The Flushing Meadows Camp: Bauernhaus Pop-up mit Bergpanorama

© Nina Vogl

„Und dann haben die Leute schon geschaut, als wir die Fensterläden knallrot und -blau gestrichen haben. Als sie dann noch die Plattform mit der Außendusche mitten in der Wiese gesehen haben, dachten sie, hier passiert jetzt sonst was.“ Steffen Werner redet flott als er uns sein neuestes „Projekt“ zeigt, das er und seine Partner Niels Jäger und Sascha Arnold ganz frisch gestartet haben. Das Trio ist in München nicht unbekannt. Wir sagen nur: Ed Moses, Bob Beamen, James T. Hunt, The Flushing Meadows.

Und nun eben ein altes Bauernhaus in Krün zwischen Garmisch und Mittenwald. „Café Einkehr“ steht auf der Rückseite in überdimensionaler Frakturschrift, drumherum ungemähte Blumenwiesen und ein Panorama, bei dem es uns die Schuhe auszieht – Estergebirge, Zugpitzmassiv, Wettersteingebirge, Karwendel. Sozusagen das Who is Who der Bayerischen Voralpen.

Stadt trifft Land

Wer vorher noch nicht hier war, erkennt den Unterschied vielleicht nicht auf den ersten Blick. Doch die knalligen Fensterläden, die bunt gestrichenen Türrahmen und die farbenfrohe „The Flushing Meadows“ Fahne, die leicht im Wind flattert, ziehen dann doch die neugierigen Blicke der Wander*innen und Radler*innen auf sich, die immer wieder an dem „prominent“ gelegenen Grundstück vorbeikommen. Gut für uns, denn wir erkennen das Haus schon von weitem, als wir auf dem Weg vom Bahnhof auf unseren Rädern Ausschau halten.

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Bis vor kurzem hieß das Lokal noch Maximilianshof – nun steht auf dem kleinen Schild am Parkplatz „The Flushing Meadows Camp“. Steffen ist hier jahrelang auf seinen Langlauf-Touren vorbeigekommen und eingekehrt. Als das Objekt plötzlich leer stand, ergriffen er und seine Partner die Chance. Passend zur Landsehnsucht, die den gemeinen Münchner jenseits der 30 in regelmäßigen Schüben überkommt, ist der Landsitz für Niels, Steffen und Sascha vielleicht nur die logische Konsequenz.

Was nach diversen Bars, Clubs und einem Hotel mitten in der Stadt nach Entschleunigung klingt, bringt allerdings ganz neue Herausforderungen mit sich: Zum Beispiel die kritischen Blicke auf die Veränderungen, die das Münchner Trio samt Team jetzt hierherbringt. Da genügen dann schon ein paar bunte Farbakzente und eine Speisekarte, die dem designaffinen Auge schmeichelt.

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Rein inhaltlich ist das Projekt aber schnell erzählt: Eine Einkehr mit Café, das Wander-, Radler- und Spaziergänger*innen mit kühlen Getränken, wirklich gutem Cappuccino, Kuchen und kleinen Brotzeiten versorgt. Ein Ort, an dem man wie in vielen anderen ländlichen Gastronomien mit Blick auf die Berge unter Sonnenschirmen sitzt und das Leben, die Luft und den Ausblick genießt. Wer will, sitzt nicht auf den üblichen Gastgarten-Garnituren, sondern stylischen Gartenmöbeln oder doch gleich in einem der raren, aber saugemütlichen Hängematten-Sitzen. Dazu kommen ein paar Gästezimmer für alle, die die Ruhe, den Ausblick und den Vibe der Umgebung für mehrere Tage genießen wollen.

