Vergnügte Viertel: Neuhausen-Nymphenburg damals und heute

München besteht aus insgesamt 25 Stadtbezirken, in denen wiederum oft mehrere Stadtteile zusammengefasst sind. Logisch, dass das nicht immer so war, schließlich hat sich die Stadt in den letzten 860 Jahren seit ihrer Gründung ordentlich verändert. Wie genau, das wollen wir Euch in dieser Serie vorstellen, die einzelnen Viertel historisch beleuchten und gucken, wo man sich hier heute vergnügen kann.

Der Botanische Garten, der Schlosspark Nymphenburg und dann auch noch der Hirschgarten – man könnte meinen, Neuhausen-Nymphenburg bestehe nur aus Grünflächen. Nein, wird der wahre Kenner jetzt sagen: Da sind doch auch die Dachauer Straße, die Arnulfstraße, der Rotkreuzplatz und der Mittlere Ring, also auch mega viel Verkehr!

Vergnügte Viertel München damals
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True. Beides. Und genau diese Gegensätze prägen den Stadtbezirk: In Neuhausen treffen prachtvolle Altbauten auf Nachkriegssünden und die Nymphenburger Villensiedlungen stehen im Kontrast zu neuester Architektur wie zum Beispiel im Quartier am Hirschgarten. Und auch die Bewohner des eher jungen Neuhausen und des eher bürgerlichen Nymphenburg dürften sich ordentlich unterscheiden.

Damals: Dörfliches Leben in Neuhausen

Erstmals erwähnt wurde Neuhausen im Jahr 1170. Damals schenkte Rudolf von Niwenhusen dem Kloster Schäftlarn sein dortiges Landgut. Lange Zeit blieb Neuhausen ein kleines bäuerliches Dorf, das 1839 gerade mal knapp 400 Einwohner zählte.

Wie auch in den anderen Münchner Stadtteilen stieg durch die Industrialisierung die Bevölkerung schlagartig an. Als Neuhausen 1890 eingemeindet wurde, stand der Stadtteil in wirtschaftlicher Blüte und es lebten dort mehr als 11.000 Menschen. Dazu trug auch die Max II-Kaserne mit den dort ansässigen Soldaten bei, die 1860 in Neuhausen errichtet wurde.

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Nymphenburg wiederum entwickelte sich ein bisschen anders. 1664 wurde mit dem Bau des Schlosses begonnen, das bis ins 18. Jahrhundert hinein stetig erweitert wurde. Nach und nach entstanden auch Wohnhäuser rund um die Parkanlagen. Anders als in Neuhausen lebten hier aber keine Arbeiter, sondern die feine Gesellschaft. Noch im 19. Jahrhundert war der Stadtteil nach wie vor sehr ländlich.

Volksgarten Nymphenburg: Remmi-Demmi das ganze Jahr über

Nymphenburg war aber auch zur damaligen Zeit nicht nur elitäres Rückzugsgebiet. 1890 wurde am Romanplatz der Volksgarten Nymphenburg eröffnet. Nach dem Vorbild des Wiener Praters gab es hier das ganze Jahr über Attraktionen: ein Velodrom, verschiedene Fahrgeschäfte, Varietés und sogar einen Heißluftballon, der mit einem Seil am Boden verbunden war.

Dazu stand hier eine Würstchenbuden, Hendl-Bratereien und mehrere Biergärten, das Ganze für 20 Pfennig Eintritt. 25 Jahre lang konnte sich der Volksgarten halten, dann wurde das Gelände verkauft, die Stadt dehnte sich aus, Bauplätze wurden beliebter und viel Geld dafür bezahlt.

Vergnügte Viertel
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Heute: Urbanes Leben in Neuhausen trifft Ruheinseln in Nymphenburg

Heute leben in Neuhausen viele junge Leute, die sich über den hohen Altbaubestand und die, im Vergleich zu anderen Vierteln, noch nicht ganz utopischen Mieten freuen. Es gibt viele Cafés, trotzdem ist alles ein bisschen weniger hip und gentrifiziert, als anderswo.

Nymphenburg gilt erwartungsgemäß als älterer der beiden Stadtteile, bietet aber durch seine vielen Grünflächen und Ruheinseln auch für die jüngeren Neuhausener beliebte Ausflugsziele.

1992 wurden Neuhausen und Nymphenburg letztlich zum Stadtbezirk 9 zusammengefasst. Und wie es bei so mancher Zwangsehe ist: So sehr sich die beiden unterscheiden, so sehr ergänzen sich das urbanere Neuhausen und das beschaulichere Nymphenburg offensichtlich auch.

Im Stadtbezirk 9 wohnen rund 98 000 Menschen, das ist hinter Ramersdorf-Perlach die zweithöchste Einwohnerzahl aller Stadtbezirke. Der Bezirk umfasst aber auch fast 1300 Hektar Fläche, zu kuschlig wird es hier also nicht. Der Anteil der Single-Haushalte liegt etwas oberhalb des Münchner Durchschnitts, dazu trägt allerdings Neuhausen wahrscheinlich mehr bei als Nymphenburg.

Vergnügte Fakten

ESSEN

Schlossfrühstück im Palmenhaus | Baguettes futtern im Café Ruffini | Mittagessen und Kuchentratsch im Marita Café | Käse probieren in der Käsemaus | Eis schlemmen im Sarcletti | Bayerische Küche modern interpretiert im Großwirt | Günstig vietnamesisch essen bei DuFu Bun

TRINKEN

Boazn-Flair in der Gorilla-Bar | Über 60 Gin-Sorten in der Bar du Port | Party, Konzerte und Drinks im Import Export | Bier trinken im Jagdschlössl

DRAUSSEN

Hirsche füttern im Hirschgarten | Baden gehen im Dantebad | Die Ruhe im Nymphenburger Schlosspark genießen | Den Nymphenburger Kanal entlang joggen

KUNST

Die verschiedenen Museen in Nymphenburg besuchen | Filme gucken im Neuen Maxim | Tanz, Theater und Musik im Schwere Reiter schauen  | Ateliers, Werkstätten und Theater im Kreativquartier

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