Galerie-Café Käthe: Den Tag vertrödeln bei veganem Kuchen

© Miriam Worek

”So was gibt es noch in München?” Meine Freundin schaut mich verblüfft an. Ja, gibt es. Zum Glück! Hier in der Gebsattelstraße 34, etwas versteckt nahe dem Regerplatz in der Oberen Au, an einem eher unbekannten Flecken Münchens: dem Zita-Zehner-Platz.

Damals: eine der ersten Kaffeeröstereien Münchens

Name und Logo des Café Käthe erinnern an eine starke Frau: Käthe (Katharina) Arnold. Diese Dame stand bis an ihr Lebensende hinter dem hölzernen Tresen und versorgte die Bewohner*innen der Hoch-Au mit allem Nötigen: von der Nestle Kondensmilch (68 Pfennig), über gekochte Eier (18 Pfennig) bis zum Frotteehandtuch (3,35 Mark).

Noch heute erinnern sich einige Stammkund*innen daran, wie sie hier ihre gesparten 10 Pfennig in Bonbons investierten. Lebensmittel und Kaffeerösterei Arnold eröffnete 1919, als eine der ersten Kaffeeröstereien Münchens. Käthe Arnold führte ihren Tante Emma Laden bereits in zweiter Generation, und das über 40 Jahre.

Galerie-Café Käthe: Den Tag vertrödeln bei veganem Kuchen
© Miriam Worek
Galerie-Café Käthe: Den Tag vertrödeln bei veganem Kuchen
© Miriam Worek

Heute steht eine andere Frau hinter der hölzernen Theke aus den 30er Jahren: Vera von Rimscha, studierte Literaturwissenschaftlerin. Käthe Arnold – Gott hab sie selig – hängt (nur noch) an der großen Wand am Ende des Raumes und schaut Vera dabei zu, wie sie frischgemahlenen Kaffee durch die Maschine laufen lässt und Kuchenstücke auf die schönen kleinen Teller lädt.

Anlässlich des elfjährigen Café Käthe Jubiläums hat der Hauseigentümer seine gesammelten Erinnerungen an die Ära Käthe Arnold als kleine Ausstellung zur Verfügung gestellt: Alte Zeitungsartikel, Flyer, Fotos und geschnörkelte Preisschilder zeigen, wie es hier früher aussah.

Heute: ein Wohnzimmer für die Nachbarschaft

Die Ära Galerie-Café Käthe begann im Jahr 2008. Mehr durch Zufall bekam Vera die Chance, das ehemalige Lebensmittelgeschäft zu übernehmen, um es in das Galerie-Café Käthe zu verwandeln. Der Vermieter stellte als einzige Bedingung, dass die maßangerfertigten Holzeinbauten drinnen bleiben müssen. Vera renovierte, legte die wunderschöne Deckenmalerei frei, besorgte und polierte besondere Möbelstücke vom Flohmarkt, füllte die unzähligen Regale und Schubladen mit Tee, Literatur und Musik und kreierte so einen ganz eigenen Flair.

Was mit einer Handvoll Kaffeetassen begann, wurde schnell zum Wohnzimmer für die gesamte Nachbarschaft. So wird sofort spürbar, dass hier alles gewachsen und nicht gewollt ist – eine Wohltat angesichts der zahlreichen bis zum letzten Zentimeter durchkonzeptionierten Cafés in München.

Galerie-Café Käthe: Den Tag vertrödeln bei veganem Kuchen
© Miriam Worek
Galerie-Café Käthe: Den Tag vertrödeln bei veganem Kuchen
© Miriam Worek

Den Tag vertrödeln bei Jazz und ohne WLAN

Ein Wohnzimmer, das es fast schwer macht, hier nicht den ganzen Tag zu vertrödeln und mit dem Mobiliar in Würde zu altern. Ewig könnte man zum Rhythmus der leisen Jazzmusik in den Zeitschriften blättern, der Laufkundschaft bei der Kuchenauswahl zuschauen und den Gesprächen an der Theke lauschen.

Besonders entschleunigend: Es gibt kein WLAN. So kommt man gar nicht groß auf die Idee zu arbeiten und versinkt stattdessen bequem im Mobiliar. Das mit der Gemütlichkeit geht gar so weit, dass Stammgäste ihr edles Lieblingssofa vorbeibringen, um es in ihr zweites "Wohnzimmer" auszulagern.

Essen im Käthe – glutenfrei, vegan, nußfrei oder laktosefrei

Doch es ist nicht nur Interieur und Atmosphäre, was das Café Käthe so besonders macht. Den Großteil der Backwaren bezieht Vera vom K.O.Back-Kollektiv aus Schwabing, einem Bio-Bäcker, der schon Bio-Dinkel-Croissants knetete, bevor sie hipp waren. Super lecker!

Den anderen Teil produziert sie selbst. Da Vera unter Zöliakie (chronischer Glutenunverträglichkeit) leidet, kommt hier jede Unverträglichkeit bei Kuchen und Mittagstisch auf ihre Kosten: Die Auswahl ist glutenfrei, vegan, nußfrei oder laktosefrei. Es finden sich aber auch Tramezzini, Frühstücks-Eier und belegte Brote auf der Karte. Ganz nach dem Motto, alles kann – niemand muss.

Galerie-Café Käthe: Den Tag vertrödeln bei veganem Kuchen
© Miriam Worek
Galerie-Café Käthe: Den Tag vertrödeln bei veganem Kuchen
© Miriam Worek

Der Kaffee hat eine schöne Créme und kommt aus der Kaffeerösterei Vits in der Rumfordstraße. Koffeinfrei stehen zur Auswahl: Chai Latte, Pucca Tee, Bio-Zisch, hausgemachte Limonade und vieles mehr. Sogar bunte süße Schlangen gibt’s zu kaufen – wie damals bei Oma Käthe.

So trifft sich hier wirklich ganz München: Von Haidhausen-Mami (es gibt eine extra Kinderfensterbank mit Spielzeug), über eine alternative intellektuelle Szene bis zum Otto-Normal-Nachbarn. Ab und an finden hier auch Lesungen und Ausstellungen von Münchner Künstler*innen statt. Und im Sommer lässt es sich auch noch wunderbar draußen sitzen. Fazit: Mensch, ist das schön hier!

Galerie-Café Käthe: Den Tag vertrödeln bei veganem Kuchen
© Miriam Worek
© Miriam Worek

Unbedingt probieren // Amaranth-Schnitte, Heidelbeerkuchen und natürlich den Kaffee!

Vegetarisch // Eigentlich alles. Dazu gibt es Kuchen und Gerichte für alle nur denkbaren Unverträglichkeiten – nussfrei, laktosefrei, glutenfrei etc.

Mit wem gehst du hin // Mit Freund*innen, Eltern, Kindern oder auch einfach alleine. Hier fühlt sich jede*r wohl.

Für Fans vom // Café Solino oder Marais!

Preise // Kuchen zwischen 2,90 und 3,30 Euro, Frühstück ab 3 Euro, Quiche ab 4 Euro, Suppe ab 5,50 Euro, Cappuccino 3,10 Euro.

Besonderheit des Ladens // Die Atmosphäre, das Interieur und die Kuchenauswahl!

Galerie Café Käthe | Gebsattelstraße 34, 81541 München Hoch-Au | Donnerstag und Freitag: 08.00–19.00 Uhr, Samstag und Sonntag: 09.00–19.00 Uhr | Mehr Infos

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