Pop-up mitten in der schönsten Pampa

Fast trauen wir es uns nicht zu schreiben, aber das ländliche Flushing Meadows Projekt fährt wie so vieles unter der fast schon obligatorischen Pop-up-Fahne. Was es für Bars, Dachterrassen, Shops und Restaurants gibt, funktioniert wohl auch für Hotels. Abgesehen von der abgegriffenen Bezeichnung macht es in diesem Fall aber auf jeden Fall Sinn, denn die Betreiber haben noch einiges mit dem Objekt vor. Dafür braucht es aber ordentlich Planung und bevor es wirklich konkret werden kann mit einer umfangreichen Sanierung, werden noch gut zwei Jahre vergehen. Wäre also schade drum, das Haus ungenutzt zu lassen und so wurden eben nötige Reparaturen im Eiltempo umgesetzt und die alten Zimmer so weit es geht aufgehübscht. Hier treffen nun neue Betten auf alte Holzschränke und der knallblaue Teppichboden kontrastiert den dunklen Holzbalkon.

© Nina Vogl
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Bei unserem Besuch ist es ruhig im Haus, das Flushing Meadows Camp ist in den letzten Zügen des Pre-Openings. Für uns fühlt sich das Haus an wie eine gelungene Mischung aus privatem Hotel mit Rückzugsmöglichkeit ins eigene Zimmer und dem Charme eines Hüttenwochenendes, bei dem man gerne unten in der zentralen Gaststube sitzt, Kuchen futtert, Weißbier trinkt und mit anderen Gästen ins Gespräch kommt. Draußen gibt es genügend Platz, um sich zu verteilen und wenn die alte Scheune fertig ausgebaut ist, wird es dort Raum für Sport, Yoga und Entspannung geben – nicht zuletzt wegen der geplanten Sauna.

Perfekter Homespot für viele Ausflüge

Und egal, ob man knallblaue Fensterläden geil findet oder nicht: Gegen die Lage des Flushing Meadows Camp kann niemand – also wirklich niemand – etwas sagen. Wir sind uns sicher mit der Zug-Fahrrad-Kombi alles richtig gemacht zu haben. In nicht mal zwei Stunden kommen wir in Klais an und radeln in knapp 15 Minuten bis vor die Haustür. Wer will, kann sich auf Anfrage auch mit dem E-Auto abholen lassen. In unmittelbarer Nähe locken dann Barmsee, Grub- und Geroldsee für schnelle Abkühlung und selbst wenn man erst abends ankommt, ist noch ein Abstecher in die nahegelegene Finzbachklamm drin. Ein bisschen mehr geradelt wird beim Ausflug zum Walchensee oder Sylvensteinspeicher, aber selbst dafür braucht man keine Tour de France-Kondition.

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Und ja, so einen Tag in Krün beginnt man tatsächlich am besten mit einer Runde morgendlicher Abkühlung im Barmsee, der im Sommer mit recht milden Temperaturen lockt. Danach geht’s direkt auf die Sonnenterrasse zum Frühstück, das es vorerst nur auf Bestellung gibt. Statt überladenem Buffet, bekommt jeder Gast einen kleinen Brotkorb mit Brezen, Brot und Croissant, dazu frischen Saft, ein Ei, hausgemachte Marmelade und Brot, Käse, Speck und Honig aus der Region. Andere Wünsche werden nach Absprache aber gerne erfüllt. Danach eröffnet sich die ganze Bandbreite der Ausflugsmöglichkeiten, die das besagte Who is Who der Bayerischen Voralpen so zu bieten hat. Aber Leute, auch kein Problem, wenn ihr euch einfach unter den Sonnenschirm klemmt, den Ausblick genießt und ein bisschen die Entschleunigung zelebriert.

The Flushing Meadows Camp | Otenwanger Weg 4, 82499 Wallgau | Doppelzimmer: 125 Euro | Mehr Info

Unsere Ausflugstipps:

Das The Flushing Meadows Camp ist mit seiner Lage zwischen Garmisch und Mittenwald ein perfekter Ausgangspuntk für unzählige Wanderungen, Radltouren, Spaziergänge und sonstige Bergausflüge. Egal, ob ihr eher Genusswandern, einfach nur baden oder euch doch die fette Bergtour geben wollt: Hier findet ihr auf jeden Fall den passenden Ausflug. Wir wollen euch die Anreise mit dem Zug und dem Rad ans Herz legen, denn das ist erstens viel bequemer als ihr vielleicht denkt und dann seid ihr noch dazu super mobil vor Ort und könnt euch jederzeit auf Entdeckungstour begeben.

