Gehobene Gönnung für Einsteiger: Das Manu Restaurant & Weinbar

Achtung: Unpopular opinion, aber es gibt da zwei Dinge, die auch abseits der Schickeria-Keule salonfähig gemacht werden sollten: Austern und Trüffel. Der in Frankreich aufgewachsene Grünenpolitiker Daniel Cohn-Bendit hatte in den 68ern mal Austern für alle gefordert und damit für Verwirrung unter seinen deutschen Parteigenossen gesorgt. Wenn im Piemont Trüffelsaison ist, schlüpfen Bauern und Handwerker in die Spendierhosen, um sich den Edelpilz über die Pasta hobeln zu dürfen. In Deutschland steht man dem Genuss solch feiner Produkte eher skeptisch gegenüber. Zumindest, wenn man nicht zur Schickeria gezählt werden möchte. Wer’s nicht glaubt, bringt zur nächsten WG-Party einfach mal Champagner mit und schaut, was passiert.

Deswegen setzen wir auf Läden wie das Manu! Chef im Manu ist Tamás, der nach einigen Stationen bei Münchner Gastro-Schwergewichten Lust auf mehr Persönlichkeit und weniger Schnick-Schnack bekommen hatte. Sein Advocatus Gustus und der Mann am Herd ist Max, der trotz seines jungen Alters schon zahlreiche Küchen von innen gesehen hat. Max hat über die Jahre gemerkt, dass er von der Punkte- und Schäumchen-Küche recht wenig hält und sich lieber mit klassischem Saucenhandwerk und großen Seefischen beschäftigt.

© Paul Kern
© Paul Kern
© Paul Kern

Irgendwo zwischen Restaurant und Weinbar

Wer will, isst ein 5-Gänge-Menü, wer nicht will, sucht sich ein Glas aus dem ausgefallenen aber exquisiten Wein-Repertoire aus und schnabuliert ein paar Mandeln mit Salami am stilsicher ausgestatteten Tresen. Wir entschließen uns an diesem Abend, das Manu als Restaurant zu interpretieren. Schließlich haben wir ja noch dieses Ziel mit den Trüffeln.

Das Menü beginnt mit einem Knaller: Hamachi, Yuzu, Kaviar und grüner Apfel. Hamachi ist japanisch, heißt auf deutsch Gelbschwanzmakrele und war bis vor zehn Jahren in Deutschland etwa so bekannt wie seine Artgenossen und Landsmänner Kinmedai oder Amadei. Mittlerweile findet man Hamachi in äußerst trister Qualität in jedem zweiten Sushi-Laden. Was hier auf dem Teller liegt, hat damit allerdings nicht das geringste zu tun. Vier fingerdicke Tranchen, zwischen Kühlschrank- und Zimmertemperatur. Obwohl die weiteren Zutaten den rohen Hamachi nur vorsichtig umspielen, kommt keinerlei Tranigkeit oder Metalligkeit auf. Für zünftige Zungen schmeckt das vielleicht unterwürzt. Max erzählt uns, dass er jede Tranche mit einer einzelnen Flocke britischen Fleur de Sel belegt. Und wir sind uns sicher, dass jede weitere Flocke ein Sakrileg an solch subtilen Aromen wäre!

© Paul Kern
© Paul Kern
© Paul Kern

Ein Überraschungsei für Erwachsene

Beim Tatar sind wir uns uneinig. Der Purist unter uns wünscht sich mehr klaren Fleischgeschmack, der Senfliebhaber freut sich über die ausgesprochene Würze. Das Tatar sei mit Wachtelei und Trüffel gefüllt, erzählt uns Tamàs. “Gefüllt ist ein ulkige Formulierung für abgeschmeckt”, denken wir gerade, als cremiges Eigelb auf den Teller läuft und uns plötzlich ein Duft von frischem Trüffel anspringt. Das Tatar ist nämlich im wahrsten Sinne des Wortes gefüllt. Soulfood auf hohem Niveau und trotz der bewährten Kombination voller Überraschung.

