11 Theaterstücke in München, die du dir jetzt ansehen solltest

Text von Miriam Kastlmeier

Der Frühling bringt... ja was bringt er denn? Auf jeden Fall ein farbenfrohes, sprachlich verwegenes aber auch kulturell kritisches Theaterprogramm. Egal ob große oder kleine Bühnen, alte Klassiker oder was komplett Neues. Da ist für jeden was dabei! Hier unsere 11 Theaterempfehlungen für März und April 2018.

Zentraltheater

1. FUCK YOU, MON AMOUR

Zentraltheater
© Zentraltheater

Kennt ihr schon das kleine Zentraltheater? Ein neues freies Theater im Bahnhofsviertel, welches – noch ohne Förderung – Schauspielern und Regisseuren eine Bühne bietet. In dem neuen Stück von Thomas M. Meinhardt geht es wie unschwer zu erkennen um die Liebe. Aber nicht um das kitschige Pseudonym aus Hollywood, sondern um die Wirklichkeit, die mit echte Traumata und irrationalen Handlungen. Sie liebt ihn, er liebt sie. Was ist, wenn die Liebe jedoch nicht reicht? Aber der f***ing Liebekummer bleibt? Jetzt Karten sichern, denn viele Leute passen nicht rein ins Zentraltheater. Ich habe meine schon!

Termine: 08., 09., 14., 16. & 17. Mai 2018, 19.30 Uhr
Tickets: 20 Euro, ermäßigt 15 Euro

Gärtnerplatztheater

2. My Fair Lady

My Fair Lady Gärtnerplatz Theater München
© Marie-Laure Briane

„Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen.“ oder doch eher „Es greant so grean, wenn Spaniens Bliatn bliahn“?! Wer das nicht versteht, für den wird’s schwer bei der Neufassung von Alan Jay Lerners Musical, denn Voraussetzung ist: der bayrischen Sprache mächtig sein! In „My Fair Lady“ wettet der Sprachforscher Professor Higgins, dass er aus dem einfachen Blumenmädchen Eliza in sechs Monaten eine Lady machen kann, indem er ihren Umgangston dem des Adels anpasst. Denn die Frage ist, was macht einen Menschen aus? Seine Herkunft oder seine Sprache? Unterhaltung und Spaß garantiert. Und dabei begeisterte nicht nur, dass endlich wieder bissl bayrisch gredt wird in der Stadt.

Termine: 16., 18. & 25. März 2018 | 06., 07., 14. & 15. April 2018
Tickets: 10 bis 80 Euro

Marstall

3. Der Balkon

Der Balkon Theater
© Konrad Fersterer

Jean Genet war Dieb, Zuhälter, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und später begnadigt. In dieser Zeit begann er zu schreiben. Der Marstall bezeichnet ihn als „Verächter aller Konvention“ der mit seinem Stück „Der Balkon“ wider Willen zum Klassiker wurde. In der Inszenierung von Ivica Buljan bietet Madame Irma ihren Besuchern im Bordell neben Sex, auch die Möglichkeit in neue Identitäten zu schlüpfen und somit das Leben als Illusion zu feiern. Man(n) ist Bischof, Richter oder General während vor der Tür die Revolution ausbricht. Nackte Haut, Exzesse, Punkrock, lyrische Szenen – irgendwie von allem etwas.

Termine: 25. März 2018, 19.30 Uhr | 04. & 24 April 2018, 19.00 Uhr
Tickets: 21 Euro, im März bereits ausverkauft, also frühzeitig Karten für April sichern!

Residenztheater

4. Heilig Abend

Heilig Abend Theater
© Thomas Aurin

Über der Bühne des Resi hängt mit leuchtenden weißen Ziffern eine Digitaluhr – 90 Minuten. In diesen Minuten liefern sich der Polizist und die terrorverdächtige Professorin, die an Heilig Abend verhaftet worden ist, ein Psychoduell über Gut und Böse, Richtig und Falsch, Flüchtlinge und Terrorismus. Wann steht Sicherheit über Freiheit? Wann sind Gewalt und Todesopfer legitim? Das Stück von Bestsellerautor Daniel Kehlmann ist ein Schlagabtausch über soziale Ungerechtigkeit und Systemkritik. Grandios und mehr als real.

