Junge Römer: Frische Pasta & knusprige Pinsa in der Pestalozzistraße

Jahreszahlen sind so eine Sache – mit einigen verbindet man automatisch große historische Ereignisse: 68er-Bewegung, Mauerfall 1989 und jetzt eben 2020. Ihr wisst schon, dieses Jahr, das auch gerne mal mit dem fiktiven 1984 von George Orwell verglichen wird. Dabei ist im echten 1984 einiges Positives passiert, das eine viel schönere Verbindung ins Jahr 2020 schafft. Bestes Beispiel: Falco veröffentlicht sein Album Junge Römer, das nun als Namenspate für ein neues Restaurant im Glockenbach dient. Und versprochen, das hat ebenso wie Song und Album großes Potenzial für einen echten Charterfolg!

Ein bisschen weniger kompliziert als im ersten Absatz geht es dann in der italienischen Tagesbar selbst zu. In Rom gibt es diese Art von Lokal fast an jeder Ecke – frische Pasta, hausgemachte Pinsa Romana, ein paar Vini, ein paar Dolci, guter Kaffee und ein bisschen Italo-Sound im Hintergrund. Fertig. Chris und Daniel, die ihren gemeinsamen Laden Ende Juli eröffnet haben, sieht man die Zufriedenheit mit ihrem neuen Baby an. Gastro-Neulinge sind sie nicht: Chris verdanken wir unter anderem das King Loui im Westend und Daniel kennt ihr vielleicht als Küchenchef aus dem Café Bellevue am Nordbad. Nun sind beide mit voller Energie und Aufmerksamkeit im Glockenbach gelandet.

© Nina Vogl
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Itallo-Chic statt Hipster-Baukasten-Café

Im Lokal selbst erfreut uns zuallererst nicht was wir sehen, sondern was wir nicht sehen. Keine weißen Fliesen, keine nackten Glühbirnen, kein Samt und keine Kreidetafeln, auf der sich jemand nach seinem Handlettering-Online-Kurs verwirklicht hat. Also nichts aus dem üblichen Hipster-Café-Baukasten. Stattdessen dunkelgrüne Fliesen in Marmor-Optik, eine alte Vitrine, in der die frische Pasta ausliegt, Barhocker und Tische aus dunklem Holz, ein paar Gold-Akzente und Oldschool-Campari-Schilder. Die Jungs wollten, dass der Laden so aussieht, als wäre er schon immer da. Wir sagen: Mission accomplished.

Weil aber nicht nur rein optisch alles passen soll, bringt vor allem Daniel jede Menge Herzblut mit in die Küche und verbringt hier viele Stunden, um seinem eigenen Anspruch an Frische und Geschmack gerecht zu werden. Schon morgens wird die Pasta kiloweise frisch zubereitet und Pinsa Teig geknetet. Pinsa Romana ist sozusagen die Urform der Pizza und besteht aus einem Sauerteig aus drei verschiedenen Mehlen, der ganze drei Tage geht, damit er nicht nur fluffig-knusprig, sondern auch bekömmlich wird.

© Nina Vogl
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Pinsa, Pasta, Pistazien-Pesto

Jeweils sieben verschiedene Pasta-Gerichte und Pinsa-Varianten stehen auf der Karte. Die Entscheidung fällt trotzdem schwer, denn Casarecce mit Pistazien-Kräuter-Pesto und Ricotta klingen mindestens so verlockend wie Spaghetti mit Artischockenragout und Oliven. Gleiches gilt für Pinsa mit Kartoffeln und Guanciale (ein luftgetrockneter Speck aus der Region Latium) oder einer Version mit Burrata und Feigen. Am Ende lassen wir Daniel entscheiden und gönnen uns als Vorspeise knusprige Suppli Cacio e Pepe (römische Reiskroketten mit Pecorino und Pfeffer), danach eine Pinsa mit Burrata, Pistazien-Pesto, Aubergine und Tomaten und zum Abschluss ein hausgemachtes Tiramisu.

Wer schon mal in Rom und Umgebung unterwegs war, fühlt sich also nicht nur optisch und akustisch, sondern auch geschmacklich direkt zurück gebeamt. Auch wenn die Pinsa auf den ersten Blick eher klein wirkt, machen der knusprige Teig und der reiche Belag uns dennoch pappsatt und wir sind froh, dass es im Magen bekanntlich ein eigenes Nachspeisen-Fach gibt, in dem wir das cremige Tiramisu noch unterbringen. Hier heißt es auf jeden Fall eher "La dolce Vita" statt "Livin' la vida low carb"!

© Nina Vogl
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Wir wissen ja nicht, wie es euch geht, aber wir sehen uns demnächst regelmäßig an den kleinen Tischen vorm Laden. Lässig ein Glas Wein in der Hand, den Chris uns empfohlen hat, auf der Gabel frische Pasta und freier Blick auf die Piazza de Legna aka den Holzplatz. Stilecht schieben wir uns die Sonnenbrille von der Nase, grüßen alle Passanten als wären sie unsere engsten Freunde und frönen der spätrömischen Dekadenz. Und wenn der Wein leer und die Pasta aufgegessen ist, dann singen wir leise zu einer Zeile aus Falcos Junge Römer mit: "Give me more, give me more, give me more..."

Unbedingt probieren // Pinsa mit Burrata und Pistazien-Pesto und die frische Carbonara!

Vegetarisch // Sowohl bei Pasta als auch Pinsa gibt es mehrere vegetarische Optionen, bei beidem auch mindestens eine vegane Variante!

Mit wem gehst du hin // Toller Date-Spot!

Für Fans von // der Bravo Bar zwecks Style, dem Il Piccolo Principe zwecks hausgemachter Pasta und diesen eine Laden da am Eck in Rom – ihr wisst schon!

Preise // Pasta ca. 8 bis 13 Euro, Pinsa ca. 9 bis 14 Euro, 0,1l Wein ab 4 Euro, Aperitivi 6,90 Euro

Besonderheit des Ladens // Die frische hausgemachte Pasta!

Junge Römer | Pestalozzistraße 28, 80469 München | Dienstag – Sonntag: 10.00–20.00 Uhr | Mehr Info

Wir wurden vom Restaurant eingeladen, das beeinflusst aber nicht unsere ehrliche Meinung.

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