M94.5 muss bleiben – Ein Festival für Münchens alternatives Radio

© M94.5

Prinzipiell habe ich ein eher schlechtes Gedächtnis, aber ich erinnere mich ziemlich genau an den Moment, als ich das erste Mal alleine im Studio von M94.5 stand und live moderieren musste, sollte,…durfte. Ich wusste natürlich nicht, wieviele Leute tatsächlich auf ihren Radios die UKW-Frequenz 94,5-MHz eingestellt hatten, aber allein die Tatsache zu wissen, dass theoretisch ganz München meinem Gestottere zuhören könnte, war irgendwie einschüchternd und motivierend zugleich. Und wie stolz die Mama war!

Der Aus- und Fortbildungskanal M94.5 ist seit mittlerweile 20 Jahren eine Institution in München für all jene jungen Leute, die gerne "irgendwas mit Medien" machen wollen, aber eigentlich keine Ahnung haben, wie das geht. Außerdem ist es einer der wenigen Radiosender, die uns Charthits und das angeblich Beste der 80er, 90er und von Heute ersparen und uns stattdessen mit ungewöhnlicher, junger, neuer, manchmal gewöhnungsbedürftiger oft sehr spezieller, aber immer wahnsinnig spannender Musik versorgen.

Ohne UKW keine Competition

Nun steht der Sender und mit ihm ein ganzer Haufen junger Nachwuchsjournalisten vor einem gar nicht mal so kleinen Problem, denn ihnen droht der Verlust ihrer UKW-Frequenz. Schon Anfang Dezember gab es die ersten Meldungen darüber, dass die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) bestrebt ist, die Frequenz 94.5-MHz neu zu vergeben. Aussichtsreichster Kandidat bei der Neuvergabe ist der Privatsender Rock Antenne, von dem man sich mehr Hörer und vor allem mehr Werbegelder erhofft.

Im Februar wird die Entscheidung gefällt und schon im April könnte es dann so weit sein, dass M94,5 nicht mehr mit einem normalen Radio zu empfangen sein wird. Der Sender wird damit vor eine Herkulesaufgabe gestellt, denn in weniger als zwei Monaten müsste ein komplett neues Konzept erstellt werden, inklusive neuem Webauftritt und vermutlich sogar einem neuen Namen. Denn tatsächlich würde der Name M94.5 ohne die dazugehörige UKW-Frequenz in Zukunft wenig Sinn machen. Oha!

© M94.5

Als „einen Schlag ins Gesicht für die Münchner Subkultur“, bezeichnet Johannes Vogl diese Entscheidung. Er ist Vorstandsmitglied des Fördervereins „Freunde von afk M94.5“ und hat beim Sender seine ersten journalistischen Schritte gemacht, „Damit wird der alternativen Szene in München eine wichtige Plattform entzogen.“ Wahre Worte, denn M94.5 versorgt die Hörer nicht nur mit spannender Musik, sondern auch mit allen möglichen Infos und Berichten zu (sub-)kulturellen Veranstaltungen und Themen, die sonst wenig Gehör bekommen.

Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Münchner Subkultur

Einfach hinnehmen, will der Sender dieses „Urteil“ natürlich nicht und so haben sie in kurzer Zeit alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um das Ganze eventuell noch abzuwenden. Eine Möglichkeit, den Sender zu unterstützen ist mit einer Unterschrift der Online-Petition, die inzwischen schon fast 8000 Unterschriften zählt.

Und wie es sich für einen Musiksender gehört, gibt es heute Abend ein großes Soli-Festival im Feierwerk. Unter dem Motto „M94.5 muss bleiben“ erwarten euch eine ganze Reihe Münchner Künstler, die alle nicht zulassen wollen, dass die UKW-Frequenz 94,5MHz dem Ausverkauf zum Opfer fällt. Mit dabei sind unter anderem Occupanther, Rapper LUX, Kandinsky, Bene von Schlachthofbronx und Hadern im Sternenhagel. Wenn das mal keine geniale Art und Weise ist, etwas Gutes zu tun. Also packt die Tanzschuhe aus und rettet unseren liebsten, alternativen Radiosender!

M94.5 muss bleiben – Das Soli-Festival | 04.02.2016, ab 19.00 Uhr | Feierwerk | Hansastraße 39, 81373 München | Eintritt gegen Spende | Mehr Info

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