11 Fragen an das Sex-Kollektiv "Consent Calling"

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Sex ist ein großes Thema. Bei den anderen mehr, bei den anderen weniger. Aber er ist immer präsent. Doch trotzdem geben wir ihm nicht den Raum in der Gesellschaft, den er verdient hätte und der sinnvoll wäre, um ihn zu einem "daily thing" zu machen. Denn dazu gehört genauso die Aufklärung. Noch liegen zu viele Tabus auf den Themen rund um Orgasmen, Sex Toys und das, was sich so supersüß "Liebe machen" nennt. Obwohl Liebe doch das Schönste überhaupt ist. Auf dem TEDxYOUTH Festival am 26. Juli im Werksviertel ist das Kollektiv Consent Calling deshalb vertreten und geht mit euch in Workshops genauer auf das Thema ein, zeigt Sex Toys und bietet euch einen Safe Space. Wir haben sie davor zum Festival, zu ihrem Kollektiv und zur schönsten Sache der Welt befragt.

1. Welcher "WTF!?" Moment hat euch dazu gebracht, Consent Calling zu starten?

Da gibt es viele! Von der (fehlenden) Aufklärung in der Schule bis hin zu eigenen Besuchen in herkömmlichen Sexshops. Wieso fehlt in dieser Gesellschaft schlichtweg jeglicher Raum, um sich endlich ohne Scham und Normativität mit Sexualität befassen zu können?  

2. Warum sollten sich junge Menschen mit dem Thema Sexualität beschäftigen?

Sexualität ist omnipräsent und dennoch hinterfragen wir die normativen Vorstellungen nicht, die dieser Repräsentation zugrunde liegen. Dadurch bauen sich Erwartungen, Druck und Rollenbilder auf, die uns konstant beeinflussen. Eine wertfreie Auseinandersetzung mit dem Thema ist deshalb enorm schwer. Die Normen zu hinterfragen kann aber ungemein befreiend sein und dazu beitragen, dass wir uns endlich selbstbestimmter ausleben können - gerade wenn wir erst beginnen, uns mit unserer Sexualität zu beschäftigen.

3. Die eine Sache, die jede*r über Sex Toys wissen sollte?

Wir haben ein relativ klares Bild davon im Kopf, wer wann wie Sextoys benutzt – meistens ist das ein Bild einer weiblich gelesenen Person alleine im Bett. Aber wie mit allen Bildern, die wir zu Sexualität im Kopf haben, lohnt es sich, auch dieses zu hinterfragen! Sextoys sind extrem vielseitig und können unser Sexleben auf so unterschiedliche Weise bereichern - auch darüber wollen wir mit euch auf dem TEDxYouth Event ins Gespräch kommen.

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4. Euer #1 Tipp für junge Menschen, die selbst ein Kollektiv gründen wollen?

Traut euch und seid mutig! Probiert euch aus, entfaltet euch und macht die Gesellschaft durch euer Tun ein Stück besser– aber achtet darauf, euch nicht selbst auszubeuten. Nehmt euch genug Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen und gebt euch Raum, um den Umgang mit Ressourcen, Ansprüchen, Zweifeln und Unsicherheiten solidarisch zu reflektieren. 

5. Euer Pitch für mehr ehrenamtliche Tätigkeit unter jungen Menschen?

So blöd es klingt, aber: „Es gibt nichts Gutes – außer man tut es“. Daher befreit euch von dem Gefühl der Ohnmacht und Überforderung, auch wenn das völlig legitime Reaktionen auf den Zustand unserer Welt sind. Aber versucht nicht zu verzweifeln, sondern eure Wut und Energie zu transformieren und euch zu organisieren, euch mit Gleichgesinnten zusammen zu tun und mit kleinen Schritten und kleinen Ideen anzufangen - einfach mal zu machen. Denn jede Veränderungen muss irgendwo starten!

6. Was lässt euch zuversichtlich in die Zukunft blicken?

Wir lernen so viele Menschen kennen, die unsere Visionen teilen. Gerade daraus schöpfen wir Energie, dass richtige Veränderung wirklich möglich ist. Einmal weil wir sehen, was alles möglich sein kann, wenn wir so viele sind und auch weil uns so viel wundervoller Support in unserer Arbeit zuteil wird.

7. Die größte Herausforderung für junge Menschen in Zukunft?

Sich zu entscheiden, welche der globalen Krisen zuerst angegangen werden sollte, sowie trotz so vieler Herausforderungen nicht den Mut und die Hoffnung zu verlieren. Wir dürfen außerdem nicht verlernen, uns zu trauen, wieder Utopien zu entwerfen und alles daran zu setzen, sie in die Realität umzusetzen.

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8. Die größte Chance für junge Menschen in der Zukunft?

Es ist immer leicht, sich auf Errungenschaften der vorherigen Generationen auszuruhen. Nach dem Motto „Es ist doch schon viel erreicht!“. Es wäre aber viel besser, hier den Spieß umzudrehen: „Wir sind so weit gekommen - wieso jetzt aufhören?“ Erwartungen und Rollenbilder immer wieder kritisch zu hinterfragen und patriarchale sowie kapitalistische Unterdrückungsformen zu bekämpfen, bleibt eine enorm wichtige Aufgabe!

9. Was würde München für euch / junge Menschen noch attraktiver machen?

Natürlich einen feministischen Sexshop in dieser Stadt zu haben! Wir brauchen mehr Räume, die die Möglichkeit geben, uns schamfrei über unsere Erfahrungen, Unsicherheiten und Ängste auszutauschen und an denen wir uns gegenseitig empowern können. Davon kann es nie genug geben!

10. Was ist euer Lieblings TED Talk? 

„The Urgency of Intersectionality“ von Kimberlé Crenshaw

11. Was erwartet Interessent*innen bei eurem Workshop auf dem TEDxMünchen Youth Festival?

Wir wollen mit euch ins Gespräch kommen und gemeinsam im Kleinen den Raum schaffen, den wir mit unserem Projekt anstreben. Wir werden unterschiedliche Toys mitbringen, die ihr anschauen und erfühlen könnt; genauso aber einen extra Space haben, an dem wir uns zu einem Gespräch zusammensetzen können. Ein Space, an dem ihr willkommen seid mit all euren Fragen, Erfahrungen, Unsicherheiten und allen anderen Themen sind, die euch beschäftigen. 

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