Fühle die Musik beim white circle im Kunstbau vom Lenbachhaus!

© Lenbachhaus

Im ersten Moment scheint die Entscheidung nach dem Entweder-oder zwischen Auge und Ohr gar keine Berechtigung zu haben. Wir sehen und hören doch gleichzeitig – fast immer. Ton und Bild müssen eine Einheit bilden, denn nichts ist nerviger als ein verzögerter Sound zu einem verfrühten Lippenbekenntnis – oder wenn einer der beiden Sinne gar nicht bedient wird.

Doch in der Kunst loderte der Konflikt Sehen oder Hören bis ins späte 19. Jahrhundert. Heute, am 9. Mai 2018, wird im Kunstbau des Lenbachhauses die Frage nach dem Entweder-oder endgültig mit einem klaren Sowohl-als-auch beantwortet: Die Licht- und Sound-Installation white circle ist gleichzeitig etwas fürs Auge und fürs Ohr. Und definitiv auch etwas für Kopf und Bauch, sowie für deinen Geldbeutel. Denn die Ausstellung im U-Bahn-Untergeschoss ist ganz umsonst!

Auge versus Ohr: raster-noton white circle im Kunstbau des Lenbachhauses
© Lenbachhaus

2016 feierte das Label raster-noton, eine der einflussreichsten künstlerischen Plattformen für elektronische Musik, sein 20-jähriges Bestehen. Seit Beginn arbeiteten die drei Gründungsmitglieder Carsten Nicolai (alva noto), Olaf Bender (byetone) und Frank Bretschneider (Komet) daran, computergeneriertes Sound-Design und digitale Ästhetik zusammenzuführen und zeitgleich eine Licht-, Klang- und Raumerfahrung zu kreieren.

Zum Jubiläum des Labels wurde der white circle konzipiert – ein Paradebeispiel für Synästhesie, also die Kopplung von Seh- und Hörbarem. Fünf speziell für das Werk komponierte Titel laufen rund 45 Minuten über 47 im Kreis angeordnete Lautsprecher im Loop. Das Wort white erhält seine Berechtigung durch die parallel zu den Lautsprechern im Kreis aufgestellten Leuchtstoffröhren – musikalische Impulse lösen den Tanz des Lichts aus.

Soundart – Bildende Kunst und Musik haben ein Date

Die Rampe des Kunstbaus führt genau auf den white circle zu. Der Raum ist dunkel, doch die Elektromusik gibt schnelle oder langsame Impulse und erhellt damit die Röhren – manchmal entlockt der Ton ihnen nur ein schüchternes Aufflackern, dann schlägt der Beat wieder mit aller Kraft und e-Theatralik zu. Während der dramatischen Sound-Momente scheint das Licht einem unsichtbaren Fliehenden nachzujagen.

Entweder erfolgreich gefasst oder ohne Beute und außer Puste wird der Klang wieder ruhiger und leiser und ähnelt im ersten Stück einem zarten elektronischen Glockenspiel. Ein Monitor, der an einer Wandseite des Kreises angebracht ist, zeigt an, welche der fünf Kompositionen gerade gespielt wird. Man kann jederzeit in das Geschehen einsteigen, aber es lohnt sich, dabei zu bleiben und die unterschiedlichen Stücke und deren visuelle Umsetzung von Anfang bis zum Ende zu lauschen und zu betrachten.

Auge versus Ohr: raster-noton white circle im Kunstbau des Lenbachhauses
© Sabrina Hasenbein
Bewegt euch entlang der Röhren, geht die Lautsprecher nacheinander ab, setzt oder legt euch in die Mitte des Kreises.

Bewegt euch entlang der Röhren, geht die Lautsprecher nacheinander ab, setzt oder legt euch in die Mitte des Kreises. Der white circle ist genau das, was er sein soll: ein Körpererlebnis in der Kunst. Und eine Gemeinschaftserfahrung, die durch Bewegung lebt. Der klassische Museumsbesuch und der traditionelle Konzertgang lösen sich mit diesem Projekt auf. Es überschreitet Grenzen und bleibt dem Begriff „contemporary“, mit der Zeit zu gehen, treu.

Dr. Matthias Mühling, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau und Eva Huttenlauch, Kuratorin von white circle, führen damit die Tradition des Lenbachhauses fort – schon in der Geschichte der Gruppe Blauer Reiter war Musik immer Teil der Bildenden Kunst. Bestes Beispiel: Der Gelbe Klang, ein experimentelles Theaterstück von Wassily Kandinsky.

Auge versus Ohr: raster-noton white circle im Kunstbau des Lenbachhauses
© Sabrina Hasenbein

Olaf Bender selbst beschreibt das Projekt als „technisches Set-Up, auf dem musiziert werden kann“ – prinzipiell könnten also auch andere Künstler gefeatured werden und akustische Töne aus den Lautsprechern erklingen, aber Bender ist der Elektromusik, der klassischen Avantgarde und dem Ostberliner Underground, der Kreativität außerhalb organisierter Elektromusik-Clubs zuließ, stark verbunden.

Eröffnungsparty: Vom Kreis in den Club

Keine Reden, viel Erleben ist das Motto bei der Ausstellungseröffnung im Kunstbau, die am 9. Mai 2018 um 19 Uhr beginnt (Eintritt frei). Ab 22 Uhr geht es im Blitz Club weiter – mit Liveshows und Audiovisual Shows von raster-noton höchstpersönlich. Die DJs Mieko Suzuki und Skee Mask legen ab 2 Uhr auf. Der Eintritt ist bis 24 Uhr frei, danach zahlt ihr 15 Euro.

raster-noton white circle | Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München | Luisenstraße 33, 80333 München | 10. Mai bis 8. Juli 2018 | Dienstag bis Sonntag: 13.00–20.00 Uhr | Eintritt frei | Mehr Infos

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