11 Dinge, die jeder Radler in München kennt

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Oha, was haben wir Luftsprünge gemacht, als wir vor kurzem das erste Mal die Handschuhe daheim lassen konnten – ohne Angst haben zu müssen, dass uns auf dem Radl die Finger abfrieren und wir deswegen ungebremst in den parkenden Porsche donnern. Endlich Tageslicht statt U-Bahn-Tunnel auf dem Weg in die Arbeit und überhaupt so viel mehr Freiheit und Spontanität.

Laut Stadtmarketing sind wir ja auch Radlhauptstadt. Dazu sagen wir jetzt mal nichts, denn Radfahren in München ist tatsächlich Fluch und Segen zugleich. Zur Einstimmung für die neue Radlsaison haben wir mal 11 Dinge gesammelt, die vermutlich jeder Radler in München kennt – positiv wie negativ.

1. Die ewige Tramschienen-Paranoia

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Fixie-Fans oder zumindest Oldschool-Rennrad-Freunde können ein Lied davon singen. Es gibt so ein paar Straßen in München – darunter die Barer Straße, die Müllerstraße oder die Wagmüllerstraße im Lehel – da bekommt man spontane Schweißausbrüche und Panikattacken, wenn man da durch fahren muss. Soll Leute geben, die extra Umwege fahren.

2. Die Fahrt dauert nie länger als 20 Minuten

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Den besten Beweis dafür, dass wir in einem riesigen Dorf leben, bietet nicht die Tatsache, dass man ständig bekannten Gesichter über den Weg läuft, sondern, dass man selten länger als 20 Minuten am Stück im Fahrradsattel sitzen muss, um ans Ziel zu kommen.

3. Das absolute Chaos am Sendlinger Tor

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Hände hoch, wer schon mal mit einem riesigen Fragezeichen über dem Kopf und Panik in den Augen versucht hat, die Kreuzung des Todes am Sendlinger Tor zu überqueren. Wo zum Teufel muss man da entlangfahren, damit man nicht überfahren wird oder zumindest an fünf verschiedenen Ampeln stehen bleiben muss? Der Stachus ein paar hundert Meter weiter ist übrigens keinen Deut besser.

4. Die tolle Aussicht auf ausnahmslos jeder Isarbrücke

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Trambahnschienen-Paranoia hin, Verkehrschaos her. Jedes Mal, wenn man mit dem Radl über eine der Isarbrücken – dabei ist es wirklich egal, welche von ihnen – fährt, vergisst man das Drama und das Herz schlägt nicht aus Panik, sondern vor lauter Freude über die tolle Aussicht schneller.

5. Die mit Abstand unnötigsten Fahrradampeln

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Platz drei der unnötigsten Fahrradampeln Münchens seht ihr auf dem Foto. Die findet ihr genau an der Isar auf Höhe der Mariannenbrücke, die Fußgängerbrücke, die auf die Praterinsel führt. Platz zwei geht an die Ampel auf der Ludwigstraße kurz vor der Stabi, wenn man vom Odeonsplatz in Richtung Uni fährt. So viele Menschen gehen dort auch nicht über die Straße, als dass der gesunde Menschenverstand alleine nicht reichen würde. Die ungeschlagene Nummer Eins findet ihr aber auf der Rosenheimer Straße direkt vorm Parkhaus unter dem Gasteig. Die bringt echt gar nix außer schlechter Laune und der Polizei ziemlich viele Bußgelder, denn dort ist ein beliebter Platz für Kontrollen. Obacht!

6. Die Todsünde, auf dem Radweg in die falsche Richtung zu fahren

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Ja, mit Polizeikontrollen ist das so eine Sache. Das erste Mal in meiner München-Karriere wurde ich von der Polizei aufgehalten, weil ich eben auf der falschen Seite auf dem Radlweg gefahren bin. Bis dahin wusste ich allerdings nicht mal, dass es eine richtige und eine falsche Seite gibt. Eigentlich sind solche Kontrollen aber eh nicht nötig, denn in diesem Fall herrscht auf Münchens Radwegen Selbstjustiz. Die entgegenkommenden Radler strafen einen nämlich mit solchen Todesblicken, dass man sich gar nicht traut, das jemals wieder zu tun.

7. Die High-End-Drängler auf dem Isar Highway

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Ui, der Isar Highway. Der Name kommt nicht von ungefähr, denn hier gilt die Macht des Stärkeren – oder zumindest die Macht desjenigen mit dem teuersten Equipment. Wenn man da mit seinem klapprigen Damenrad dem viertausend Euro Mountainbike auf dem Weg ins Isartrail-Abenteuer nicht schnell genug ausweicht, bekommt man entweder einen Fahrradklingel-Tinnitus oder landet direkt im Gemüse.

8. Die große Frage, woher man eigentlich ein günstiges Fahrrad bekommt

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Und wenn man eben nicht zu jenen finanziell privilegierten Münchnern gehört, deren Fahrrad mehr kostet, als man selbst im Jahr verdient, ist die Suche nach einem günstigen Fahrrad tatsächlich gar nicht mal so einfach. Auf beliebten Fahrradflohmärkten ist das meiste um sechs Uhr morgens weg oder klapprige 80er Jahre Bikes werden als Vintage-Liebhaberstücke für drei Milliarden Euro verkauft. Hoffnung gibt es in Studentenwohnheime, die regelmäßig Fahrradkeller ausmisten – hier kann man noch echte Schnäppchen machen!

9. Absperren muss man erst ab Hasenbergl

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Fahrrad absperren gehört zu den Dingen, für die man prinzipiell zu faul ist. Dieses Rumgewirre mit Fahrradschlössern und Laternenmasten raubt einfach kostbare Lebenszeit, in der man auch schnell seine Instagram-Likes checken könnte. Gut, dass man in München gar nicht mal so viel Angst haben muss, dass einem das Radl geklaut wird. Hier stellen sie höchstens noch eines dazu.

10. Die Stimmung, wenn man am frühen Morgen durch den Englischen Garten radelt

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Egal zu welcher Jahreszeit: Frühmorgens ist der Englische Garten ein Ort zum Entschleunigen. Da kann man eben noch so sehr durch die Gegend gerast sein. Beim weiten Blick auf den Monopteros, wenn die Wiesen noch mit tiefliegendem Nebel bedeckt sind, schaltet man automatisch ein paar Gänge herunter. Nicht nur am Fahrrad.

11. The end is near oder: "Wo ist der Radweg denn jetzt hin?"

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Es gibt vermutlich keine offiziellen statistisch wertvollen Zahlen dazu, wie oft es Münchner Radlern passiert, dass sie am abrupten Ende eines Radwegs ankommen. Fühlte man sich eben noch einigermaßen sicher in der Komfortzone, die die Exklusivität eines Radwegs, bietet, muss man viel zu oft sehr abrupt in den fließenden Autoverkehr wechseln. Gar nicht mal so geil.

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