Münchner Bürostory #6: Das N23 – Der Coworking Club der Visionäre

Wunderbare Fotos von Julian Mittelstädt

Jeden Morgen verlassen wir das Haus und pilgern auf den verschiedensten Wegen an die unterschiedlichsten Orte, die aber eines gemeinsam haben: Sie sind unser Arbeitsplatz und hier verbringen wir einen großen Teil unseres Tages. Aber wie sieht es in den Büros dieser Stadt eigentlich aus und was verbirgt sich hinter den Türen und Fassaden der Münchner Arbeitswelt? Vergesst Homestorys und fröhnt eurem Voyeurismus im sechsten Teil unserer Münchner Bürostorys – im N23 in der Maxvorstadt.

Betritt man die Nordendstraße 23, hat man zuerst das Gefühl in einer WG gelandet zu sein. In einer sehr schönen, sehr aufgeräumten und sehr gemütlichen WG mit netten Menschen. Offene Türen, ein Gemeinschaftsraum mit Sofas und großem Tisch, viele Pflanzen und eine kleine Küche. Tatsächlich verbirgt sich in dem lichtdurchfluteten Loft ein Coworking-Space, in dem Gestalter, Texter, Illustratoren, Programmierer, Journalisten und Fotografen werkeln. Eines haben sie alle gemeinsam – sie möchten sich nicht mit dem Status quo zufrieden geben, sondern gemeinsam an der Zukunft basteln und diese nachhaltig verändern.

Design-Stühle und Mini-Terrasse im N23

Dass hier viele Gestalter und Designer am Werk sind, merkt man sobald man den ersten Blick auf die hellen Möbel und liebevollen Details erhascht. Es reicht nicht, dass ein Stuhl funktional und ergonomisch ist, er soll gefälligst auch schön sein. Eine gemütliche Arbeitsatmosphäre ist den Mitarbeitern wichtig, man soll sich gerne im N23 aufhalten. Wenn die Köpfe rauchen, lädt auch die liebevolle Mini-Terrasse zu einem Päuschen ein. In einem Zimmer gibt es eine kleine Küche, in der Linda Nübling, die das Büro mitgegründet hat, ab und an für alle kocht und eine Art Wohnzimmer, in dem ein großer Tisch steht, der auch für Meetings genutzt wird.

Gegründet hat sich das N23 aus dem UG60 – ein Studio und Netzwerk in der Türkenstraße, das sich letztes Jahr aufgelöst hat. Julia Hartmann, Annette Granados Hughes, Carolin Lintl und Linda Nübling sind dann 2017 ein paar Ecken weiter in die Nordendstraße 23 gezogen und haben die schon seit Jahren bestehende Bürogemeinschaft übernommen.

Die vier Frauen arbeiten nun unter dem Namen N23 mit neun weiteren Untermietern in den Räumlichkeiten. Sie alle teilen sie nicht nur ein Büro, sondern auch die Motivation, sich mit ihrer Kreativität und ihrem Netzwerk für gesellschaftlich relevante Themen einzusetzen. Unter anderem liegen ihnen die Themen Nachhaltigkeit, Integration und Gender am Herz.

Visionen von Nachhaltigkeit bis Gleichberechtigung

Dass das nicht nur ein leeres Versprechen ist, merkt man schnell, wenn man von einem Schreibtisch zum nächsten läuft und sich die Projekte, der unterschiedlichen Mitarbeiter von N23 anschaut. Hier arbeiten unter anderem die Girls von WOMOM, die vom Mama-Leben inspirierte Klamotten designen und sich dafür einsetzen, dass die Modeindustrie nicht mehr zwischen Frauen und Müttern unterscheidet.

Frauen sollen sich so stark, kämpferisch, weich und weiblich fühlen wie sie sind – egal in welcher Lebenslage sie sich befinden. Auch Locally Inspired beschäftigt sich damit, den Konsum zu verändern. Auf der Website kann man sich lokale und faire Shopping-Inspiration holen und Berichte über verantwortungsbewusste Unternehmen lesen. Julia, die Gründerin, möchte damit Menschen davon begeistern, achtsamen und nachhaltigen Konsum zu leben, um ein Umdenken in den Köpfen der Konsumenten und Unternehmen anzuregen.

Obstsalat, Branding und Flüchtlingshilfe

Den Kampf gegen Food-Waste hat Carolin aufgenommen, die momentan unter anderem als kreativer Kopf für Die Frischemanufaktur arbeitet. Sie bieten frisch geschnittenen Obstsalat als Snack zum Mitnehmen an, das durch ein spezielles Frischhalte-Verfahren länger haltbar ist und somit den sonst üblichen Ausschuss und die enormen Abfallmengen reduziert. Nicht nur viele starke Frauen, auch starke Männer sind bei N23 aktiv. Maximilian Sterz und Christian Schnabl von 42 robots entwickeln unter anderem Web-Applikationen und Intranets für NGOs und ein bundesweites Projekt für Flüchtlingshilfe.