Termine: 14. März 2018, 20.00 Uhr | 04., 12. & 18. April 2018, 20.00 Uhr
Tickets: 12 bis 40 Euro

5. Junk

Till Firit
© Peter Kaaden

In dem Stück des US-Schriftstellers mit pakistanischen Wurzeln geht es um eine Erfindung, aber nicht um eine neue, technische Errungenschaft, sondern den in den 80er Jahren entstanden Finanzkapitalismus. Schulden wurden plötzlich zu Kapital, aus dem Nichts entstand etwas Wertvolles. Dabei dreht sich laut Ayad Akhtar alles um „die Kluft zwischen angenommen Wert und wirklichem Wert, zwischen der Sprache und der realen Bedeutung“. In „Junk“ geht es um den Investmentbanker Robert Merkin, der den Kauf angeschlagener Unternehmen mit deren eigene Schulden bezahlt und am Ende mit dessen Zerschlag ein Vermögen verdient. Es ist ein Wirtschaftskrimi, eine Kapitalismusanalyse die zeigt, wie tief der Glaube an die Omnipotenz des Geldes in jedem Individuum verwurzelt ist.

Termine: 22. April 2018, 19.00 Uhr | 25. & 28. April, 19:30 Uhr
Tickets: noch keine Infos

Volkstheater

6. Das ferne Land

© Gabriela Neeb

Allein das provokante Poster des neuen Stücks „Das ferne Land“ im Volkstheater lässt uns schon neugierig werden. Viel kam über die neue Inszenierung noch nicht raus, aber Jean-Luc Lagarce Stück sorgte bereits im Théâtre de la Ville in Paris und beim Festival d’Avignon für großes Aufsehen. Er wird sterben, an Aids. Viel Zeit bleibet dem knapp vierzig jährigen Louis nicht mehr. Er reist zurück in die Provinz zu seiner Familie um ihnen die Nachricht mitzuteilen. Dabei kehren Stimmen der Vergangenheit zurück, Leidenschaften kommen und gehen, Abgründe tun sich auf und verschwinden wieder. Die Rückkehr von Louis ist wie ein Knall für alle Beteiligten, zeigt nicht gelebte Leben und ungelöste Rätsel. Eine Hymne an das Leben. Somit reingehen, offen sein und überraschen lassen.

Termine: 14. & 18. März 2018, 19.30 Uhr | 06. & 25. April 2018, 19.30 Uhr | 06. Mai 2018, 19.30 Uhr
Tickets: 14 bis 34 Euro

7. Mein Kampf

Mein Kampf Volkstheater München
© Arno Declair

Mal wieder ein Stück über die NS-Zeit, mal wieder Hitler... Nein, denn in George Taboris Stück „Mein Kampf“ steht gerade eines der bizarrsten Paare der Literaturgeschichte auf der Bühne des Volkstheaters. In der Männer-WG in Wien trifft der junge Möchtegernkünstler Adolf Hitler auf den Buchhändler Schlomo Herzl. Dieser nimmt den Rüpel unter seine Fittiche, bringt ihm Manieren bei und wird zu seinem Mentor und Lehrer. Dabei erschafft der Bilderbuchjude ein Monster, dessen Boshaftigkeit immer mehr ans Licht kommt und dagegen selbst die größte Nachsicht und Liebe irgendwann nicht mehr ausreicht. Ein Stück zwischen Farce und bitterlichem Ernst.

