Typologie des Wahnsinn: 11 Silvester-Typen, die jeder kennt

Die Weihnachtsente liegt noch halb verdaut im Magen und das Wohnzimmer voller Geschenkpapier, da nähert sich schon dieser Abend wie ein böses Ungeheuer. Die beste Feier des ganzen Jahres. Der Abend der Abende. A night to remember. Scheißdreck! Wieder einmal muss man sich zwischen all den verschiedenen Optionen entscheiden: Wo, wie und vor allem mit wem (und wem nicht) will man an Silvester ins neue Jahr starten? Man muss sich für die einen Freunde und gegen die anderen entscheiden. „Wir feiern dieses Jahr bei X und Y“ hört sich jedes Mal wieder wie eine Entschuldigung an. Am Ende begegnet man auf jeden Fall einem bis elf der folgenden Silvester-Typen aus der Typologie des Wahnsinns:

1. Die Erdbeer-Bowlin

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© Anna Ruprecht

Die eine Freundin, die auf die grandiose Idee kommt eine Erdbeerbowle zu machen. Fünf Liter in einer riesigen Salatschüssel. Natürlich ohne Taschenrechner das Rezept im Kopf verfünffacht. Nur so lassen sich die 1,5 Liter Wodka erklären. Da stellt sich natürlich die Frage warum man so eine Bowle so selten und immer nur an Silvester serviert. Warum? Weil’s schmeckt, dass es einer Sau graust! Warum man mit so etwas ins neue Jahr starten möchte, entzieht sich jeglichem Verständnis. Das Schlimmste an der Bowle ist, dass 4,6 Liter dann wie eine Leiche an Neujahr beim Gastgeber in der Küche stehen. Die anderen 0,4 Liter sind im Klo der Erdbeer-Bowlin, die diese beschissene Idee hatte.

Vorsatz für 2020: Weniger Wodka, mehr Erdbeeren.

2. Der Planer

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Gleichzeitig mit den Lebkuchen im Supermarkt, noch vor der Wiesn, kommt auch immer die Frage auf, ob man Silvester schon was vorhabe. Der Planer weiß gar nicht was er mit dieser Frage anrichtet, welchen Druck er auf den Gefragten auslöst. Natürlich hat man noch keine Pläne. Er ja auch nicht. Es ist ja schließlich erst September. Meistens feiert der Planer dann auch nicht mit den Leuten, die er im Spätsommer terrorisiert hat. Er hat kurzfristig eh was anderes vor.

Vorsatz für 2020: Früher fragen, später entscheiden.

3. Das Multi-Options-Opfer

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Hüttenwochenende oder Surfen in Marokko? Oder mal wieder mit der Familie? Oder diesmal wirklich im kleinen Kreis? Das Multi-Options-Opfer hat zehn Möglichkeiten um den unwichtigsten Abend des Jahres zu feiern, kann sich aber nicht entscheiden. Deshalb schiebt sie die Entscheidung so lange auf bis die Flüge zu teuer, die Hütte voll und die sieben anderen Optionen auch nichts werden. Am Ende feiert sie wie jedes Jahr mit den gleichen Leuten. Dazu gibt es Erdbeerbowle.

Vorsatz für 2020: Mal schaun, was so geht.

4. Der Berliner

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Der Obercouchpotato, dem die Münchner Clubs zu voll sind und der keine Lust auf Schlange stehen hat, fährt schon am 30.12. in der Früh in die Hauptstadt, um möglichst früh am Brandenburger Tor mit 800.000 anderen Menschen zu sein. Dank Instagram sieht man, dass „der Berliner“ tatsächlich einen Blick aufs Adlon erhaschen konnte. Bilder von der Berghainschlange verheimlicht er. Dennoch war’s „meeeega“.

Vorsatz für 2020: Einmal ins Berghain kommen.

5. Die Babyphoner

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Die jungen Familien treffen sich schon um 18 Uhr und essen was Einfaches wie Wiener und Kartoffelsalat. Bloß keinen Aufwand. Skurrilerweise sind es diejenigen, die auf jeder Grillparty im Sommer eine Quiche, an Silvester aber nur Salzstangen und Kartoffelflips servieren. Geböllert wird schon um 18.30 Uhr, denn die Kinder sollen ja schließlich auch etwas mitbekommen (Böller der Sicherheitsstufe 4). Ab halb neun sitzt man dann „ganz gemütlich“ zusammen, teilt sich eine Flasche Rotwein und hofft, dass einer etwas Lustiges sagt. In der linken Hand halten sie ihr Baby- und in der rechten ihr Smartphone, wo sie auf Instagram Bilder vom Brandenburger Tor des „Berliners“ verfolgen. Im Hintergrund legt Enrico Ostendorf im Radio-Megamix was Lustiges auf.

