Der August ist mit Abstand der schönste Monat in München

© Anna Rupprecht

In Print-Zeitschriften gehört es dazu, dass der Herausgeber auf der ersten Seite die Stimmung, Meinung oder Richtung der jeweiligen Ausgabe einfängt. Warum gibt es das auch nicht online?, haben wir uns gefragt. Denn genauso schwirren jede Woche Gefühle, Stimmungen und Meinungen durch München, die wir zwar mitbekommen, aber nirgends festhalten. In dieser Kolumne ist Platz, um all meine Gedanken zu München und dem, was mir in der Stadt begegnet ist, zu sammeln. Heute geht's um den schönsten Monat in München.

Ich habe das noch nie verstanden, warum man im Sommer in den Süden fahren muss. Wer da München verlässt, der muss eigentlich echt bescheuert sein. Genau zu dieser Zeit, in der alle Ehemaligen und Touristen aus wirklich gutem Grund zu uns kommen. Und ja, der August ist wettertechnisch immer eher durchwachsen, gerade sogar schon eher herbstlich, aber so unbeständig er ist, so gerne mag ich ihn auch. Ja, ich würde sogar soweit gehen und behaupten, er ist mein absoluter Lieblingsmonat in dieser Stadt.

Alles läuft auf Auto-Responder – der Bademeister sinkt noch tiefer in den Klappstuhl und die Kioskfrau schiebt dir im Freibad ganz langsam die Pommes über die Theke.

Und das obwohl er eingezwängt ist zwischen zwei Monaten, die ich dagegen ziemlich dick habe – dem Juli, der so dermaßen voll mit Menschen ist, dass man nicht weiß, ob überhaupt noch jemand in dieser Stadt arbeiten muss und der einen dementsprechend frustriert, wenn man abends von eben dieser Arbeit heim fährt, während alle anderen sich an der Isar, im Biergarten, im Freibad ihren nächsten Sonnenbrand geholt haben.

Auf der anderen Seite steht der September, der aus weltbekannten Gründen ein Monat ist, der die Nation spaltet. So gehöre ich eher zu jener Sorte, die die Wiesn weitestgehend umgehen und einfach so tun, als wäre alles wie immer. Was ganz gut klappen kann, wenn man in den zwei Wochen des Wahnsinns nicht U-Bahn fährt oder abends ausgeht. Oder sonst irgendetwas tut in dieser Stadt und am besten ganz woanders ist. Aber zurück zu den schönen Themen – wie dem August.

Im August läuft München in Zeitlupe. Blöd genug sind die, die in Karawanen in den Süden ziehen.

Der August ist ein Monat, in dem man erahnen kann, wie München sich anfühlen würde, wenn es nicht ganz so überbevölkert wäre. Wenn es einfach eine entspannte Sommerstadt mit einem wunderbaren Fluss in der Mitte wäre, an dessen Ufer man tatsächlich auch noch einen Platz bekommt. Man geht in den Biergarten, man geht abends ins Restaurant, in Bars, ins Freibad – und überall ist Platz. Ja, sogar die Supermärkte und Straßen sind endlich einmal einfach frei. Die Stadt ist leer, ruhig und so entspannt wie sonst nie.

Der August ist der Monat, in dem München so niedlich verschlafen wirkt, noch verschlafener als sonst. Alles läuft auf Auto-Responder – der Bademeister sinkt noch tiefer in den Klappstuhl und die Kioskfrau schiebt dir im Freibad ganz langsam die Pommes über die Theke. Du trinkst ein Radler in der Sonne und selbst die scheint langsamer zu wandern. Die Kinder spielen leiser und die Autos – wo sind eigentlich die Autos? Im August läuft München in Zeitlupe und es gibt nichts besseres als sich mit einer Zeitung ins leere Freibad zu legen und die Ruhe zu genießen. Blöd genug sind die, die in Karawanen in den Süden ziehen.

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