Kleine, geile Firmen #46 – Ein Mehrwegsystem für Take-away von Rebento

Egal ob Mittagessen im Büro, Feierabend und nichts im Kühlschrank oder verspäthungern nach acht Uhr abends – wir kommen ständig in Situationen, in denen wir uns schnell mal um die Ecke etwas zu Essen mitnehmen. Wem es da ähnlich geht, kennt sicher auch die sich sofort einstellenden Schuldgefühle, denn Take-away bedeutet leider auch immer unverschämt viel Verpackungs-Müll.

Das könnte dank drei jungen Münchnern bald ein Ende haben: Kathrin, Simon und Carlos von Rebento arbeiten nämlich gerade an einem Mehrwegsystem für Take-away Boxen an Imbissständen und in Restaurants! Nachdem in Deutschland wenige Dinge so grandios funktionieren wie das Pfandsystem, wollen sie das System auf Essensverpackungen ausweiten und damit die Welt zu einem nachhaltigeren Ort machen.

Rebento: Ein Mehrwegsystem für Take-away
© Ida Heinzel
Rebento: Ein Mehrwegsystem für Take-away
© Ida Heinzel

Wie kommt man darauf, dass München neben dem Pfandsystem für Flaschen noch ein weiteres braucht?

Simon: Unser grundsätzliches Ziel war es, Müll zu verringern. Wir haben überlegt, wo es brennt und wo am meisten Müll entsteht und sind dann relativ schnell auf Take Away gekommen. Gerade in Vierteln mit vielen Büros entstehen Unmengen an Verpackungs-Müll und die Mülleimer quellen regelrecht über.

Kathrin: Uns ist aufgefallen, dass bei Einwegverpackungen extrem viele Ressourcen verbraucht werden und unnötiger Müll entsteht. Ursprünglich war der Gedanke nachhaltige Einwegverpackungen herzustellen, aber auch da würde man etwas herstellen, das nur einmal verwendet und danach direkt weggeworfen wird. Dann ist uns die Idee mit einem Mehrwegsystem gekommen.

Wir wollen aus dem Hype eine Haltung entwickeln, die dann irgendwann der Normalzustand wird.

Warum macht ihr euch den ganzen Stress ein Unternehmen zu gründen?

Kathrin: Mir ist es sehr wichtig beruflich etwas Gutes zu tun. Ich habe gemerkt, dass das für mich in Konzernen, die nur auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, nicht möglich ist. Durch eine Gründung haben wir die Möglichkeit von Grund auf ein Unternehmen aufzubauen, mit dessen Werten wir uns voll und ganz identifizieren können.

Simon: Ich finde es super mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen, Ideen auszutauschen und einen Mehrwert für die Gesellschaft und Umwelt zu schaffen. Außerdem wollen wir den aktuellen Trend um Nachhaltigkeit aktiv mitgestalten und aus dem Hype eine Haltung entwickeln, die dann irgendwann der Normalzustand wird.

Rebento: Ein Mehrwegsystem für Take-away
© Ida Heinzel
Rebento: Ein Mehrwegsystem für Take-away

Wie seid ihr drei denn zusammen gekommen und was macht ihr sonst so? 

Carlos: Simon studiert Elektrotechnik, ich Maschinenbau. Kathrin hat schon in der Wirtschaftsprüfung gearbeitet und ihren Job an den Nagel gehängt, weil sie etwas mit mehr Sinn machen wollte. Ursprünglich hat Kathrin in einem anderen Team gearbeitet. Auf einer Veranstaltung für Gründer hat sie mit ihrem Team genau die Idee vorgestellt, die auch Simon und ich hatten. Statt einen Konkurrenzkampf draus zu machen, haben wir dann einfach beschlossen uns zusammen zu schließen.

Im Vordergrund steht bei den Boxen auf jeden Fall die Nachhaltigkeit. Das wird der Pommesbude um die Ecke vielleicht nicht so wichtig sein, für viele Restaurants ist das aber ein Image-Gewinn.

Wie funktioniert euer System denn genau? 

Simon: Unsere Idee ist, dass wir Gastronomien gegen einen Mitgliedsbeitrag mit unseren Rebento-Boxen ausstatten. Kunden können sich ihr Essen dann in diesen Boxen mitnehmen. Beim nächsten Besuch kann man die dreckige Box abgeben und sie dann gegen eine frisch gespülte austauschen, oder sein Pfand zurück bekommen. Dafür müssen die Restaurants natürlich erstmal mehr bezahlen als für Einwegverpackungen aus Plastik. Unser System rechnet sich aber für die Restaurants, da unsere Boxen im Unterschied zu Einwegverpackungen mehrfach genutzt werden können.

