11 Theaterstücke, die du dir im März und April 2019 ansehen solltest

Der Frühling steht vor der Tür und das bedeutet vor allem eins: Frühjahrsputz! Für unsere Münchner Theater kommt der in Form eines neuen Programms mit zahlreichen Premieren und sogar der ein oder anderen Uraufführung. Ein frischer Wind weht also über die Bühnen und durch die Garderoben. Wir freuen uns wie SchneekönigInnen auf die neuen Theaterstücke und können es kaum erwarten, vor den Aufführungen auf den Terrassen mit einem Sekt oder Aperol auf die immer stärker werdenden Sonnenstrahlen anzustoßen.

Münchner Kammerspiele

1. Elephant

Theater März / April 2019
© Elephant

Passend zur Frühlingsfrische beginnen wir direkt mit dem Theater-Nachwuchs. Die Abschlussinszenierung der Otto Falckenberg "Elephant" ist eine szenische Installation. Sie beschäftigt sich mit einer essenziellen Frage: Was ist Realität ohne Dokumentation? Moritz Hauthaler und sein Team werfen das Scheinwerferlicht auf abstrakte Erinnerungswelten, die eher Träumen als Biografien gleichen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht der beinahe zwanzig Jahre zurückliegende Tod des Vaters, der dokumenta­risch rekonstruiert wird. Räume zwischen Imagination und Wirklichkeit tun sich auf und so langsam festigt sich eine weitere Frage: Inwiefern konstituieren Fakten die Wahrheit?

Termine: 12., 14. und 15. März 2019, ab 20 Uhr

Tickets: 9 Euro

2. Das Leben des Vernon Subutex

Kammerspiele München
© Kammerspiele

Weiter geht's mit einer Premiere: Vernon Subutex ist ein bankrott gegangener Plattenhändler, temporär obdachlos. Aus der Figur allein könnte man wohl schon ein Stück kreieren, allerdings gibt es um Subutex herum noch eine Menge anderer Charaktere. Ein erfolgloser Drehbuchautor mit Amok-Phantasien. Eine ehemalige Drogendealerin, die zum Internet-Troll umgeschult hat. Eine Professorentochter, die zum Islam konvertiert und ihr darüber verzweifelnder Vater. Ein koksender Trader und ein skrupelloser Filmproduzent – um nur ein paar zu nennen. Was diese Menschen gemeinsam haben? Sie alle träumen von einem besseren Leben. "Das Leben des Vernon Subutex" von Virginie Despentes gilt als der Gesellschaftsroman unserer Zeit und wird von Regisseur Stefan Pucher auf die Bühne der Kammer 1 gebracht.

Termine: 28. und 29. März 2019, ab 19 Uhr

Tickets: 11 bis 44 Euro

3. Fressen

Theater März / April 2019
© Henrike Inglesias

Für ganz besonders frischen Wind sorgt das queerfeministische Theaterkollektiv Henrike Iglesias aus Berlin und Bern. Gegründet 2012 von Anna Fries, Laura Naumann, Marielle Schavan und Sophia Schroth war Henrike bereits letztes Jahr in den Kammerspielen zu sehen. In ihrer neuen Produktion "Fressen" beschäftigen sie sich mit, naja, unseren Essgewohnheiten eben. Das Stück ist eine Kochshow, die aufzeigt, wie viel Seximus doch in unserem täglich Brot steckt und was für ein absoluter Blödsinn die gesellschaftliche Obsession zum Thema Essen ist. "Frauen" kochen, "Männer" essen. "Frauen" hungern, "Männer" haben Kohldampf. "Frauen" möchten nur ein kleines Stück vom Kuchen, "Männer" essen Steak und trinken herbe Biere. Ja genau.

Premiere: 28. April 2019

Tickets: zwischen 15 bis 19 Euro

Residenztheater

4. Elektra

Theater März / April 2019
© Thomas Aurin

Was wäre eine Theaterliste ohne ein Stück aus der griechischen Klassik? Hugo von Hofmannsthals Version des Stoffs von 1903 dreht sich jedoch nicht um Rache und tragische Verstrickungen, die meist in Richtung Inzest gehen – wie wir es gewohnt sind – sondern um den toten Vater der Hauptfigur Elektra. Ihre Mutter Klytämnestra hat gemeinsam mit ihrem Geliebten ihren Gatten Agamemnon erschlagen und die Herrschaft in Mykene übernommen. Doch das nimmt Elektra nicht einfach so hin.