Außerdem ist da noch Linda, die mithilfe von ihrem Kollektiv aus unterschiedlichen Design-Experten in ihrem Grafikbüro Studio Nüe ganzheitliche Branding- und Grafikdesign-Konzepte entwirft. Ergänzt wird das Ganze von der NÜE Gallery, bei der sie versucht den Diskurs zu gesellschaftlich relevanten Themen anzuregen, in dem sich unterschiedliche Künstler an unterschiedlichen Ausstellungsorten mit einer Thematik auseinandersetzen. Dafür ist sie entweder selbst als Künstlerin, oder als Kuratorin aktiv. Stur To-Do’s abzuarbeiten und dann nach Hause zu gehen, ohne in die Arbeit involviert zu sein, gibt es hier nicht. Die einzelnen Freiberufler arbeiten hier an ihren Herzensprojekten.

Sharing is caring

In der Bürogemeinschaft ist generell kein Platz für Konkurrenzdenken, unter den Frauen sowieso nicht. Schon beim Händedruck merkt man: Hier arbeiten starke Frauen, die für sich und ihre Ziele einstehen. Um Macherinnen, Kreative und Impulsgeberinnen in München zu fördern und gemeinsam zu wachsen, hatte Christina die Idee Salon-Abende als Austausch- und Netzwerkmöglichkeit für Frauen in München zu schaffen.

Auch Linda und Nga sind der Ansicht, dass Wissen sich vermehrt, wenn es geteilt wird anstatt sich zu verringern. Seit 2015 organisieren sie deshalb mehrmals jährlich Salon Connect-Abende, bei denen Inspiration durch Vorträge und Panels gesammelt und bei einem Gläschen Wein beratschlagt und diskutiert werden kann.

Coworking Club der Visionäre

Bei N23 arbeiten echte Macher. Meist fängt es mit einem simplen Alltags-Gedanken an: “Ich möchte als Mutter nicht in eine Schublade gesteckt werden”, “Mein Obstsalat ist schon wieder faulig”, “Warum ist lokales und nachhaltiges Shopping so unsexy?”. Jeder von uns kommt dann und wann an den Punkt, Bestehendes zu hinterfragen und vielleicht sogar wütend über den Stand der Dinge zu sein.

Die Mitarbeiter von N23 konnten das so nicht stehen lassen. Sie wollten etwas tun, statt nur zu granteln und verändern so in ganz unterschiedlichen Projekten die Zukunft. Richtig so, denn von nix kommt bekanntlich auch nix! Um etwas zu ändern, muss man ja nicht gleich die Welt retten. Es reicht eine Vision zu haben, wie etwas im Morgen besser laufen könnte als im Heute und diese dann festzuhalten und umzusetzen. So gesehen ist das N23 quasi ein Coworking Club der Visionäre.

Alle verfolgen unterschiedliche Ziele, schließen sich aber projektspezifisch auch in verschiedenen Konstellationen zusammen und profitieren von der Expertise der anderen Mitarbeiter. Durch die vielen Nischen im Raum und mehrere kleinere Büros, kann jeder fokussiert an seinen Vorhaben feilen. Wie in einer guten WG, sind alle Türen dabei aber geöffnet und man hat immer ein offenes Ohr für den Anderen.

Freiberuflich zu arbeiten kann superentspannt und erfüllend sein, aber auch Nachteile mit sich bringen. Jeden Tag alleine im stillen Kämmerlein führt manchmal dazu, dass man am Ende des Tages zwar alle Ritzen des Kühlschranks poliert, aber nichts wirklich Produktives erledigt hat. Oder aber man hat sich so in seinem aktuellen Projekt verkopft, dass man es nicht mehr mit dem nötigen Abstand betrachten kann.

Wir sind zufällig überwiegend Frauen, die an zukunftsorientierten Projekten arbeiten und sich nicht davor scheuen zu machen, statt nur zu reden. Das soll Männer aber nicht abschrecken. Bei uns ist jeder willkommen, der es schön findet Teil einer Bürogemeinschaft zu sein.

Das ist der Vorteil in einem Coworking-Space, wie dem N23. Jeder kann in Ruhe sein Ding machen, hat aber die Sicherheit einer Arbeitsgemeinschaft. Sie motiviert, inspiriert und gibt einem im richtigen Moment auch einfach mal (wie ein guter Mitbewohner) einen Arschtritt, damit man den nötigen Schubser hat, um sich etwas zu trauen oder eine Aufgabe zu bewältigen.

Man hat einen festen Arbeitsplatz, an dem man sich ausbreiten kann und den man genau so vorfindet, wie man es möchte. Auch für die Kunden hat das Vorteile. Mittelständische Unternehmen haben mit dem N23 und dem dazugehörigen Netzwerk die erforderliche Sicherheit und Stabilität, aber keine Agentur mit festgefahrenen Strukturen, sondern frischen Wind von freiberuflichen Kreativschaffenden. Momentan sind übrigens drei Schreibtische im N23 frei! Meldet euch gerne bei Julia, Linda, Annette & Caro unter der unten stehenden E-Mail Adresse, falls ihr Interesse habt.

Wer arbeitet hier // Gestalter, Texter, Illustratoren, Programmierer, Journalisten und Fotografen.

Seit wann // Die Bürogemeinschaft eigentlich schon eine Weile, als N23 aber erst seit 2017.

Was gibt’s zu Mittag? // Entweder Linda kocht für alle, oder es gibt das beste Vietnamesische Essen der Stadt von The Pham’s.

Was ist special // Die Motivation hinter den einzelnen Projekten, das gemütliche und lichtdurchflutete Büro, das Gemeinschafts-Feeling und die süße Mini-Terrasse.

N23 | Nordendstraße 23, 80801 München | Kontakt: [email protected]

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