Termine: 15., 26. & 31. März 2018, 19.30 Uhr | 04., 07. & 22. April 2018, 19.30 Uhr
Tickets: 13 bis 31 Euro

Kammerspiele

8. Juliet & Romeo

Juliet & Romeo Kammerspiele
© Orpheas Emirzas

Erst im MoMA in New York, dann im Barbican Centre in London und schließlich in den München Kammerspielen. Die neue Inszenierung von Shakespeares „Romeo und Julia“ durch Choreograph Trajal Harrell verzaubert nicht erst das Münchner Publikum. Das Tanzstück „Juliet & Romeo“ folgt dabei nicht der klassischen Tragödie, sondern konzentriert sich darauf was am Ende passiert, zwischen Tod und Versöhnung. Der Tanz vermittelt Gefühle, zeigt Trauer und Tränen und fügt dadurch niemanden in eine feste Rolle. Die Kammerspiele selbst schreiben dazu „Harrell, ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Unüberschaubarkeit der Welt, gibt dem zeitgenössischen Tanz Schönheit, Glamour und Lässigkeit zurück. Theater? Realness!“

Termine: 01. & 02. April 2018, 19.00 Uhr
Tickets: 25 Euro

9. No Sex

Kammerspiele München
© Kammerspiele

Eine Karaoke Bar. Liebeslieder. Aber keine Berührung. Zumindest nicht körperlich. Die dritte Inszenierung von Regisseur Toshiki Okada nach „Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech“ und „Nō Theater“ spiegelt die Einstellung von 50 Prozent der jungen japanischen Bevölkerung wieder, für die Sex keine Rolle mehr spielt. Dabei geht es nicht um geringe Anziehung, sondern um die emotionale Verstrickung, die Sex mit sich bringt. So stellt sich die Frage, ist dieser Zustand ein hervorgebrachter Missstand oder ist es die Angst vor der Realität des intimen Moments, welcher in der virtuellen Welt so viel einfacher erscheint?

P.S.: Alle die „Nō Theater“ noch nicht gesehen haben, für die ist am 18. & 28. März 2018 die letzte Chance das noch nachzuholen.

Termine: 14. & 19. April 2018, 20.00 Uhr
Tickets: 11 bis 44 Euro

Teamtheater Tankstelle

10. 36 Stunden

Teamtheater München
© Ludo Vici

Die Romanze von Agnes und Eugen dauert nur 36 Stunden. Dann verlässt Agnes Eugen für Harry. Der hat nämlich ein Cabriolet. Das Stück, was vom Autor als kritischer Spiegel für die späten 20ger Jahre gedacht war, ist auch fast 100 Jahr später noch keineswegs verstaubt. „36 Stunden“ ist voll mit satirischem Humor, lässt uns jedoch noch ein wenig Hoffnung für die Zukunft. Ein tragisch-komisches Stück über ewige Spießer, wohltätige Heuchler und Gurkensalat. Und es spielt in München!

Termine: 16 & 17. März 2018, 20.00 Uhr
Tickets: 22 Euro, Ermäßigt 15 Euro

Theater Hoch X

11. Beloved!

Theater Hoch X
© Christina Calbari

Kein Theaterstück, stattdessen eine Video-Musik-Performance die euch mitnimmt, in die tiefe mentale, emotionale und physische Vielfalt des menschlichen Wesens. Aber nicht von irgendjemanden, denn die Musik, Bilder und Projektion konfrontieren euch mit eurer eigenen inneren Welt. Die Münchner Medienkünstlerin und Performerin Manuela Hartel beschreibt ihre Intension dahinter als „Interesse an der menschlichen Existenz und der Vielfalt von Kulturen und Mentalitäten“ und dabei sich selbst, als „Beobachterin und Seismograph“ für äußere Einflüsse. Begleitend zum Stück findet die Ausstellungseröffnung mit den Arbeiten von Christine Calbari, der visuellen Entwicklerin und Karikaturistin, in der Galerie Françoise Heitsch, Amalienstraße 19 statt.

Termine: 16 & 17. März 2018, 20.00 Uhr | 18. März 2018, 19.00 Uhr
Tickets: 18 Euro, ermäßigt 10 Euro

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