Nach "Die Räuber" ist "Elektra" nun die zweite Inszenierung Ulrich Rasches im Residenztheater – und nach dem unglaublichen Erfolg des ersten Stücks, reißt dieses hier die Zuschauer ebenfalls aus den Theatersesseln.

Termine: 03. März um 20 Uhr, 04. und 3o. März um 19.30 Uhr, 31. März um 19 Uhr, 04. und 21. April um 20 Uhr, 05. April und 24. April um 19.30 Uhr, 22. April 2019 um 19 Uhr

Tickets: 20 bis 54 Euro

HochX

5. Konsul Bernick muss nochmal nochmal ran

HochX
© HochX

Mit "Konsul Bernick muss nochmal nochmal ran" bringt Andreas Kohn den Stoff seines Debüts als szenische Lesung mit Visuals und starkem Sound wieder auf die Bühne des HochX. Konsul Bernick ist auf den ersten Blick moralische Instanz, ein starker Mann und erster Diener des Gemeinwesens. Doch der Schein trügt, hinter der glänzenden Fassade steckt ein von Machtgier und Profitstreben geleiteter Betrüger. Männerfiguren wie Konsul Bernick sind momentan überall präsent – was bedeutet das für unser Vertrauen in die Politik?

Termine: 14. und 16. März 2019 um 20 Uhr

Tickets: 14 Euro, ermäßigt 9 Euro

Volkstheater

6. Die lächerliche Finsternis

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© Volkstheater

Zwei Offiziere werden von der deutschen Bundeswehr nach Afghanistan geschickt, um den verschollenen Oberstleutnant Karl Deutinger ausfindig zu machen. Dieser soll seine beiden Kameraden umgebracht haben und inmitten der endlosen Wildnis dem Wahnsinn verfallen sein. Nun muss er selbst sterben, so lautet der Auftrag. Die Reise der beiden Offiziere führt zu allerhand skurrilen Begegnungen. Vor dem Landgericht Hamburg steht nämlich zur gleichen Zeit ein somalische Pirat angeklagt, der der Einfachheit halber Deutsch spricht und auch ansonsten den gängigen Afrika-Klischees nicht so recht entsprechen möchte. Dagegen ist ein Reverend auf christlicher Mission unterwegs, um gegen das grausame Verhüllungs-Gebot exotischer Schönheiten vorzugehen. Das vermeintlich Fremde der Anderen wird in diesem Stück mit entlarvendem Humor relativiert. "Die lächerliche Finsternis" hatten wir dringend nötig.

Termine: 14. März um 20 Uhr (Premiere), 26. – 28. März um 20 Uhr, 16. und 28. April 2010 um 19 Uhr

Tickets: 18 Euro, ermäßigt 8,50 Euro

7. Warten auf Godot

Warten auf Godot
© Gabriela Neeb

Wenn Wladimir und Estragon gewusst hätten, dass das "Warten auf Godot" zu ihrem einzigen Lebensinhalt wird, hätten sie sich vielleicht zweimal überlegt, ihn zu konsultieren. Seit Ewigkeiten schon warten die beiden in einer verlassenen Gegend auf diesen ominösen Herrn, von dem sie nichts genaues wissen. Sie sind sich nicht einmal sicher über Ort und Zeit der Verabredung. Was also tun, wenn man endlos wartet? Sie erfinden Spiele, Denk- und Leibesübungen, zanken und versöhnen sich, kümmern sich rührend umeinander und versuchen vergeblich den anderen zu verlassen. In irrwitzigen Schleifen reden sie gegen die unheimliche Stille an, in der sie die Angst vor der Einsamkeit und der inneren Leere zu verschlingen droht.

Samuel Beckett schrieb „Warten auf Godot“ kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Wer Godot sei, ob er überhaupt existiere, das wisse er selbst nicht. Die Botschaft des Romans sowie des Stücks kann sich also jeder individuell zurechtlegen.