Kathrin: Im Vordergrund steht bei den Boxen auf jeden Fall die Nachhaltigkeit. Das wird der Pommesbude um die Ecke vielleicht nicht so wichtig sein, für viele Restaurants ist das aber ein Image-Gewinn, mit dem sich werben lässt. Außerdem ensteht durch das Mehrwegsystem ein Flow aus Kunden, die immer wieder ins Restaurant oder zum Imbissstand kommen.

Rebento: Ein Mehrwegsystem für Take-away
© Ida Heinzel

Wie läuft das mit der Rückgabe der Boxen? 

Simon: Zurückgeben kann man die Boxen bei allen teilnehmenden Restaurants und Imbissbuden. Außerdem wollen wir etablieren, dass man die benutzten Rebento-Boxen auch im normalen Supermarkt abgeben kann. Wir hoffen, dass einige Supermärkte mit uns kooperieren, die Boxen in einer Kiste sammeln und das Pfand aushändigen. Einer unserer Fahrer soll die Supermärkte dann einmal oder mehrmals täglich anfahren, die Boxen einsammeln und wieder in den Restaurants verteilen.

Carlos: Außerdem hatten wir die Idee, dass man die Boxen im normalen Pfandautomaten im Supermarkt zurückgibt. Dazu müsste der Automat Gewicht und Form der Box erkennen und einen Barcode auf der Box scannen. Da überlegen wir gerade, ob und wie das umsetzbar ist.

Habt ihr Rebento schon mal im realen Leben getestet? 

Simon: Wir haben mal einen Testlauf in Garching gestartet. Dabei haben wir Mehrwegboxen in einer Kantine und an zwei Take Away Ständen ausgegeben und zwei Container für die Rückgabe aufgestellt. Sowohl von Studenten, sowie Berufstätigen haben wir dabei positives und interessantes Feedback bekommen.

Wie sollen eure Boxen aussehen?

Kathrin: Wir sind gerade noch auf der Suche nach dem optimalen Material und der perfekten Box. Wir überlegen, eine Box aus lebensmittelechtem Kunststoff zu verwenden. Das wäre dann ein ähnliches Material wie bei Tupperboxen. Die zweite Option ist eine Box aus natürlicherem Material, zum Beispiel aus Reisfasern. Wichtig ist uns auf jeden Fall, dass die Box haltbar ist, sie nachhaltig hergestellt wurde und recycelbar ist.

Rebento: Ein Mehrwegsystem für Take-away
© Ida Heinzel

Wie lange wird es dauern, bis ich mein Sushi auf dem Heimweg in einer Rebento Box mitnehmen kann?

Carlos: Das wird noch ein bisschen dauern. Wir kommen jetzt aber bald in die heiße Phase, in der wir einen Monat mit ein paar Restaurants und Supermärkten testen, wie unser System ankommt. Dann wird entschieden, ob und wie man weitermacht. Wer das Projekt cool findet, kann uns jetzt aber schon mal Restaurants vorschlagen, in denen wir Rebento dringend einführen sollten!

Eines der schönsten und gleichzeitig schlimmsten Dinge, wenn man gründet: Wenn du selbst nichts machst, passiert nichts.

Wie ist denn bisher euer Feedback von Seiten der Stadt und Restaurants? 

Kathrin: Bislang sehr gut. Wir waren vor kurzem im Rathaus, haben unser Projekt vorgestellt und dafür positives Feedback erhalten. Die angefragten Restaurants und Imbisse finden die Idee durchweg toll! Bei manchen ist es aber durch fehlende Spülvorrichtungen oder finanzielle Mittel eher nicht umsetzbar.

Was sind Schwierigkeiten, die euch als jungen Gründern begegnen?

Carlos: Eines der schönsten und gleichzeitig schlimmsten Dinge, wenn man gründet: Wenn du selbst nichts machst, passiert nichts. Du bist für alles selbst verantwortlich und musst dich auch immer an der eigenen Nase fassen. Und man muss wirklich an die eigene Idee glauben, sonst glaubt nämlich auch niemand anderes dran!

Kathrin: Wenn man Zeit investiert und die Unterstützung aktiv einfordert, gibt es viele tolle Förderungen für Gründer in der Stadt. Das wichtigste ist, dass man einfach mal macht und sich nicht an der Illusion der Sicherheit festhält. Die gibt es beim Gründen nicht. Ich finde es schade, dass so viel Potenzial verloren geht, weil sich die Leute nicht zutrauen ihre Ideen zu verwirklichen. Also geht raus und seid mutig!

München legt gern selbst Hand an. Fast jede Woche gründet sich hier eine neue Firma, wird ein neues Label vorgestellt oder neues Produkt lanciert. Wir stellen euch die kleinen, geilen Firmen der Stadt vor. Die Bedingungen sind simpel. Klein müssen sie sein, das heißt weniger als zehn Mitarbeiter und natürlich: Geil.

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