Und ach ja, das Manu ist ja auch eine Weinbar. Nach einem soliden Crémant von der Loire schenkt uns Tamàs nun einen trockenen Riesling vom Rheingauer Weingut Altenkirch ins Glas. Ein großer Teil der Weine stammt aus dem Sortiment von Walter & Benjamin, der Weinhandlung wider dem Mainstream, deren Weinbar Tamás bis zu seiner Selbständigkeit schmiss. Demnach findet sich auch kein glattrasierter Lugana auf der Karte. Stattdessen vor allem Weine kleiner Erzeuger, die Wein machen, wie er ihnen selbst schmeckt. Und nicht dem Metro-Einkäufer!

© Paul Kern
© Paul Kern

Zum Hauptgang gibt es Huhn. Oder Hendl? Poularde, Gockel oder Broiler? Wie auch immer, das ehemals gefederte Tier schmeckt großartig. Resch geröstete Haut, zartes Brustfleisch und jede Menge tierisches Eigenaroma. Und das meinen wir positiv! Dazu gibt es ganz einfach Kräutersaitlinge und ein feines Sellerie-Püree. Soweit so simpel. Doch die Quintessenz des Tellers ist die Sauce. Und zwar ein reduzierter Fleisch-Jus mit einer Dichte und Komplexität, die uns außerhalb von Sternerestaurants nur alle Schaltjahre mal begegnet! Ein Hauptgang mit Saibling steht auch noch auf dem Tisch. Wieder ist der Fisch großartig. Saftig glasig gebraten und der Rosenkohl traut sich knackig und herb zu sein. Die Beurre Blanc geht darin allerdings etwas unter und kommt nicht ganz an die Brillianz des Jus heran.

Schokomousse mit Olivenöl und Fleur de Sel

Beim Dessert geht die Formkurve dann aber wieder steil nach oben. Ein wuchtiges Schokomousse mit Olivenöl und Fleur de Sel? Sowas haben wir noch nie gegessen. Dazu Rum aus Venezuela. Eine Zigarre und eine Hängematte, ist jetzt das einzige, was fehlt. Da wir uns noch mit Max verquatschen, landet danach noch mal ein kleine Käseauswahl vom Tölzer Kasladen auf dem Tisch. Und weil Max so spannende Sachen von schonenden Arten Fische nach japanischer Ikejime-Tradition zu töten, erzählt, vergessen wir hier doch glatt ein Foto zu machen. Sorry, Instagram.

© Paul Kern
© Paul Kern

Eine Aufforderung an die Generation Y

Mit ihm unterhalten wir uns auch noch kurz über das Publikum im Manu und müssen dabei feststellen, dass wir die drei jüngsten im Raum sind. Zum Mädels kennenlernen, sei das hier nix, witzeln wir noch. Doch warum eigentlich nicht? So wenig Chichi und soviel Mjam Mjam, wo gibt‘s das schon? Klar risse ein wöchentlicher Manu-Besuch ein Loch in viele studentische Geldbeutel. Aber eine exzessive Disco-Nacht ist ja auch meistens drin. Also bitte, liebe Generation Y, sorgt dafür, dass Max mehr Mädels kennenlernt! Oder wollt Ihr die Trüffel den alten weißen Männern überlassen? Wir kommen auf jeden Fall wieder und kämpfen weiter. Am besten samstags. Da gibt‘s nämlich Austern.

Unbedingt probieren // Schokomousse mit Olivenöl und Fleur de Sel und alles mit rohem Fisch.

Vegetarisch // Einer der wechselnden Hauptgänge und mehrere Vorspeisen sind immer vegetarisch. Bei unserem Besuch, gab es zum Beispiel Polenta mit Taleggio und Trüffel.

Mit wem gehst du hin // Mit zweiten oder dritten Dates, Partner oder Partnerin und mit alten Freunden

Für Fans vom // Tian, Mural

Preise // Vorspeisen zwischen 12 und 18 Euro, Hauptgänge zwischen 18 und 22 Euro, offene Weine ab 5 Euro.

Besonderheit des Ladens // Feine Produkte ohne Schnick Schnack, die es sonst eigentlich nur in Sterne-Restaurants gibt.

manu. weinbar & restaurant | Rumfordstraße 6, 80469 München | Dienstag – Freitag: 16.00–24.00 Uhr, Samstag: 14.00–24.00 Uhr Uhr | Mehr Info

Sags deinen Freunden:

Entdecke die besten Restaurants, Bars und Plätze in deiner Nähe.

Zur neuen Karte!