Club Legenden #2: Zu Jazz tanzen in den Hot Club-Katakomben

© Buch "Mjunik Disco"

Heute kaum mehr vorstellbar, aber München war mal die Partystadt schlechthin – das "deutsche San Francisco". In den wilden 60ern und 70ern feierten hier Freddy Mercury, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Uschi Obermaier und Mick Jagger. Schwabing und die Leopoldstraße waren der Place-to-be. In den 80er Jahren kam dann die Schickeria auf, das hielt die 90er aber nicht auf mit ausgefallenen Partylocations wie dem Flughafen Riem noch mal Gas zu geben. Aber auch heute machen immer wieder Clubs zu, die in München Geschichte schrieben – wie das Atomic, die Registratur oder das Puerto Giesing. Wir erzählen ihre Geschichte.

Einer der ersten Clubs nach dem Krieg: Der Hot Club eröffnete 1950 in der Leopoldstraße im späteren Studio 15 – damals die Top-Adresse der Swing-Szene. Jazz-Musiker aus aller Welt, die Konzerte in München spielten, trafen sich danach im Studio 15, um hier zu jammen. Der Hot Club war dagegen nach dem Vorbild des "Hot Club de France" in Paris entstanden, den Dr. Otto Wagner während seines Studienaufenthalts dort entdeckte – und zusammen mit Anton Ferdinand Köck in die bayerische Landeshauptstadt brachte.

Club Legenden #2: Zu Jazz tanzen in den Katakomben vom Hot Club
© Unsplash | Alberto Bigioni

1953 zog der Hot Club dann in die Katakomben unter den Augustiner-Keller in der Arnulfstraße. Revolutionär war so Einiges an dem wilden Jazz-Club: Die Mitgliedschaften waren auf 1000 Stück begrenzt, die Münchner Jugend und High Society wollte nichts sehnlicher, als dabei zu sein. Auch neu: Die Mädchen, die im Hot Club tanzen gingen, trugen Hosen. Und zum ersten Mal bekamen die Gäste am Eingang statt Eintrittskarten Stempel. Hatte man den erst, wollte man seine Hände gar nicht mehr waschen.

Der Hot Club war bekannt für sein hervorragendes Booking: Jazz-Bands aus aller Welt spielten hier, unter anderem auch Größen wie Benny Gooman! Ganze vierzehn Jahre hat die Jazz-Institution München bereichert. Im Jahr 1964 musste der Club dann leider schließen – ganz einfach, weil Jazz nicht mehr ganz so cool war. In München fand ein musikalischer Stilwandel statt, mit den 60er standen die Swinging Sixities vor der Tür.

Wann eröffnet: 1950

Wann geschlossen: 1964

Berühmte Gäste: Der Jazz-Musiker Benny Goodman.

Besonderheit des Clubs: in den Katakomben und nur Mitglieder durften rein.

Vergnügte Anekdote: Das KVR wollte den Club aus feuerpolitischen Gründen schließen, aber der zuständige Kulturreferent war selbst Mitglied im Hot Club und verhinderte die Schließung.

Heute steht dort: immer noch der Augustiner-Keller.

Mehr spannende Clubs von gestern findet ihr in den Büchern "Mjunik Disco" (Blumenbar Verlag) und "Aus is und gar ist" (Allitera).

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