11 Theaterstücke, die du dir im November und Dezember 2018 ansehen solltest

© Jean-Marc Turmes

Der Theater-Winter wird heiß! Während ein südkoreanischer Künstler sich mit ein paar Reiskochern unterhält, werden Eheverbrechen begangen, Tage mit Gott verbracht und kurze Interviews mit fiesen Männern geführt. Dazwischen tanzen Romeo und Julia noch aufgewühlt um den Gärtnerplatz. Der Rest wird einfach improvisiert. Euch schwirrt der Kopf? Eine Tasse Glühwein vor (und nach) den berauschenden Theaterabenden, die euch in der kalten Jahreszeit erwarten, wird schon Ordnung in das Chaos bringen.

Übrigens: In diesem Jahr findet das Festival Politik im Freien Theater zum ersten Mal in München – und damit in ganz Bayern – statt. Die zehnte Ausgabe vom 01. bis 11. November 2018 ist wie immer ein Spiegel politischer und gesellschaftlicher Geschehnisse und bietet zugleich einen Überblick über aktuelle Theaterästhetiken.

Theater am Sozialamt

1. Sie sinken, wir winken. Die Odyssee.

Theater November / Dezember 2018
© TamS Theater

In einem kleinen Boot über die sieben Weltmeere zu schippern – aktueller denn je. Regisseur Lorenz Seib inszeniert im Theater am Sozialamt mit "Sie sinken, wir winken. Die Odyssee." ein Stück, das den alten Mythos der Irrfahrt des Odysseus und leider nur allzu neue Bilder und Assoziationen vermischt. Odysseus heißen hier alle vier Protagonisten. Und alle vier wollen zurück in ihre Heimat Ithaka. Also stechen sie in See, wo ihnen das ein oder andere Hindernis vor den Bug geschwemmt wird. Wen hier die Thematik allein noch nicht lockt, der wird vielleicht durch die Neugier auf ein Theater überzeugt, in dem die meisten von euch sicherlich noch nie gesessen haben.

Termine: bis 24. November 2018 jeweils Mittwoch – Samstag: 20.30 Uhr

Tickets: 22 Euro, ermäßigt 15 Euro

HochX

2. Cuckoo

Cuckoo Theater
© Radovan Dranga

Südkorea, Ende der 1990er Jahre. Wirtschaftskrise. Diese Zeit hat der Künstler Jaha Koo in seiner Jugend hautnah miterlebt, sie hat ihn geprägt. In seiner Performance "Cuckoo" verknüpft er gekonnt die politischen Ereignisse mit seinen persönlichen Erfahrungen – und das mit Hilfe von sprechenden Reiskochern. Spätestens jetzt sollte euer Interesse geweckt sein. Die drei Reiskocher der Marke Cuckoo, mit denen Koo sich die Bühne teilt, sind ein Symbol des südkoreanischen Wiederaufstiegs. Vergesst also Siri, Alexa & Co. – nach diesem Theaterabend wird nur noch mit Küchengeräten kommuniziert!

Termine: 04. November 2018: 20.30 Uhr, 05. November 2018: 19.00 Uhr

Tickets: 15 Euro

Juhu! Wir verlosen für die Vorstellung am 05. November 2x2 Karten. Schreibt uns einfach eine koreanische Mail mit dem Betreff "Chuckoo" an [email protected]. Ausgelost wird am 05.11.2018 um 12 Uhr!

Residenztheater

3. Endspiel

Endspiel | Residenztheater
© Julian Baumann

Zu welcher Jahreszeit passen Endzeitstimmung und Weltuntergang besser als zum Winter? Das Residenztheater empfängt uns mit "Endspiel" von Samuel Beckett zu einer Premiere, für die wir unseren besten und dicksten Pullover aus dem Schrank kramen sollten. Eingemummelt schauen wir dann den vier ProtagonistInnen, die scheinbar die letzten Überlebenden in einem bunkerartigen Raum sind, bei einer Achterbahnfahrt der Gefühle zu. Metamorphosen von Ernst und Unernst, von Kitsch und Poesie, von Parodie und schrecklicher Wahrheit. Die Befreiung durch den Tod, der allen Wahnsinn beenden kann, bleibt ihnen verwehrt und so kämpfen sie mit ihren inneren Stimmen, Träumen und tief ins Gedächtnis gebrannten Erinnerungen.

