Münchner Originale #2: Isaak Cissé

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Sie gehören zum Stadtbild wie die Frauenkirche, das Siegestor oder der Olympiaturm. Egal wie sehr sich die Stadt verändert, sie sorgen dafür, dass München authentisch bleibt. Menschen, die die Seele der Stadt verkörpern. Was wäre München ohne seine Originale? Wir haben uns auf den Weg gemacht, um mehr über sie und ihre – unsere – Stadt herauszufinden. Folge Zwei: Münchens bekanntester Taxifahrer Isaak Cissé.

„Hier bin i jeden Morgen zum Frühstück. Da gibt’s dann mei Muich und an Kuacha.“ Jetzt sitzt Thiendou Cissé, der Isaak genannt wird, vor einer Coke Zero in der Bäckerei Kistenpfennig auf der Leopoldstraße, nördlich der Münchner Freiheit, wo die Straße nicht mehr so poliert rüberkommt wie ein paar Radminuten weiter südlich.

Auf dem Parkplatz zwischen Lidl und Shell-Tankstelle steht sein Mercedes, eierschalenfarben. Isaak ist der wohl bekannteste Taxifahrer der Stadt. Der gebürtige Senegalese lebt seit fast 40 Jahren in München, seit 1983 fährt er Taxi. Sein Markenzeichen: Der bayrische Dialekt.

Die Bayernprofis? Des san ja a nur ganz normale Leid.

Ende der Siebzigerjahre kommt er nach Deutschland. Sein Ziel: Er will den FC Bayern sehen – „Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge, I war scho immer verrückt nach Fußball und hab scho in der Heimat alle Spiele geschaut.“ Und so kommt er in die bayrische Landeshauptstadt und ist bis heute geblieben.

Isaak Cissé
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Genau wie seine Liebe zum Fußball und zum FC Bayern. Er ist oft im Stadion, war schon auf der Meisterfeier im Rathaus und viele Spieler haben seine Nummer. Während er spricht, wischt er auf seinem Handy herum, hält es irgendwann hoch und zeigt Fotos. Isaak mit Thomas Müller. Isaak mit Pep Guardiola: „Weißt, des san ja a nur ganz normale Leid.“

Der Bayer red wenig, aber sagt viel

Wenn Isaak spricht, dann regt sich in mir das Verlangen, dringend an meinem Bayrisch zu feilen. Dialekte sind sein Steckenpferd – seinen eigenen hat er perfektioniert. Das Wort „griabig“ habe ich schon lange nicht mehr gehört und das rollende „R“ ist eine akustische Wohltat.

Vor allem weil in München doch eher wenig Dialekt gesprochen wird. Dabei sind Isaak und ich uns einig, dass man viele Dinge auf Bayrisch so viel schöner ausdrücken kann, als im Hochdeutschen. Er bringt es auf den Punkt: „Der Bayer red wenig, aber sagt viel“.

Isaak Cissé
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Isaak Cissé
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Für Isaak ist die Sprache Teil der bayrischen Lebensart und ihrer Geschichte. Als Taxifahrer hat er oft lange Wartezeiten. Die verbringt er gerne mit den Büchern und Geschichten der großen bayrischen Schriftsteller, darunter Ludwig Thoma und Ludwig Ganghofer. Man sieht und hört ihm die Begeisterung für dieses Thema an. Hätten wir mehr Zeit, könnte ich bestimmt so Einiges lernen.

Als ich ihn nach seinem Taxi-Alltag frage, wird klar, dass Bayrisch noch für etwas ganz anderes bestens geeignet ist – zum Fluchen. Wenn der Vordermann beispielsweise Faxen macht. Dann schaut Isaak erstmal aufs Kennzeichen und wenn er da ein HH oder ein K sieht, dann wird der Fahrer schon mal als „damischer Saupreiß“ bezeichnet. Das wirkt befreiend.

Manchnmal kimm i hier rein und sog: ,Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?'

Dabei hat auch er selbst hin und wieder mit Vorurteilen zu kämpfen. Genau an dem Platz, wo wir sitzen und reden, wurde er schon einmal angefeindet. Das haut ihn zwar nicht vom Hocker, aber gefallen lassen hat er es sich auch nicht. Stichwort: „Glei kriegst a Fotzn, dass’d speibst.“ So ausfallend wird er eigentlich nie. Er nimmt es lieber mit Humor: „Manchnmal kimm i hier rein und sog: „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ Isaaks Lachen ist ansteckend und ehrlich.

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So sehr der Senegalese München liebt, irgendwann möchte er wieder zurück in sein Heimtland an der westlichsten Spitze Afrikas. In Deutschland Altwerden ist für ihn keine Option. Im Senegal hat die Familie einen ganz anderen Stellenwert: „Da bist du als ‚Oider‘ das Oberhaupt und hast was zu sagen.“.

62 ist er jetzt. Ein Alter, das man ihm nicht ansieht. Noch lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern – der Sohn ist 16, die Tochter 25 – in Milbertshofen. Bis zur Rente sind es noch ein paar Jahre. Ein paar Jahre, in denen der FC Bayern noch viele Spiele gewinnen und Isaak unsere Stadt bereichern kann.

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Vielen Dank an Julian Mittelstaedt von jmvotography für die Fotos.

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