Münchner*innen, von denen wir etwas über Rassismus lernen können

Ja, richtig gelesen: Da steht keine 11 im Titel! Denn was wichtiger ist als unsere Lieblingszahl 11, sind Menschen, die etwas zu sagen haben. Mehr Diversität auf unserer Seite, mehr Menschen zu Wort kommen lassen: Das haben wir uns fest vorgenommen. Deshalb gibt es an dieser Stelle nichts weiter zu sagen als ein riesen Dankeschön an die beeindruckenden Münchner*innen, die sich täglich gegen Rassismus einsetzen und dafür arbeiten unsere Lieblingsstadt besser und fairer zu machen.

Wichtiger Disclaimer: Uns geht es bei dieser Liste auf keinen Fall darum nur einer bestimmten Auswahl an Leuten eine Plattform zu bieten, deshalb ist es eine offene Liste, die wir beständig erweitern. Kontaktiert uns bitte gerne, wenn ihr etwas zum Thema Anti-Rassismus zu sagen habt, wir wollen hier weiterhin Menschen zu Wort kommen lassen! Oder kennt ihr Leute, die sich offen für Anti-Rassismus einsetzen und hier zu Wort kommen sollten? Dann meldet euch gerne mit einer E-Mail an [email protected] bei uns, wir haben noch lange nicht ausgelernt!

Roger Rekless

Roger Rekless Rapper Hip Hop
Roger Rekless © Philipp Wulk

"Wichtig ist, dass ihr versteht: Rassismus ist nicht nur das Problem der Betroffenen. Es ist euer Problem. Wir leben gemeinsam in einer Gesellschaft [...], wenn ihr euch also mit dem Thema befasst, dann fühlt euch nicht krass, weil ihr euch für die anderen einsetzt. Sondern weil ihr euch für euch selbst einsetzt und für eure Gesellschaft.

An alle Schwarzen Brüder und Schwestern: In diesem ganzen Strudel von Ereignissen sind bei euch bestimmt auch ganz viele Wunden neu aufgemacht worden. Und vielleicht seid ihr wie ich in einem weißen Umfeld sozialisiert und aufgewachsen und habt Schwierigkeiten euch auszutauschen. Dafür nehmen ich und viele andere unsere Energie her: Kontaktiert uns, tauscht euch aus, das tut wahnsinnig gut. Wir müssen  lernen, dass wir mit dem Schmerz nicht alleine sind. We can do it as a community."

– Roger Rekless

Roger Rekless aka David Mayonga ist Rapper & Buchautor | Sein aktuellen Projekte: das Buch "Ein Neger darf nicht neben mir sitzen. Eine deutsche Geschichte", bekommt ihr hier | Über Rassismus lernen wir: in seinem Buch und regelmäßig über seine Instagram-Seite | Mehr von Roger

Simon Pearce

Simon Pearce ist Comedian, Schauspieler und hat einen Podcast, der heißt "wosmaos". Gemeinsam mit Freez quatscht er über Comedy, Politik, Humor, Unterhaltung, Musik, Fußball, Rap, HipHop, Impro, Spass, Gesellschaft – über das ganze bunte Leben halt! Ein ganz aktuelles Projekt ist die Webserie "Vdates", 90 Sekunden dauert eine Folge nur und ihr könnt sie euch direkt auf Instagram reinziehen! Über Rassismus lernen wir regelmäßig auf seinem Instagram-Profil und bei seinen Auftritten als Comedian, bei seiner Show "Alleine unter Schwarzen" – die gibt es jetzt übrigens auch als Live-CD, lohnt sich!  Mehr von Simon gibt's hier.

Linda Nübling

089 Fragebogen Interview Linda Nübling
© Kaj Lehner

"Bildet euch, setzt euch mit dem Thema auseinander. Unterhaltet euch mit euren Freunden darüber und erkennt euren Anteil an dem strukturellen Rassismus in unserer Gesellschaft an. Man kann Rassismus nur durch aktiven Anti-Rassismus bekämpfen. Wenn ihr einen Anteil daran haben wollt etwas zu verbessern, was ich mir sehr wünsche, dann schaut euch die Empfehlungen an [siehe Abbinder] und vergesst nicht, dass das ganze ein ständiger Lernprozess ist, der nicht nach vier Wochen aufhört. Und an meine Schwarzen Schwestern und Brüder: TOGETHER WE SHINE BRIGHTER. TOGETHER WE ARE LOUDER!"