Termine: 16. November 2018 (Premiere): 19.30 Uhr, 23. und 29 November 2018: 20.00 Uhr

Tickets: 16 bis 48 Euro

Heppel & Ettlich

4. Kleine Eheverbrechen

Theater November / Dezember 2018
© Artemis Theater

Neue Besitzer im Heppel & Ettlich, gewohnt schöne Theaterabende! In "Kleine Eheverbrechen" steht ein Paar vor den quälenden Fragen, vor denen ein Paar nach 15 Jahren Beziehungen eben steht. Gibt es Geheimnisse, die die beiden voreinander verbergen? Verkompliziert wird die Suche nach der Wahrheit für den Schriftsteller Gilles Sobiri durch die Amnesie seiner Frau Lisa, deren Auslöser unbekannt ist. Komisch, dramatisch und heiter ist das Stück nicht nur etwas für Beziehungs-Typen, die sich sicher in der ein oder anderen Szene wiederfinden, sondern auch für Langzeit-Singles, die es danach auch bleiben wollen. Oder vielleicht ja nicht.

Termine: 18. November 2018: 19.00 Uhr

Tickets: 19,80 Euro, ermäßigt 14,30 Euro

Kammerspiele

5. Heaven in Pity

Theater November / Dezember
© Jean-Marc Turmes

Die Kammerspiele dürfen eigentlich in keiner Empfehlung fehlen. Besonders in letzter Zeit haut das Theater einen Knaller nach dem nächsten raus – der dann auch mal mehrere Tage anhält. Für den November wenden wir unseren Blick aber von der großen Bühne ab und konzentrieren uns auf die Kammer 2. Hier sind die Scheinwerfer auf den Schauspiel-Nachwuchs der Otto-Falkenberg-Schule gerichtet. In "Heaven in Pity" geht es um die Sehnsucht nach dem Loslassen. Wie viel Rausch braucht die Gesellschaft? Welche Droge passt zum heute? In szenischen und musikalischen Improvisationen setzten sich StudentInnen aus dem dritten Jahrgang Schauspiel mit diversen Substanzen auseinander – und dabei auch immer mit sich selbst.

Termine: 22. und 23. November 2018: 20 Uhr

Tickets: 9 Euro, ermäßigt 5 Euro

Gärtnerplatztheater

6. Romeo und Julia

Theater November Dezember 2018
© Marie-Laure Briane

"Romeo und Julia"? Gähn! Das haben wir doch wirklich schon in allen erdenklichen Inszenierungsformen gesehen. Falsch! Denn mit ergreifender Romantik und zärtlichen Liebesschwüren á la Shakespeare hat die choreografische Uraufführung im Gärtnerplatztheater von Erna Ómarsdóttir, einer isländische Choreografin, nur noch wenig zu tun. Mit Hilfe von drastischen Bildern, expliziten Darstellungen von Gewalt und sexueller Symbolik erzählt diese besondere Tanzkreation die komplexe Geschichte der Geschlechter. Von ihrer gegenseitigen Anziehung, aber auch von den immer wieder aufkommenden Streitigkeiten. Dieser Theaterabend wird auf jeden Fall intensiv – nicht umsonst ist das Stück erst ab 17 Jahren empfohlen. Was das im Theater genau heißt, schaut ihr euch am besten selbst an.

Termine: 22. November 2018 (Uraufführung): 19.30 Uhr, 25. November sowie 09. und 26. Dezember 2018: 18.00 Uhr, 18. Dezember 2018: 18.30 Uhr

Tickets: 10 bis 65 Euro

Marstall

7. Der Mieter

Der Mieter | Theater November Dezember
© Julian Baumann

Wir Münchner können ein Lied davon singen: die verflixte Wohnungssuche. Allerdings ist "Der Mieter" Trelkovsky ein echter Glückspilz, denn er hat seine neue Bleibe in Paris bereits gefunden. Ein Traum ist das verfallene Gebäude in einer schwierigen Nachbarschaft zwar nicht gerade und auch der Concierge sieht ziemlich nach Schwierigkeiten aus. Das größte Problem jedoch ist die Vermieterin, die sich aus dem Fenster gestürzt hat und nun schwer verletzt im Koma liegt. Theoretisch  kann Trelkovsky also erst nach ihrem Tod sein neues Leben beginnen. Was nun? Hin- und hergerissen zwischen Traum und Alptraum, trifft er überall auf unerwartete Zeichen, dass in ihm seine Vormieterin weiterzuleben scheint...