1. Sylvensteinspeicher & Einkehr im Gasthof Post

© Nina Vogl

Wer die Isar liebt, kommt an einem Abstecher zum Sylvensteinspeicher nicht vorbei. Knapp 25 Kilometer schönster Landschaft und die volle Isar-Breitseite liegen zwischen dem Flushing Meadows Camp und dem Speichersee. Der Weg führt euch entlang der Mautstraße von Wallgau bis Vorderriß. Unterwegs kommt ihr nicht drumherum einen bis hundert Stopps zu machen, um mit offenen Mündern die wilde und knalltürkise Isar zu bewundern und natürlich ein paar obligatorische Fotos zu machen. Je nach Wochentag ist die Straße stark befahren und kurz hinter Vorderriß warten dann schon ein paar Autokolonnen am Straßenrand. Ein freies und einsames Badeplätzchen direkt am Sylvsensteinspeicher muss man sich dann schon auf eigene Faust suchen oder ihr lasst euch doch eher am Zufluss aka der Isar nieder. Auf jeden Fall ein wichtiger Programmpunkt: Kuchen essen im Gasthof Post, denn die haben eine hauseigene Konditorei und servieren euch mächtige Stücke Käsekuchen – pur, mit Mohn oder Johannisbeeren!

Gasthof Post | Vorderriß 5, 83661 Vorderriss | Dienstag Ruhetag | Mehr Info

2. Eine abendliche Runde durch die Finzbachklamm

Falls eure Anreise auf den frühen Abend fällt und ihr noch Energie für einen kleine Runde habt, dann ist ein Abstecher in die Finzbachklamm genau richtig. Zuerst geht es übers freie Feld, bis euch die Wegweiser in den Wald und damit direkt in die kleine Klamm führen. Nach einem Anstieg auf dem Forstweg geht es auf einem schmalen Pfad am plätschernden Wasser entlang und über kleine Holzstege hinweg. Bei mehr Zeit führt euch der Pfad auch zur Finzalm oder noch weiter hoch zur Krüner Alm. Für die abendliche Runde, die nicht länger als eineinhalb Stunden dauert, solltet ihr aber irgendwann umkehren und auf dem gleichen Weg wieder zurück spazieren.

3. Mit dem Radl nach Jachenau & mit dem SUP über den Walchensee

© Nina Vogl

Wir müssen zugeben, dass wir gar nicht auf dem Schirm hatten, wie nah der Walchensee am The Flushing Meadows Camp liegt. Bis zum nächsten Ufer in Einsiedl sind es gerade mal etwas mehr als acht Kilometer. Da könnt ihr euch natürlich direkt niederlassen oder ihr radelt noch mal so viele Kilometer bis ans östliche Ufer bei Jachenau. Auch hier seid ihr entlang einer Mautstraße direkt am Wasser unterwegs und kommt aus den Aaaahs und Oooohs gar nicht mehr raus. Kurz vor Jachenau gibt es einen kleinen Verleih für Stand Up Paddle Boards mit denen ihr dann noch gemütlich ein Stündchen über den See schippern könnt!

SUP Walchensee | Niedernach 551/2, 83676 Jachenau | Bei schönem Wetter täglich geöffnet | Eine Stunde: 12 Euro, zwei Stunden: 20 Euro | Mehr Info

4. Baden, baden, baden in den umliegenden Seen

© The Gentle Temper

Wir haben schon häufiger vom Geroldsee, dem Barmsee oder dem Grubsee geschwärmt und euch zu einm Badeausflug zu einem dieser drei Seen geraten. Solltet ihr im The Flushing Meadows Camp unterkommen, führt aber wirklich kein Weg mehr dran vorbei. Ob gleich in der Früh auf eine Schwimmrunde im Barmsee oder doch eine Wanderung (oder eher eine "Spazierung") vom Camp zu allen drei Seen. Hier habt ihr immer tolle Aussicht und unzählige Möglichkeiten euch unterwegs abzukühlen. Am kleinen Grubsee wartet sogar ein richtiges Bad mit Wasserrutsche!

Badeparadies Grubsee | Am Barmsee 9, 82494 Krün | täglich 09.00–19.00 Uhr | Mehr Info

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