Wenn jemand fragt, wofür du stehst: Die neue Amore Bar in der Maxvorstadt

Wisst ihr noch damals. Als wir in der Ersten Liga durchgedreht sind, im Atomic geknutscht und den Verlust vom Kong betrauert haben? Die einen werden jetzt wehmütig seufzen, die anderen werden denken: Wovon spricht diese Frau? Zurecht, denn diese Läden sind Geschichte. Irgendwie hatten sie alle ein Ablaufdatum und trotzdem – oder gerade deswegen? – haben sie unsere Abende geprägt und uns durch die Nächte dirigiert.

Und während wir manchmal trübsinnig zurückschauen, übersehen wir, dass es solche Läden immer wieder gibt und eigentlich nie eine echte Flaute herrscht. Denn wir trinken und tanzen im Cucurucu, stolpern frühmorgens aus dem Bahnwärter Thiel und so Läden wie die Gruam lassen uns sowieso nie im Stich. Nun gibt es einen neuen Laden, der ganz gut reinpassen könnte in diese Liste der Bars und Clubs, die wir schon vermissen, bevor wir sie überhaupt erlebt haben – die Amore Bar in der Adalbertstraße. Und was sollen wir sagen? Wir sehen das Potenzial und die Sache mit dem Ablaufdatum steht auch schon fest, denn den Laden wird es wohl für ziemlich genau zwei Jahre geben.

© Nina Vogl
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Aber von vorne: Wir haben das Eckgebäude an der Türken- und Adalbertstraße ehrlich gesagt schon so lange im Blick, dass wir eigentlich nicht mehr daran geglaubt haben, dass dort noch mal etwas passiert. Läden sind ausgezogen, die meisten Wohnungen schon länger verwaist und alles sah nach baldigem Abriss aus. Doch im Mai zog Julius Brantner mit seiner Wahnsinns-Bäckerei ein und plötzlich war da wieder ein Funken Hoffnung.

Das Konzept: Es gibt Drinks!

Gutes Timing hat dann auch Gastronomin Lissie Kaiser bewiesen, die zuletzt gemeinsam mit Michi Kern das Lovelace erfunden und betrieben hat und außerdem bis Mai noch Inhaberin des Lost Weekend war. Im Herbst steht mit der Reithalle, die ab dann Utopia heißen wird, zwar schon das nächste Großprojekt in den Startlöchern, aber hey: Die Chance war plötzlich da. Das Konzept der Amore Bar ist simpel: Geöffnet ist von Donnerstag bis Samstag und es gibt Drinks. Ähnlich wie im Lost Weekend soll Schritt für Schritt ein buntes kulturelles Programm Einzug halten: Lesungen, Diskussionsrunden, Ausstellungen, Spiel & Spaß – Hauptsache vielfältig.

© Nina Vogl
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Alles andere wird sich entwickeln. Renoviert wurde im Schnellverfahren, die Bar und Bänke bestehen aus Spanplatten, die Wände leuchten in dunkelblau. Den perfekten Kontrast bilden die knallgelben Stühle und Barhocker. Die raffinierten Neonröhren der Wiener Künstlerin Raphaela Riepl, das dunkle Parkett und die organischen Figuren vom Münchner Künstler Gabe, die irgendwo zwischen griechischer Sage, Jugendstil und Softporno rangieren, sorgen dafür, dass es sich nicht zu sehr nach Provisorium anfühlt. Die Einrichtung sagt sozusagen: Hallo, wir sind da, wir sind cool, fühlt euch wohl, aber in zwei Jahren sind wir auch wieder weg!

Dancefloor trifft Hinterhof-Perle

Wirklich spannend wird es aber im hinteren Bereich, denn dort ist Platz. Ziemlich viel sogar und wenn etwas ganz laut "Dancefloor!" schreit, dann der Parkettboden hinter der Bar. Und als hätten wir drinnen trotz spärlicher Einrichtung nicht schon genug Fotomotive, staunen wir, als wir den Hinterhof betreten. Wände, von denen der Putz bröckelt, bunte Wimpelketten und schon macht der gemeine Münchner große Augen. Hier hinten merkt man dann auch, dass das Haus eigentlich in desolatem Zustand ist und die meisten Wohnungen leer stehen. In Zeiten von Wohnungsnot sollte man Bauchschmerzen bekommen, aber heimlich denken wir uns: Geil. Sowas gibt es noch!

© Nina Vogl
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Alles da, was man braucht – nicht mehr, nicht weniger

So viel zum Laden, so viel zum Haus. Natürlich gibt es hier auch Drinks, wobei die Karte perfekt zur Einrichtung passt: Alles da, was man braucht – nicht mehr und nicht weniger. Bier, Longdrinks, Wein, Aperitivi, basta. Denn mal ehrlich, die Zutaten für gute Abende und wilde Nächte, über die wir noch Jahre später sprechen, haben selten etwas mit fancy Tonics und hausgemachter Rosmarinreduktion im Gin zu tun.

Eröffnung feiert die Amore Bar übrigens vom 17. bis 19. Oktober 2019. Los geht's am Donnerstag ab 20 Uhr, ab Freitag startet der Betrieb wie geplant ab 18 Uhr. Wir sind gespannt, wohin die Reise geht mit der Amore Bar. Wir glauben, es wird cool. Hoffentlich nicht zu cool!

Mit wem gehst du hin // den Kommiliton*innen und den skeptischen Besuchern aus Berlin.

Preise // Tilmans Helles 0,5l 4,50 Euro, Estrella 0,33l 3,50 Euro, Wein 0,2l ab 5,50, Longdrinks 8 bis 10 Euro, Aperitiv ab 6,50 Euro.

Für Fans vom // Lovelace & Lost Weekend.

Amore Bar | Adalbertstraße 23, 80799 München | Donnerstag – Samstag: 18.00–03.00 Uhr | Mehr Info

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