Indisches Streetfood & viel Liebe zum Detail: Das Madam Chutney in der Altstadt

Na, wer von euch ist über Knoblauch Naan, Chai Tee und Tandoori Chicken sitzend auch schon mal darüber ins Grübeln gekommen, warum auf Speisekarten indischer Restaurants in ganz Deutschland die mehr oder weniger immer gleichen 40 Gerichte auf der Karte stehen? Und das, obwohl in dem neun mal so großen Indien 1,3 Milliarden Menschen leben, unzählige Sprachen gesprochen und doch sicher mehr als 40 Gerichte gekocht werden.

It‘s time to face reality, kids: Selbst wer nichts über einen gepflegten Mango Lassi kommen lässt und regelmäßig beim Inder ums Ecke einbiegt, konnte bisher wohl erst einen Bruchteil der Kulinarik kosten, die Indien tatsächlich zu bieten hat. Wer wirklich vielfältige indische Küche essen wollte, ist bis vor Kurzem regelmäßig ins versteckte Madam Chutney an der Alten Heide gepilgert. Jetzt ist das Madam Chutney umgezogen und aus einem kleinen Wohnzimmer-Lokal ist ein schöner und großer Indian-Soulfood-Tempel geworden – und das mitten in der Altstadt!

Madame Chutney Indisches Restaurant
© Julia Sturm
Madame Chutney Indisches Restaurant
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Authentisches Soulfood, das einen direkt nach Delhi katapultiert

Madame Chutney in Persona ist Prateek, die vor vier Jahren nach München gekommen ist. Die Betreiberin und Gründerin des Madam Chutney könnte nicht mehr Ruhe und Power zugleich ausstrahlen. Ziemlich schnell hat sie die ganz typischen, populären Gerichte aus Delhi vermisst, musste aber feststellen, dass sie manche Klassiker wie Keema Pav hier auf Speisekarten indischer Lokale einfach nicht finden konnte. Und weil Prateek, ganz der Familientradition entsprechend, eine hervorragende Köchin ist, begann sie in der kleinen Garage damit anderen neugierigen Gaumen in München eine Freude zu machen.

Streetfood von der Straße in feste Lokale zu holen ist mittlerweile Trend. Doch selten findet er sich in derart stilvollen und zauberhaften Räumen wie die des Madam Chutney wieder. Schon das Holztor, das sich imposant zwischen die Cafés der Frauenstraße einschmiegt, lässt Großes erwarten. Ein paar Stufen hinab im Lichte eines Kronleuchters und eine kleine Orientierungsphase in halbhellen Gängen später, findet man sich in einem großen, lichtdurchfluteten Raum wieder.

Madame Chutney Indisches Restaurant
© Julia Sturm
Madame Chutney Indisches Restaurant
© Julia Sturm
Madame Chutney Indisches Restaurant
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Hier fühlt man sich so gar nicht wie in einem Restaurant gewordenen Bollywood-Traum, sondern einfach nur wohl.

Wer bisher dachte, dass Lassi, roter Samt und Goldquasten nicht unabhängig voneinander existieren können, wird vom stilsicheren Hauptraum des Lokals ganz angenehm überrascht. Hier fühlt man sich so gar nicht wie in einem Restaurant gewordenen Bollywood-Traum, sondern einfach nur wohl. Dunkles Holz, ein Flügel und eine Kaminecke werden erleuchtet von ungefähr hunderttausend Glühbirnen im Industrial Style. Das gibt dem Madam Chutney den Charme moderner Interpretationen von gemütlichen, gehobenen Kaffeehäusern.

Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich das Madam Chutney optisch als indisch, nämlich dann, wenn man die unzähligen gerahmten Bilder, die leise und spannend Geschichten vom echten Indien erzählen, erblickt. Dort hängen Vintage Werbeplakate, von denen gold-bunt gekleidete Magier lächeln oder Retro-Elefanten für Air India werben und Schwarzweißfotografien vergangener Tagen auf Delhis Straßen.

Madame Chutney Indisches Restaurant
© Julia Sturm
Madame Chutney Indisches Restaurant
© Julia Sturm

Inspirieren ließ sich Prateek von der Tradition der alten, typischen Straßenimbisse in Delhi: vom nostalgischen Charme der Halwais und Dhabawaalas, die Menschen in allen Lebenslagen willkommen heißen und verbinden – erzählt uns die englische Speisekarte. Die ist zwar mit Rücksicht auf die Qualität überschaubar gehalten, hat aber zu jedem Gericht eine kleine Geschichte parat. Und zu wissen, dass das Pav Bhaji Maska vor einem auf dem Teller, schon um 1850 von Mühlenarbeitern in Mumbai zu Mittag verzehrt wurde, würzt ein Gericht im Madame Chutney mit einer extra Prise Abenteuer. Und macht es zu dem wohl außergewöhnlichsten, authentischsten und vielleicht sogar besten indischen Essen der Stadt!

