11 Orte in München, die es schon länger als 30 Jahre gibt

Gefühlt eröffnet jede Woche ein neues Cafés in München. Manche bleiben, an anderen radelt man ein Jahr später vorbei und sieht: Oh, schon wieder was Neues! Und dann gibt es aber auch noch die Orte in unserer schönen Stadt, die es gefühlt schon immer gibt. Ohne die wir uns München gar nicht mehr vorstellen können und bei denen es wirklich, wirklich schlimm wird, wenn sie irgendwann einmal schließen sollten. Wir haben euch hier elf Orte herausgesucht, die älter als wir sind – älter als 30 Jahre. Und manchmal sogar auch hundert Jahre, so wie das süße Kino Studio Isabella in der Maxvorstadt.

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Johannis Café

© Instagram / tommimakynen Bier und Toast-Hawaii im Johannis Café

Blümchentapete, Jagdgeweih und die grüne Stofftischdecke auf jedem Tisch – völlig aus der Zeit gefallen und eine Katastrophe für hippe Städteraugen. Dazu ein eigenwilliger Wirt namens Olaf, der seit 1991 die Boazn betreibt, und ein Holztresen, der einige Geschichten zu erzählen weiß – nämlich von 1926! Voilà, willkommen im Johannis Café. Passend zur Einrichtung geht es auch auf der Speisekarte rustikal zu: Schinkennudeln, Käsespätzle und Toast Hawaii, dafür manchmal bis in die Morgenstunden.

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Retro München

© ErriTollsten | Wikimedia Commons CC BY-SA 2.0 DE Burger essen und Filme schauen im Autokino Aschheim

Das erste Autokino wurde in den 30er Jahren in den USA eröffnet, richtig populär wurde das Freiluftkino allerdings erst in den 50ern und 60ern. Nur rund 20 Stück gibt es heute in ganz Deutschland, eines davon in Aschheim bei München und das seit über 50 Jahren! Nach dem Film kann man hier noch im Diner Burger essen – Hamburger für nur zwei, Cheeseburger für drei Euro. Sowieso können sich die Preise im Autokino Aschheim echt sehen lassen. So kostet der Eintritt acht Euro und ein Bier 2,60 Euro. Fast wie damals bei der Eröffnung 1968.

3
Geyerwally

© Geyerwally Seit 60 Jahren Wohnzimmerfeeling in der Geyerwally

Schon seit 1957 gibt's die Geyerwally zwischen Isar und Goetheplatz. Die stadtbekannte Boazn befindet sich in einem seit 30 Jahren leerstehenden Haus. Vor zwei Jahren hat der junge Maximilian Heisler vom "Bündnis Bezahlbares Wohnen" die Geyerwally übernommen. An der Einrichtung, den Gästen und dem Flair hat das aber zum Glück nichts verändert. Filmplakate hängen zusammen mit Emaille-Schildern an den Wänden, und neben dem 70er-Jahre-Tresen grüßt ein weihnachtlich geschmücktes Skelett. Die Geyerwally ist halt das Wohnzimmer – nicht nur für alle Glockenbacher.

4

© Anika Landsteiner Die Jukebox anschmeißen im Bei Otto

„Bei Otto“ ist zwar schon seit Jahren eher ein Besuch bei Renate, aber immer noch genauso gut. Die Frau des verstorbenen Namensgebers der Boazn wollte den Laden eigentlich nie übernehmen, hat es dann aber doch aus Liebe getan. Jetzt steht sie seit über 40 Jahren hinter dem Tresen – die Dame mit dem Taillengürtel, dem blondierten Wallehaar und dem rosafarbenen Lippenstift und schenkt an ihre Stammgäste aus. Das Beste an der Boazn, die übrigens gar nicht verrucht und verklebt ist: Die Wurlitzer-Jukebox! Für dessen Benutzung einfach ein Euro-Stück an der Bar in ein 2 DM-Stück tauschen. Das Sympathische: Am Wochenende geschlossen, denn auch Renate mag mal frei haben.

5

© Pixabay Eislaufen im Olympia Eissportzentrum

Kein Ort in München schreit mehr 70er Jahre als das Olympiazentrum. Die architektonisch-umstrittenenen Hallen wie Schwimmhalle oder das Eissportzentrum (1967 eröffnet!) bieten drinnen und draußen noch pures Retro-Feeling. Besonders schön: Bei der Eislauf-Disco, die im Winter immer donnerstags, freitags und samstags stattfindet, könnt ihr mit dem Tinder-Date eure Runden zu Musik und Light-Show drehen. Erinnert an die Rollschuh-Diskos vergangener Jahrzehnte, vor allem wenn die Musikauswahl am Samstagabend verdächtig nach einschlägigen Radio-Jingles klingt: "Best of 50's to 90's". Denn wenn schon retro, dann richtig. Betriebspause ist immer zwischen Mai und Juli!