Vorsatz für 2020: Einmal in Berlin feiern.

6. Der Knallfrosch

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Der Knallfrosch steht schon um 21 Uhr im Braveheart-Style auf der Theresienwiese oder am Odeonsplatz und ist bewaffnet bis auf die Zähne. Er versucht uncool zu sein, indem er die illegal erworbenen Böller aus dem Ausland in die Menschenmenge wirft, was ihm erstaunlich gut gelingt. Signature-Move: Der einarmige Raketenstart aus der Hand. Meistens bricht ihm der Krüppel aber nach 30 Metern ab und landet neben den Böllern. Der Knallfrosch ist der natürliche Feind der jungen Familie und der Freund des Galatypen, weil wenigstens einer Raketen schießt.

Vorsatz für 2020: Die neuen D-Böller und ein funktionierendes Feuerzeug.

7. Der Gala-Typ (light)

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Die Männer im Smoking mit Fliege. Dazu ein bisschen Wet-Gel. Die Frauen im feinen Escadakleidchen, welches sie seit der Sommerhochzeit am Tegernsee nicht mehr anhatten. An Silvester macht sich der Galatyp schick und trägt auf. Man will ja schließlich nobel ins neue Jahr starten. Leider steht er um 19.30 Uhr viel zu spät immernoch mit einer großen Tupper-Box mit Nachtisch am Straßenrand und hofft auf einen Uber. Nach dem obligatorischen #NYE-Photo auf Instagram werden die Lackschühchen gegen Schlappen des Gastgebers getauscht.

Meistens feiern drei Pärchen und das Multi-Options-Opfer zusammen. Highlight des Abends: Feuerwerk vom Balkon des fünften Stocks in der Maxvorstadt und Belvedere –Erdbeerbowle.

Vorsatz für 2020: Pünktlich sein.

8. Der Tourist

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Der Tourist kommt erst um 20 Uhr planlos am Hauptbahnhof an, bleibt dann bis 23.50 Uhr gezwungenermaßen im La Cucaracha hängen und geht zur Theresienwiese, um sich mit Böllern bewerfen zu lassen. Zum Anstoßen gibt es Paris-Hilton Prosecco aus der Dose. Danach zu Fuß zur NaGa wo man sich komplett über den Haufen schießt. Hängt an Neujahr mit der Erdbeer-Bowlin in Gedanken verbunden über der Schüssel.

Vorsatz für 2020: Bis 20.15 Uhr gerade ausschauen können um den Zug in die Heimat zu bekommen.

9. Der Clevere

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Der Clevere hat den Hype um Silvester noch nie verstanden, lädt zu einem kleinen Come-Together um 22 Uhr bei sich in der Bude ein, schaut sich das Feuerwerk vom heimischen Balkon an und liegt um 1.30 Uhr im Bett. Um 08.30 Uhr steht er topfit an der Talstation im Zillertal und gönnt sich die First-Line im Neuschnee. In der Mittagspause schaut er sich auf Instagram die Silvesterpartys der anderen an und postet ein Powderbild. Er hat alles richtig gemacht.

Vorsatz für 2020: Das Saisonticket richtig ausnutzen.

10. Der Flatrater

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Der Flatrater geht auf Nummer sicher. Heimlich, still und leise bucht er als early bird direkt nach der Wiesn das All-Inclusive-Package für 119 Euro im Löwenbräukeller, im Parkcafé oder auf der Praterinsel. Er macht sich ein bisschen schick und verbringt den Jahreswechsel mit der gleichen Crew, die auch im Sommer beim White-Dinner dabei war. Wird am nächsten Tag in die WhatsApp-Gruppe „Silvestersause 2019/2020“ ein Boomerang-Video vom Tischfeuerwerk schicken und schreiben: „Klasse Abend. Echt toll! Grüße“.

Vorsatz für 2020: Das Gold-Ticket mit Champagner und VIP-Eingang.

11. Die Arbeiterin

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Die Arbeiterin ist gefühlsmäßig hin und hergerissen, ob sie Silvester lieben oder hassen soll. Obwohl sie lieber in Berlin gefeiert hätte, hat sie sich für die Silvesterschicht in ihrer Bar eintragen lassen. Nun ja. Während sie zusammen mit ihren Kollegen wartet, dass es endlich Mitternacht wird, terrorisieren sie ihre Freunde, weil sie doch noch spontan +8 auf die Gästeliste wollen. Erfreulicherweise sackt sie das dickste Trinkgeld des Jahres ein, weil der Tourist, das Multi-Options-Opfer, der Planer und die Erbeerbowlin Omas Weihnachtsgeld verblasen. Letztere fliegt um 01.30 Uhr wieder aus dem Laden.

Vorsatz für 2020: Immer weider, is' gscheider.

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