Termine: 04., 05., 11., 20. und 21. April 2019 um 19.30 Uhr

Tickets: 14 bis 35 Euro

Cuvilléstheater

8. Die Bakchen – Lasst uns tanzen

Theater März / April 2019
© Wim Vandekeybus

Der gekränkte Gott Dionysos sinnt auf Rache für den Tod seiner Mutter. Deshalb fordert er den unglücklichen Pentheus, den jungen Herrscher Thebens, heraus. Während die Anhänger Dionysos' bereits ihm zu Ehren in den Bergen tanzen, verfallen die Griechen in Bitterkeit, denn Pentheus kämpft nicht zuletzt gegen die Irrationalität des Rausches und für eine neue, bessere Welt des Verstandes. Eigentlich interessiert sich der Herrscher jedoch mehr für die Orgien außerhalb der Stadtmauern.

Seit mehr als dreißig Jahren choreographiert und inszeniert Wim Vandekeybus auf der ganzen Welt Aufführungen, die sich zwischen Schauspiel, Tanz, Konzert und Film bewegen. Für "Die Bakchen" bündeln seine Kompagnie "Ultima Vez" und das Residenztheater gemeinsam ihre Kräfte – mit Live-Musik und -Malerei.

Termine: 15., 17., 27. und 30. März um 19.30 Uhr, 29. März 2019 um 20 Uhr

Tickets: 16 bis 48 Euro

Marstall

9. Der Sandmann

Theater März / April 2019
© Julian Baumann

So liebevoll uns das Sandmännchen früher ins Bett geschickt hat – ich höre direkt die Titelmelodie in meinem inneren Ohr –, so zerstörerisch und gewalttätig ist "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann. Das Bravourstück der schwarzen Romantik ist nicht gerade eine Gute-Nacht-Lektüre. Es erzählt unter anderem davon, wie der Sandmann den Kindern die Augen blutig aus dem Kopf reißt – überhaupt ist das Auge eines der Hauptmotive im Stück. Das versehrte, entrissene, in jedem Fall unzuverlässige Auge.

Heute, wo wir zwischen Fake News und Alternativen Fakten kaum noch wissen, welchen Augen wir trauen können, scheint uns der scheint uns der 200 Jahre alte "Sandmann" von unheimlich-heimlicher Vertrautheit: Wo keine Gewissheiten sind, ist Furcht. Aber auch die Freiheit des Spiels.

Termine: 31. März um 19.30 Uhr, 07. und 14. April um 19 Uhr, 20. April 2019 um 19.30 Uhr

Tickets: 18 Euro

Theater am Sozialamt

10. Der letzte Dreck

Theater
© Unsplash | Kilyan Sockalingum

Vermeintlich romantisch geht es auch in "Der letzte Dreck" im Theater am Sozialamt zu. Der Schauplatz ist ein idyllisches Königreich, in dem die Bewohner allesamt Namen tragen wie Gänseblümchen, Löwenzahn und Marienkäfer. Doch genau diese Bewohner sind das Problem. Sie benehmen sich wie die Axt im Walde und lassen sich nur von ihren Trieben leiten. Der König Summserum ist allerdings auch nicht viel besser. Ihm will keiner seine Macht glauben, schließlich ist er auch nur irgendein Depp mit einer Krone. Während allerdings jeder mit seinem ganz persönlichen Chaos beschäftigt sind, merkt niemand, dass eine tatsächliche Gefahr auf das Reich zurollt und es ein Morgen vielleicht nicht mehr geben wird.

Termine: 06. April um 20.30 Uhr (Uraufführung), 10. bis 13. April und 24. bis 27. April 2019 um 20.30 Uhr

Tickets: 22 Euro, ermäßigt 15 Euro

Metropoltheater

11. Die letzte Karawanserei

Theater März / April 2019
© Jean-Marc Turmes

"Die letzte Karawanserei" ist keine Premiere und läuft schon eine ganze Weile im Metropol. Aber selbst wenn ihr dieses Stück schon gesehen habt, ein weiterer Besuch lohnt sich mit Sicherheit! Hier begeben sich Menschen auf ihre ganz persönliche Odyssee. Sie fliehen vor dem Krieg, dem Verlust der Menschenrechte, der Zerstörung ihrer Kultur, der Auslöschung des Individuums in ihren Heimatländern – und machen sich auf einen unwägbaren und gefährlichen Weg mit ungewissem Ausgang. Der Münchner Merkur schreibt: "Es ist der schmerzvollste, zugleich schönste und berührendste Theaterabend seit langem."

Termine: 12., 16. bis 18., 27. und 30. April: 20 Uhr, 14. und 28. April 2019: 19 Uhr

Tickets: 15 bis 23 Euro

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