11 Gedanken, die eine Französin in München hat

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Von Barbara Cuppens

Paris und München haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Dabei gibt es eigentlich viele Ähnlichkeiten! In beiden Städten schätzt man die schönen Dinge des Lebens, sitzt gerne mit anderen Leuten draußen, trinkt, plaudert, isst und feiert. Nur eben mit Bier statt Chardonnay, Brezn statt Baguette und Dirndl statt Haute Couture. Trotzdem gibt es viele Dinge, die einen als Zugezogene erst einmal beschäftigen. Hier erzählt eine Französin, welche Gedanken ihr im Kopf rumgeistern, seit sie Pariser laissez faire gegen bayerische Gemütlichkeit getauscht hat.

1. Wie geil ist hier bitte der Sommer?

Ich komme aus einer kleinen Stadt am Meer in der Normandie, weshalb heiße Monate in der Großstadt für mich erst mal nicht ganz so verlockend klangen. Aber es hat nur einen lauen Abend am Gärtnerplatz, ein paar Bier an der Isar und einmal in den Eisbach hüpfen gedauert und ich war Hals über Kopf verliebt in den Münchner Sommer!

2. Eins zwei Polizei

Hach, die Münchner Polizei. Es hat ganze vier Wochen gedauert, bis ich das erste Mal verhaftet wurde. Nicht wegen sexy, sondern einem mittel bis schweren Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung. Die ist hier nämlich ähnlich heilig wie Spezi. Ich habe gelernt: Fahrrad fahren auf dem Gehweg ist verboten, auf Google Maps nach dem Weg schauen während man auf dem Sattel sitzt auch und WEHE DU FÄHRST AUF DEM FAHRRADWEG AUF DER FALSCHEN STRASSENSEITE!1!! Seit dem finde ich den Mo-Do Song nicht mehr ganz so cool.

3. Fahrrad fahren? In der Stadt??

In Paris würde ich niemals Fahrrad fahren. Nicht auf dem Radweg und schon tausendmal nicht auf der Straße. Hier ist das komplett anders: Ganz München radelt quer durch die Stadt, überholt pfeifend Porschefahrer an der Ampel und verwandelt Fahrradwege in regelrechte Autobahnen. Das penible Einhalten der Straßenverkehrsordnung (wie Deutsch kann ein Wort eigentlich sein?), hat definitiv Vorteile – man fühlt sich einfach super safe beim Radeln.

4. Bier für vier Euro? Ich nehm elf!

Steigende Bierpreise sind hier ein ständiges Diskussionsthema. Vier Euro für 0,33 Liter Bier mit Pfand klingen für mich allerdings wie Musik in meinen Ohren – in Paris zahlt man im Club schnell mal neun Euro!

5. „Hier in Deutschland...“

Die Münchner sind ein nettes Völkchen. Sie sind gemütlich, entspannt und freundlich, aber halt auch ein bisschen besserwisserisch. Sie sagen anderen Leuten einfach gerne, wie die Dinge in Bayern laufen und gefälligst auch zu laufen haben. Kommt der gemeine Münchner in seinen Gscheidhaferl Modus, fängt er Sätze meist mit "Hier in Deutschland" an. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dann einfach zu lächeln und zu nicken und immer mal wieder ein verständnisvolles "achso" einzuschieben. Sie meinen es ja nur gut.

6. Socken in Sandalen sind tatsächlich ein Ding

Glaubt man Gerüchten im Ausland, dann laufen Bayern den ganzen Tag entweder in Tracht oder Shorts kombiniert mit obligatorischen Socken in Sandalen durch die Gegend. Egal welcher Fall zutrifft, in der rechten Hand haben sie ein Helles und in der linken eine Brezn. Nach ein paar Monaten in München kann ich bestätigen: das ist keine Legende.

7. Karma is real

Man sagt ja immer, dass Betrunkene und Kinder die Wahrheit sagen. Entweder sind die Münchner dauerhaft betrunken, sau schlechte Lügner oder einfach ein wahnsinnig ehrliches Völkchen! Niemand klaut dir dein Handy aus der Hosentasche und man kann sein Fahrrad einfach so auf der Straße stehen lassen, ohne es drei mal an einen Laternenpfosten zu ketten. Sogar in Bars korrigieren Gäste ihre Rechnungen, wenn drei Bier zu wenig drauf stehen! Oder ganz München ist esoterisch angehaucht und glaubt an Karma, auch wenn's keiner zugeben mag.

8. Aha, ein Surfer. Im Januar.

Links neben dir in der U-Bahn ein Typ im funktionellen Schneeanzug, rechts neben dir eine Frau im Neo und mit Surfbrett zwischen den Beinen. Im Dezember. Während man sich am Anfang noch verwundert die Augen reibt und es auf die Maß zu viel am Abend davor schiebt, reagiert man irgendwann ganz lässig und als wäre es das natürlichste auf der Welt. Dinge, die man halt so macht in München.

9. Samstag Nacht. Alles zu.

Eine Sache, die ich in München auf hartem Weg lernen musste: Wenn du nicht akribisch planst, wann und wo du einkaufst und deinen Kühlschrank vor dem Wochenende mit Mitternachts-Snacks füllst, wirst du sehr sehr traurig sein. Egal ob man nach Mitternacht aus einer Bar torkelt, oder Sonntag früh gerne einen spontanen Brunch schmeißen würde – alles hat zu. Wirklich alles.

10. Man ist hier einfach gerne nackt

Eine Sache, die in Länder-Stereotypen irgendwie durcheinander geraten ist: Nackt sein. Den Franzosen sagt man nach laissez faire zu sein, die Deutschen sind verklemmt. Vielleicht machen die Münchner hier auch einfach eine Ausnahme, denn sie entledigen sich beim ersten Sonnenstrahl schon jeder Kleidung: Egal, ob halb nackt durch die Stadt radeln, im Bikini im Englischen Garten, ganz nackt am Flaucher grillen  – man ist hier einfach gerne nackig.

11. Bier trinken gehört zum guten Ton

So gern die Münchner Struktur und Ordnung lieben, bei Bier werden alle Regeln über Bord geworfen. Man trinkt hier auf der Straße, auf jeglichen Grünflächen, in Biergärten, beim Fahrrad fahren, auf speziellen Bier-Festen und im Schlauchboot. Nicht nur örtlich, sondern auch zeitlich sind dem Bier-Konsum keine Grenzen gesetzt: wer morgens um 10 Uhr seine erste Halbe trinkt und Weißwurst frühstückt, gilt nicht als Alkoholiker, sondern als traditionsbewusster Münchner. Ich liebe diese Stadt!

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