Obacht! – Das neue Wirtshaus in der Schellingstraße

Was ist euer Klischee von der Maxvorstadt? Unfassbar schöne Menschen, die noch schönere Bowls essen und ihren Cappuccino fotografieren? Ja, das ist gar nicht mal so abwegig, wenn man sich im Dunstkreis der Türkenstraßen aufhält. Man darf allerdings nicht vergessen, dass die Maxvorstadt viel größer ist und mehr als nur dieses eine, instagramtaugliche Gesicht hat. Bestes Beispiel: Das neue Wirtshaus Obacht in der Schellingstraße.

Seit Ende Juli prangt an dem Ecklokal ein Schriftzug, der mich beim Vorbeiradeln schon ein paar Mal zum Schmunzeln gebracht hat. "Obacht" steht dort in geschwungenen Lettern über dem Eingang – und ja, die solltet ihr geben, denn das Wirtshaus kann so Einiges. Angefangen bei dem entspannten Wirt-Duo Holle und Michel, über die gute Küche bis hin zu den netten Gästen am Nachbartisch.

Wirtshaus Obacht
© Nina Vogl
Wirtshaus Obacht
© Nina Vogl
Ich fand Eckkneipen schon immer geil!
Holle

Die beiden Besitzer, die in ihren Ausweisen Holger Britzius und Michael Jachan heißen, sind im westlichen Teil der Maxvorstadt keine Unbekannten. Das merkt man gleich, wenn man mit ihnen auf der Terrasse des Obacht sitzt, denn sie kommen aus dem Winken, Grüßen und Zuprosten gar nicht mehr raus. Dazu grinsen sie schelmisch, denn als Wirte der guten, alten Fußballkneipe Stadion an der Schleißheimerstraße ist das auch ein bisschen ihr Job.

"Ich fand Eckkneipen schon immer geil", sagt Holle und als die zwei Gastronomen mitbekommen, dass der Vorpächter des Obacht – bis vor kurzem hieß das Wirtshaus noch Hexenkessel – den Laden aufgibt, bewerben sie sich mehr auf gut Glück bei der Augustiner Brauerei, der das Lokal gehört. Entgegen ihrer Erwartung bekommen sie den Zuschlag und dürfen sich nun nicht nur Kneipen-, sondern auch Wirtshauswirte nennen.

Wirtshaus Obacht
© Nina Vogl
Wirtshaus Obacht
© Nina Vogl
Es gibt nix bessas wia wos guads.

Mit dem Vorgänger hat das neue Lokal nicht mehr viel gemeinsam – bis auf das Bier und die Hausmannskost natürlich. Das dunkle, angestaubte Lokal ist einem hellen, freundlichen, aber dennoch irgendwie traditionellen Gastraum gewichen. Wie es zu einem Wirtshaus gehört, sind die Holzmöbel genau so dunkel, wie die Wandvertäfelung. An den weißen Wänden hängen allerdings keine Hirschgeweihe oder dunkle Gemälde, sondern Zeichnungen und Grafiken von Michael "Mixen" Wiethaus mit Weisheiten wie "Wer nix wird, wird Wirt" oder "Es gibt nix bessas wia wos guads".

Das Obacht ist also modern, aber eben ohne es angestrengt zu versuchen. Keiner der Mitarbeiter trägt Tracht, dafür gibt es einheitliche Obacht-Shirts. Die Karte ist übersichtlich und man merkt, dass hier nicht nur bayerische, sondern auch schwäbische Einflüsse mitbestimmend sind. Chefkoch Jochen, der unter anderem auch Stammgast im Stadion ist, serviert uns neben einem Brotzeitbrett, dreierlei Semmelknödel (Rote Beete, Pilze und Spinat) und einem Sauerbraten, der auf der Zunge zergeht, auch Linsen mit Spätzle und Saitenwürschtle – bei uns besser bekannt als Wiener.

Wirtshaus Obacht
© Nina Vogl
Wirtshaus Obacht
© Nina Vogl

Die Gerichte sind durch die Bank lecker, auch wenn die Spinatknödel ein wenig zu viel Liebe in Form von Salz abbekommen haben. Das Schnitzel am Nachbartisch sieht mindestens genau so verlockend aus und weil die Gespräche hier schnell mal einen Tisch weiterschwappen, ist es auch kein Problem ein Foto davon zu bekommen.

Den klassischen Schweinsbraten gibt es allerdings nur am Wochenende, damit dieser besonders frisch und kross auf die Teller kommt. Gemütlich sitzen, gut essen und nett ratschen kann man hier aber an jedem Tag der Woche. Alle, die sonst nur bayerisch essen gehen, wenn die Oma zu Besuch ist, sollten sich das Obacht merken. Wir sind auf jeden Fall froh über das neue Wirtshaus in der Maxvorstadt, das sich eigentlich so anfühlt, als wäre es schon immer da.

Wirtshaus Obacht
© Nina Vogl
Wirtshaus Obacht
© Nina Vogl

Unbedingt probieren // Das Wiener Schnitzel mit dem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis (16,90 Euro) und das Weißbier-Tiramisu.

Vegetarisch // Dreierlei Semmelknödel (12,20 Euro), Obatzda (6,40 Euro)

Preise // Helles (0,5l): 3,50 Euro, zwei Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat: 8,50 Euro, Schweinebraten: 10,40 Euro

Beste Zeit // Für den Schweinebraten natürlich Samstag oder Sonntag, ansonsten der frühe Abend vor dem Gästeansturm.

Wirtshaus Obacht | Schwindstraße 20, 80797 München | täglich 17.00–01.00 Uhr | Mehr Info

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