Wildkräuter, Wein & Wiener Schnitzel: Alles hausgemacht im Süßmund

Ich bin selten die Stimme der Vernunft. Aber wenn am bierseligen WG-Tisch mal wieder der Traum von der eigenen Gastronomie zur Sprache kommt, dann bin ich diejenige, die sofort ihre lange Liste an Gegenargumenten runterbetet und mit ihrem Realismus die Stimmung killt. Nun ist es aber so, dass ich einen Laden für mich entdeckt habe, den ich nicht nur in Zukunft gerne regelmäßig besuchen möchte, sondern bei dem ich sagen muss: Ich wäre gern Teil davon – nicht nur als Gast. Im Süßmund im Glockenbach gibt es nämlich so viele Pros, dass meine Contra-Argumente chancenlos dastehen.

Das kleine Lokal in der Westermühlstraße gibt es bereits seit sechs Jahren und ja, man sollte Google-Bewertungen nicht als Maß aller Dinge sehen, aber der ehrlichen Freude, die man hier rausliest, können wir uns nur anschließen. Das Süßmund ist klein und erinnert uns mit dem Frucade-Schild an der Wand, den altbackenen Porzellanlampen, der nostalgischen Zapfanlage und der insgesamt ziemlich gekonnt zusammengewürfelten Einrichtung ein wenig an ein typisches Wiener Beisl – bloß mit bayerischem Bier und freundlichem Service. Wie viel Ironie hinter den kitschig bestickten Kissen steckt, fragen wir uns allerdings noch immer.

© Nina Vogl
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Kaltes Bier im Tonkrug als Allheilmittel gegen die Hektik des Tages

Den Abend beginnt man am allerbesten mit einem Bier. Das Wildbräu aus Grafing kommt frisch gezapft im gekühlten Tonkrug daher und wenn bis eben noch die Hektik vom Tag die Laune bestimmt hat, ändert sich das nun schlagartig. Wer dem Bier nicht zugeneigt ist, der bestellt einen der hauseigenen Aperitifs – zum Beispiel Fräulein Süßmund mit selbst angesetztem Himbeervodka und Rosésekt oder den Gipfelspritz mit Wermut, Bergbrause und Zitrone.

Die Auswahl der Speisen fällt dann schwerer als gedacht. Die Karte ist mit fünf Vorspeisen und fünf Hauptspeisen nämlich wunderbar übersichtlich und inhaltlich definitiv im umliegenden Alpenraum daheim. Wiener Schnitzel steht immer drauf, ansonsten gibt es da mal Maronensuppe und Schinkenfleckerl, mal Käferbohnensalat mit Kernöl (die Steirer grüßen), Fleischpflanzerl, Krustenbraten, Kaspressknödel oder doch Burrata auf Linsensalat und Rote-Bete-Carpaccio.

© Nina Vogl
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Schnitzi wie bei Mama

Und tja, was sollen wir sagen. Während wir ähnliche Gerichte regelmäßig auf jeder x-beliebigen Skihütte bestellen und mit wenig Anspruch entgegen nehmen, bekommt ihr im Süßmund den Idealtypus dieser Speisen serviert. Das Schnitzi sorgt auf jeden Fall dafür, dass ich Flashbacks in meine Wiener Kindheit bekomme. Zwei fein geklopfte Stücke Kalbsfleisch liegen da auf dem Teller. Drumherum eine echte "ansa Panier", die knuspert, sich in Wellen vom Fleisch abhebt und nicht vor Fett trieft. Dazu Erdäpfel-Salat mit Gurken, wie die Mama ihn nicht besser macht (Sorry, Mama).

Die Burrata mit dem Linsensalat macht uns mindestens genau so glücklich und wer in Weinstimmung ist – also das Getränk, ganz so emotional wird's dann doch nicht – der sollte sich dazu einen der regionalen Tropfen empfehlen lassen oder einen Blick in die mit Abstand lässigste Weinkarte werfen, die wir je gesehen haben. Handschriftlich sind hier Name, Herkunft, Jahrgang und Infos zum Geschmack vermerkt. Wir verlieben uns ein bisschen in den Voodoo Jürgens Wein – ein Grüner Veltliner aus dem Burgenland, der in der traditionellen Doppler Flasche (zwei Liter!) abgefüllt wird, die es so kaum noch zu finden gibt.

© Nina Vogl
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Gemüse vom Mietacker und Schwammerl aus dem Keller

Wer es nicht schon beim Essen gemerkt hat, erkennt spätestens bei den Weinen, das sich die Süßmunds einige Gedanken um ihre Produkte machen. Wenn man allerdings nicht fragt, erfährt man nicht, dass sie einen großen Teil des Gemüses auf dem eigenen Mietacker im Süden Münchens anbauen. Oder dass die Schwammerl auf dem Teller ebenso selbst gezogen sind wie die Kräuter. Oder dass jeden Tag genau ein Brot selbst gebacken wird, das für den Abend langen muss. All das erfährt man nicht, weil es für das Team selbstverständlich ist.

Und all das – der Geschmack, die Vibes, die Philosophie, die nicht als solche verkauft wird – sind für mich die Gründe, warum ich all meine Zweifel über Bord werfen würde, nur um mitzumachen im Süßmund. Wobei, vielleicht doch lieber das Wildbräu reinschütten und einen leiwanden Abend haben.

© Nina Vogl

Unbedingt probieren // Wiener Schnitzel mit einem kalten Wildbräu und das Leben ist gut!

Vegetarisch // Jede Woche stehen ein Risotto, eine Pasta und zum Beispiel Knödel oder Kasspatzen auf der Karte, die häufig Veggie sind. Gleiches gilt für die Vorspeisen.

Mit wem gehst du hin // Tolles Lokal für den Elternbesuch oder die Freunde, die glauben, schon alles zu kennen!

Preise // Vosrspeisen etwa 7 bis 12 Euro, Hauptspeisen etwa 12 bis 20 Euro, Wiener Schnitzel 21,50 Euro

Besonderheit des Ladens // Eigenes Gemüse, selbstgezüchtete Pilze und ein entspannter Flair, den man so in der Westermühlstraße nicht erwartet.

Süßmund | Westermühlstraße 13, 80469 München | Dienstag – Samstag: 17.00–24.00 Uhr | Mehr Info

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