Authentische und traditionelle Gerichte, gewürzt mit einer Prise Abenteuer

Prateek und ihr Team kochen ohne Geschmacksverstärker und Fabstoffmittel. Stattdessen mit frischen Zutaten, die sie möglichst von kleinen, regionalen Betrieben beziehen. Alle Currys im Madam Chutney werden auf ihrer eigenen Basis gekocht und alle Gewürze eigenhändig zusammengemischt. Prateek bereitet ihre Gerichte auf dieselbe liebvolle, aufwendige und zeitintensive Art zu, wie ihre indische Familie sie kochen würde. So viel Liebe zum Detail, Genauigkeit, Tüftelei und Können schmeckt man einfach raus. Jeder, der schon mal in die mittlerweile stadtbekannten Kathi Rolls gebissen hat, weiß wovon wir sprechen.

Ein Must-Try sind auf jeden Fall Prateeks Samosas. Wer etwas Neues ausprobieren möchte, sollte Golgappe Purani Dilli ordern, Kichererbsen-Puffer in der Form hohler Bällchen, die man erst füllt und dippt bevor man sie isst. Das butterweiche Lamm im Keema Pav, ist nichts, was Fleischesser verpassen sollten. Und auch mindestens eine Kathi Roll sollte unbedingt den Weg auf eure Teller finden.

Madame Chutney Indisches Restaurant
© Julia Sturm
Madame Chutney Indisches Restaurant
© Julia Sturm

Zum Schluss lohnt sich nochmal ein gründlicher Blick auf die Rückseite der Karte. Spannende, indisch angehauchte Cocktail- und Aperitif-Kreationen wie Mango Lassi mit Rum und Fenchel und Negroni mit Safran- oder Kardamom infusionierten Gin gönnt ihr euch am besten im an den Hauptraum angeschlossenen Barbereich und den dazugehörigen Motto-Räumen im Badezimmer- oder Wohnzimmer-Style.

Curry, Safran Gin & Mango Lassi mit Rum vor dem Kamin

Richtig, die Bar-Geeks unter euch haben es wahrscheinlich schon bemerkt: Das Madam Chutney ist da eingezogen, wo vorher das Master's Home war. Eine eher schickere Bar, bekannt für Steinofenpizza und Räume, die der Inneneinrichtung eines Landhauses gleichen – und der wir angesichts des wunderbaren Madam Chutney so gar nicht hinterher trauern. Das Restaurant ist eine wirkliche Bereicherung für Münchens Food-Szene. Ein wundervoller Ort zum Schmecken und Entdecken (und Teller Ablecken, wobei das Madam Chutney jetzt eigentlich ein bisschen zu schick dafür geworden ist). Für den Sommer freuen wir uns dann übrigens auch noch auf zwei Terrassen links und rechts des Hauptraums, mit Hinterhof-Charme. Große Empfehlung!

Unbedingt probieren // Samosas, Paharganj Ka Chana Bhatura, alle Kathi Rolls.

Vegetarisch // Ungefähr die Hälfte der ganzen Karte ist vegetarisch, einige Gerichte sind vegan. Als Vorspeise empfehlen wir zum Beispiel Bobi Manchurian, knusprig gebackener Blumenkohl, als Hauptgang Chana Masala oder Bangin' Baingan Bhartha.

Mit wem gehst du hin // Mit den Freund*innen, die seit ihrem Indien-Urlaub nicht mehr aufhören zu schwärmen, mit dem Date zum Cocktails schlürfen und Curry teilen – eigentlich mit allen, mit denen ihr einen besonders netten Abend haben wollt.

Für Fans vom // Electric Elephant, Indian Sun.

Preise // Natürlich sind die Preise nicht mehr ganz die aus der Alten Heide. Samosas 6,80 Euro, Kathi Rolls von 11,50 bis 12,90 Euro, Currys gibt's ab 13,90 Euro.

Besonderheit des Ladens // Indische Spezialitäten, die in München sonst schwer zu finden sind, herausragende Qualität und ganz viel Liebe zum Detail.

Madam Chutney | Frauenstraße 11, 80469 München | Montag bis Freitag: 11.30–14.30 Uhr und 17.30–22.30 Uhr, Samstag: 11.30–22.30 Uhr, Sonntag: 11.30–14.30 Uhr | Mehr Info

Wir wurden vom Restaurant eingeladen. Das beeinflusst aber nicht unsere ehrliche Meinung.

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