Läden, die nicht gut gemacht sind, brechen mir das Herz!

© Anna Ruprrecht

In Print-Zeitschriften gehört es dazu, dass der Herausgeber auf der ersten Seite die Stimmung, Meinung oder Richtung der jeweiligen Ausgabe einfängt. Warum gibt es das auch nicht online?, haben wir uns gefragt. Denn genauso schwirren jede Woche Gefühle, Stimmungen und Meinungen durch München, die wir zwar mitbekommen, aber nirgends festhalten. Diese Kolumne ist der Platz, an dem ich all meine Gedanken zu München und dem, was mir diese Woche in der Stadt begegnet ist, sammle. Diesmal: Läden, die mehr aus sich machen könnten, machen mich traurig.

Es gibt Läden in München, die müssen gar nicht hübsch sein, die funktionieren einfach – weil der Besitzer sich ganz herzerwärmend um seine Gäste kümmert oder weil man weiß: Das Brot hier ist einfach das beste der Stadt. Und dann gibt es aber auch jene Läden, an denen man vorbeispaziert, reinspaziert und sich denkt: Wenn ihr es richtig gemütlich machen oder euer Konzept mal runderneuern würdet, dann könnte dieser Laden halt ein Selbstläufer sein. Und das bricht mir zumindest immer ein bisschen das Herz, wenn man weiß: Das volle Potenzial wird hier nicht ausgeschöpft – oder, noch schlimmer, vielleicht auch gar nicht erkannt!

Nicht jede Location braucht Kohlefadenlampen, Klemmbretter und Kakteen – aber so einen eigenen Stil, den braucht es schon.

Versteht mich nicht falsch, es sollen sicherlich nicht alle Locations in München gleich aussehen. Nicht jede braucht Kohlefadenlampen über der Theke, Klemmbretter für Speisekarten und Kakteen im Schaufenster – aber so einen eigenen Stil, ganz egal, wie der dann aussieht, den braucht es schon. Und den hat ja auch das Johanniscafé, das Café Bricelta oder die Fattoria. Eine rote Linie, ein bisschen Leidenschaft – auch, wenn die bunt, chaotisch und ganz anders ist.

Und ich spreche hier auch nicht von den Oma-Friseuren mit verstaubter Fensterdeko – die soll, darf, muss es fast geben, denn meine Oma würde sich gar nicht wohlfühlen in einem dieser Hipster-Friseure, in denen es Handmassagen und Naturhaarfarbe gibt. Verschiedene Läden für verschiedene Generationen. Und meine Oma braucht eindeutig 80er-Jahre-Möbel und handgestickte Wandbildchen. Es ist außerdem ja auch toll, dass München hier so vielfältig ist. Dass wir ein überhippes Café haben neben der alteingessenen ranzigen Boazn neben dem Metzger, der weder schön noch hässlich, aber dafür halt schon ewig saugut ist.

Es ist doch komisch, dass wir in München zu feige oder auch zu gleichgültig sind, um ganz ehrlich zu sagen: Dein Essen ist bombe, aber die Tapete geht gar nicht!

Aber das Allerschlimmste ist ja wohl wirklich, wenn man sich all die Läden anguckt, in denen gar keine Liebe steckt – und die trotzdem megagut laufen. Burgerketten, die Fertigprodukte servieren oder Gastronomen, die einfach einem Food-Trend folgen, ohne irgendeinen Bezug dazu zu haben. Jetzt wollen alle Bowl, also machen wir Bowl. Und genau deshalb macht es mich dann so traurig, wenn man jemanden sieht, der eigentlich gutes Essen serviert und Liebe reinsteckt, engagiert ist, aber eben nicht mit dem Zeitgeist geht – und nur daran scheitert.

Ein guter Gastronom sein hat ja auch nicht unbedingt damit zu tun, dass man weiß, was eine hübsche Inneneinrichtung ist. Aber es ist wahrscheinlich seine Aufgabe, sich darum zu kümmern, jemanden zu suchen, der sich damit auskennt. Dafür muss er es aber erst einmal wissen. Es ist doch komisch, dass wir in München zwar immer höflich, aber dann doch feige oder auch zu gleichgültig sind, um ganz ehrlich zu sagen: Dein Essen ist bombe, aber die Tapete geht gar nicht!

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