Termine: 24. und 29. November 2018: 20.00 Uhr

Tickets: 21 Euro

Akademischer Gesangsverein

8. SchlAGVertig

SchlAGVertig Improtheater
© SchlAGVertig

Wer kennt's nicht: Wenn man sich mit Theater auseinandersetzt hat, man gerne mal den ein oder anderen Kritikpunkt. Weil man selbst es ja ganz anders gemacht hätte. Bei den Improtheater-Abenden der Gruppe SchlAGVertig könnt ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen, denn hier hat das Publikum die Zügel in der Hand. Ihr selbst erstellt die Charaktere und beeinflusst ihre Entscheidungen. Weil ja Dezember ist, wird der grobe Rahmen der Geschichte schon etwas mit Weihnachten zu tun haben, eine Heldengeschichte soll es außerdem werden – vorausgesetzt, ihr lasst das zu.

Termine: 05. November* und 03. Dezember 2018: 19.30 Uhr

Tickets: Der Eintritt ist kostenlos! Kommt aber lieber etwas früher, sonst gibt's vielleicht keinen Sitzplatz mehr.

*Die Vorstellung im November wird von der Nachwuchsgruppe "Fightclub II" aufgeführt.

Teamtheater Tankstelle

9. DI_VER*SE

Theater November / Dezember
© Mark Mosman

Obwohl der Vielfalt der Geschlechter in unserer Gesellschaft zunehmend mehr Akzeptanz entgegen gebracht wird, stoßen wir noch immer auf ein typisches Schubladendenken, auf Entweder-Oder-Entscheidungen. Aber der Gender-Regenbogen ist eben nicht nur schwarz oder weiß. Die Textcollage "DI_VER*SE" aus Interviews mit Trans-, Transgender- und Interpersonen nähert sich neugierig, respektvoll und mit Humor einem tabuisierten Modethema. Es geht um Alltag, Ausgrenzung und Anerkennung – und um Menschenrechte. Denn der Mensch sollte mehr zählen als das Geschlecht.

Termine: 12. bis 15. Dezember 2018: 20.00 Uhr

Tickets: 22 Euro, ermäßigt 15 Euro

Volkstheater

10. Kurze Interviews mit fiesen Männern

Kurze Interviews mit fiesen Männern
© Gabriela Neeb

Ich bin ganz ehrlich: Der Titel allein hat mich sofort vom Stück überzeugt. "Kurze Interviews mit fiesen Männern" von David Wallace zeigt uns auf der kleinen Bühne des Volkstheaters drei Männer, die sich um Kopf und Kragen reden. Mansplaning vom allerfeinsten. Dabei geht es nicht nur um Männlichkeitswahn und Stärke, sondern besonders auch um sexuelle Ängste, gesellschaftlichen Druck, unerfüllte Erwartungen und nagende Selbstzweifel. Schnell wird klar: Die Männer sind hochneurotisch, selbstreflexiv und kommen überhaupt nicht mit dem anderen Geschlecht klar. Kleiner Tipp am Rande: Lieber nicht mit dem neuen Macho-Freund hingehen!

Termine: 16. Dezember 2018 (Premiere): 20.00 UHr

Tickets: 18 Euro, ermäßigt 8,50 Euro

Metropoltheater

11. Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

Theater
© Thomas Flach

Natürlich darf in der Zeit vor Weihnachten einer auch auf der Bühne auf gar keinen Fall fehlen: Gott. Dem ist im Stück "Die Tage, die ich mit Gott verbrachte" allerdings nicht so besinnlich zumute. Seine Grundstimmung ist eher wehmütig, denn was er erschaffen hat, kann er nicht mehr rückgängig machen. Auf der Suche nach Trost und Verzeihung entdeckt Gott – gespielt von Judith Toth – einen Mann, der allein in seiner Münchner Schreibstube sitzt. Für ihn öffnet er Türen und Tore zu vollkommen neuen Welten. Er lässt die steinernen Löwen vor der Feldherrnhalle durch Reifen springen, trinkt gerne ein Glas Champagner und dirigiert kleine Regenwolken bei heiterstem Himmel herbei. Doch am Ende muss er feststellen, dass die Welt sogar noch mehr im Argen liegt, als er es sich hatte vorstellen können.

Termine: 18. Dezember 2018 (Premiere): 20.00 Uhr, 19.–22. und 27.–28. Dezember 2018: 20.00 Uhr, 31. Dezember 2018: 20.30 Uhr

Tickets: 19 Euro, ermäßigt 15 Euro

Juhu! Wir verlosen für die Vorstellung am 19. Dezember 1x2 Karten. Schreibt uns einfach eine göttliche Mail mit dem Betreff "Metropoltheater" an [email protected]. Ausgelost wird am 05.11.2018 um 12 Uhr!

Titelbild: © Jean-Marc Turmes

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