6
Café Frischhut

© Christian Salinas Die weltbesten Schmalznudeln im Café Frischhut holen

Das Café Frischhut gibt es seit 1973 und fühlt sich heimelig an – nur dass der Nostalgie-Oma-Flair hier real und nicht gewollt ist. Betrunken aus dem Club ins Café Frischhut am Viktualienmarkt zu fallen, ist somit eine der besten Entscheidungen, die ihr um fünf Uhr morgens treffen könnt. Es gibt's (fast) nichts besseres, als sämtliche Alkoholreste mit fein duftenden Schmalznudeln aufzusaugen. Dazu noch ein Striezl, zwei Auszogne und der Körper sagt Danke.

7
Ruffini

© Ruffini Neuhausens kollektive Tradition im Café Ruffini

Italienisch in Neuhausen geht am besten im Ruffini – und das schon seit 1978. Das Jahr in dem die acht Ruffini-Gründer sich für die Arbeit ohne Chef entschieden haben. Heute sind es 25 Mitglieder einer GmbH, die im Laden nebenan eigenes Brot und Olivenöl verkaufen und im Café so viele offene Weine anbieten, dass man sich vermutlich nie ganz durch die Karte probieren kann. Tagsüber gibt's im Café auch Frühstück, Kuchen und wechselnde Mittagsgerichte. Stets gut gefüllt mit auffallend gesprächigen, regional verorteten Brillenträgern, lässt sich das „dolce far niente“ eigentlich am besten auf der Dachterrasse genießen. Die ist zwar nicht die höchste Münchens, aber mit Sicherheit die netteste! Und das schon ziemlich lange.

8

© Optimal Records First- und Secondhand-Scheiben im Optimal Records

Den Optimal gibt es seit 1982 (!). Größen wie Kruder & Dorfmeister, DJ Hell oder lokale DJ's zählen zum Kundenstamm. Hier wartet die gebündelte Vinylexpertise, Wein, gute Bücher, First- und Secondhand-Scheiben in optimal kuratierter Auswahl. Platten aus England, USA und kleine Labels wie Compost Records oder Gomma. Das Genre einzugrenzen fällt hier ebenfalls schwer: Drum & Bass, Dubstep, Disco, Funk, Soul, Techno und House, Hip Hop, Avantgarde, Industrial, Punk, New Wave und Reggae lassen keine Wünsche offen. Dazu gibt es ab und an kleine Konzerte und Ende Juli ein Sommerfest im Glockenbach, das ihr euch am besten dick im Kalender anstreicht.

9
Da Mario

© Da Mario Facebook Die erste Pizza Münchens bei Mario essen

Im Ristorante Bei Mario, gleich hinter der Uni, is nichts mit zeitlosem Design oder aufregender Pizza mit roter Bete wie bei den Kollegen zwei Straßen weiter. Mario Gargiulo, der der Sage nach die Pizza nach München gebracht hat, backt seit 50 Jahren in Schwabing. Und das merkt man auch dem Laden an: Die Fotos von Partys von 1985 und Mario in jungen Jahren gehören genauso zum Ambiente wie die solide Pizza und das köstliche Tiramisu. Genau wie schon meine Großeltern, die in den 60er Jahren nach München kamen, zieht es mich an bodenständigen Abenden immer wieder zu Mario in die Adalbertstraße.

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Kuchen München

© Anja Schauberger Günstige Torte im Oma-Café Wiener bestellen

'Der Grantler' und 'Das Grantln' haben sich in den letzten Jahren ja zur Lifestyle-Choice des traditionsbewussten, aber doch hippen Münchners avanciert. Den Ursprung des Grants kann man aber noch im Café Wiener bestaunen, die bei weitem die schlechtesten Online-Bewertungen aller Zeiten haben. Omis und Opis schreiben eben keine Rezensionen auf TripAdvisor. Die sitzen nämlich an den Marmortischen des Café Wieners, das schon seit 1894 den Concept Stores drum herum standhält. Das Café Wiener ist das letzte Refugium für alte Menschen am Gärtnerplatz, die keinen Bock auf Anstehen vorm Cotidiano oder Einquetschen im Aroma haben. Wer will den Betreibern also den Grant verdenken, den sie ganz offensichtlich allen anderen Gästen entgegen schleudern. Mutige trauen sich natürlich doch rein – die Torten sind fantastisch und für 2,90 das Stück das Gärtnerplatz-Schnäppchen schlechthin!

11
Studio Isabella

© Anika Landsteiner Filme schauen seit 1919 im Studio Isabella

„Filmkunst in Schwabing seit 1919“, so lautet der Slogan des vielleicht kleinsten, auf jeden Fall aber charmantesten Kinos Münchens. Das Schöne am Isabella: Der Mensch, der dir die Tickets und dein Getränk verkauft, ist auch derjenige, der den Film anmacht. Bekannt ist das Cinema für seine spanischen Filme. Es laufen auch viele OmU-Titel und generell nur Indie-Streifen. Was du hier also nicht finden wirst: Batman 4, aber dafür auch keine lange Schlange wie im Mathäser. Ja, und manchmal, wenn man ganz viel Glück hat, ist man fast alleine zwischen den gefühlt 30 Kinositzen.

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