal, denn wandern geht hier überall super! Zum Beispiel auf einer ausgedehnten Tour zum Gipfel des Grasköpfls. Was der Name des Berges verspricht, hält er nur zum Teil. Der Gipfel selber ist zwar ein Grasgupf – aber was für einer! Und das Drumherum ist eine ausgewachsene, lange Bergtour, auf der ihr mit brillanten Aussichten und einer interessanten Abstiegsroute belohnt werdet. Damit ihr den Abstieg auch findet, solltet ihr euch die Tourenbeschreibung gut durchlesen!

Anfahrt: Bahn bis Lenggries, weiter mit Bus 9569 ("Bergsteigerbus", Betriebszeiten nur ca. Mitte Mai bis Ende Oktober) bis Fall und zu Fuß in gut 10 Min. entlang der B 307 bis zum Ausgangspunkt (900 m)
Dauer: Aufstieg ca. 3 Stunden, Abstieg ca. 3,5 Stunden
Zielgruppe: Anfänger*innen mit guter Kondition, Menschen mit Erfahrung im Bergwandern, Fortgeschrittene

9

© Theresa Röck Einsam hinauf, gemeinsam hinunter am Grubereck

An sich fällt diese Wanderung in die Kategorie "leichte Bergwanderung". Mit einigen steilen Passagen – teilweise auf kniffligem Wurzelweg – müsst ihr aber trotzdem rechnen. Dafür geht es über die schattigen Nordhänge recht einsam zum Grubereck (1664 m) hinauf. Der Abstieg über den Sonnenweg in die Lange Au ist zwar gut besucht, aber deswegen kein bisschen weniger schön. Die Wanderung zum Grubereck ist auf jeden Fall ein Genuss, samt perfekter Einkehrmöglichkeit auf der Schwaigeralm! Alternativen zum Abstieg findet ihr in der Wegbeschreibung des DAV München & Oberland.

Anfahrt: Bahn bis Tegernsee, Bus 9556 bis "Riedlerbrücke, Kreuth" und zu Fuß in 7 Minuten zum Ausgangspunkt (ca. 430 m)
Dauer: ca. 5 Stunden
Zielgruppe: Anfänger*innen, Menschen mit Erfahrung im Bergwandern, Fortgeschrittene

10

© Maximiliane Schreiner Näher geht fast nicht: Genüsslich wandern auf den Rechelkopf

Hättet ihr gewusst, wie der nächstgelegene Alpengipfel von München aus heißt? Wir ehrlich gesagt auch nicht, aber Luftlinie ist der Rechelkopf (1330 m) gerade mal 46 Kilometer vom Marienplatz entfernt und eigentlich nicht mehr als eine unscheinbare Waldkuppe. An einer Stelle beim Aufstieg und dann wieder auf dem Gipfel lichten sich jedoch die Wälder, und es ergeben sich wunderbare Tief- und Fernblicke sowie die Möglichkeit, sich in der Wiese zu sonnen. In nur einer Stunde seid ihr mit der Bahn in Gaißach, von wo euch diese Tourenbeschreibung bis auf den Rechelkopf lotst!

Anfahrt: Bahn nach Gaißach
Dauer: ca. 3 Stunden
Zielgruppe: Anfänger*innen, Familien mit Kindern

11

© Marius Goedecke | Instagram: @mariusgoe____ Bergsteigen Advanced: Eine anspruchsvolle Tour auf den Hochwanner

Dieser Tipp ist für alle, die nicht bloß behaupten, trittsicher und schwindelfrei unterwegs zu sein, denn die Tour auf den Hochwanner (2744 m) ist nicht nur lang, sondern auch anspruchsvoll. Gar nicht weit weg vom Zugspitz-Trubel erwartet euch ein wilder, stiller Aufstieg auf einer nur teilweise markierten Route in großartigem Ambiente. Doch Vorsicht, diese schwere Tour abseits der Besucherströme ist ausschließlich für fortgeschrittene Bergsteiger*innen geeignet. Bereitet euch auf jeden Fall gut vor, bringt ordentlich Zeit mit und verinnerlicht die Routenbeschreibung!

Anfahrt: Bahn nach Seefeld, Bus bis Leutasch Klamm
Dauer: 8 bis 9 Stunden
Zielgruppe: Fortgeschrittene, Profis

Bitte beachtet:

Die Angaben bei der DAV München & Oberland "Tour der Woche" sind redaktionell geprüft, für ihre Richtigkeit und Aktualität kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Bitte informiert euch selbstständig über das Wetter und ggf. die Schnee- und Lawinenlage. Außerdem könnt ihr bei einer Mitgliedschaft in den Sektionen München & Oberland von einer persönlichen Tourenberatung, die auf eure Bedürfnisse zugeschnitten wird, profitieren.

Titelbild: © Julian Bückers

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