– Linda Nübling

Linda Nübling ist Gründerin vom "Studio Nüe" und "Gurlz with Curlz" | Ihre aktuellen Projekte: Der Verein & Magazin "Gurlz with Curlz" | Über Rassismus lernen wir: Im Magazin! Es thematisiert Alltagsrassismus und Identitätsfindung für Frauen mit Afro-Diasporischem Hintergrund | Außerdem hier: Lindas Buch-Empfehlungen: Alice Hasters – "Was Weiße Menschen über Rassismus nicht hören, aber wissen sollten", Tupoka Ogette – "Exit racism" | Und Lindas Instagram-Empfehlungen: Aminata Belli, Malcolm Ohanwe, Aminata Touré, Alice Hasters, Tupoka Ogette, Jenni Hannah, RosaMag, Each One Teach One, Future of Ghana Germany e. V. | Mehr von Linda

Nick Trachte

boxwerk
© Boxwerk | © Nick Trachte

"Das Trainerteam meiner Boxschule ist aus der ganzen Welt bunt zusammengewürfelt, unsere aktive Wettkampfstaffel setzt sich aus über zehn verschiedenen Nationen zusammen – es ist ein großer Zugewinn diverser Einflüsse, sportlich wie menschlich und kulturell. Der Boxsport eignet sich sehr dafür Brücken zu bauen und integrativ zu arbeiten, darum habe ich 2013 das BoxwerkRefugeeProject ins Leben gerufen, um insbesondere unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen eine Art sicheren Hafen zu bieten.

Ich habe viel zurückbekommen von Menschen, denen außer ihrer Würde wenig geblieben ist, die trotz unglaublicher Verluste und schweren Schicksalschlägen nicht aufgehört haben zu kämpfen. Es herrscht leider immer noch große Ungerechtigkeit und Ausgrenzung in Bezug auf Herkunft und Hautfarbe auf unserem Planeten – dagegen muss man aufstehen und darf nicht wegsehen. "Defeat Racism" will aufmerksam machen auf Missstände unserer Zeit und für Gleichberechtigung kämpfen."

– Nick Trachte

If you walk into a boxing gym you’ll see things like police officers mixing with ex-criminals, the rich mixing with the poor, different colors mixing with different colors, No Bullshit – just Love and Respect! I think the world would be a better place if it was more like a boxing gym.

Nick Trachte ist Gründer und Betreiber vom Boxwerk, außerdem Vize-Präsident des Bayerischen Boxverbandes | Seine aktuellen Projekte: "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", gemeinsam mit Roger Rekless ist er Pate des Luitpold Gymnasiums in München | Über Rassismus lernen wir: durch sein Konzept "Defeat Racism", mit dem er auf Missstände unserer Zeit aufmerksam macht | Mehr von Nick

Seggen Mikael

Seggen
© Seggen

"Es ist wichtig Schwarzen Menschen, ihren Erfahrungen und ihrer Expertise zuzuhören. Aber wir sind euch keine Bildung schuldig. Also nehmt das an, was wir euch bieten, würdigt und (wenn ihr könnt) bezahlt unsere Arbeit. Das Crunk Feminist Collective beschreibt es so: seid Megafone, keine Mikrofone. An meine Schwarzen Geschwister: Ich möchte erstmal allen danken, die diesen Kampf schon vor uns und immer noch mit uns führen. Ich weiß wir sind alle müde, also vergesst nicht euch um euch selbst zu kümmern, aber hört niemals auf zu kämpfen.

James Baldwin sagte: "To be a Negro in this country and to be relatively conscious is to be in a rage almost all the time." Nutzt eure Wut, seht sie nicht als etwas negatives an, sondern lasst sie ein Katalysator sein um die Veränderungen einzufordern, die wir brauchen. Wir müssen aufhören Weiße Menschen anzubetteln unsere Menschlichkeit anzuerkennen. Organisiert euch, vereint eure Ressourcen, bildet Strukturen von uns für uns. Fokussieren wir unsere Kraft auf uns. Wenn Sie uns keinen Platz am Tisch geben wollen, dann bauen wir eben unseren eigenen Tisch."

– Seggen Mikael

Seggen Mikael hat Ethnologie, Kulturwissenschaften & Kulturmanagement studiert und ist jetzt in der Kulturbranche tätig | Ihre aktuellen Projekte: Findet ihr auf ihrem Instagram-Account | Über Rassismus lernen wir: auch über ihren Instagram-Account! In ihren Story-Highlights hat sie viel Wissenswertes zusammengefasst | Mehr von Seggen

Kokutekeleza Musebeni

Kokutekeleza Musebeni
© Holger Borggrefe

"Ich bin an dem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr über meine Rassismuserfahrungen sprechen möchte. Wir haben in Deutschland 2020 ein strukturelles und institutionelles Problem mit Rassismus. Der nächste Schritt ist jetzt aufzuklären, das heißt: Deutsche Kolonialgeschichte und Anti-Rassismus-Schulungen gehören in den Lehrplan aller Schulen. Nur so kann ein Impuls gegeben werden, um das Denken und Handeln der Menschen zu verändern."

– Kokutekeleza Musebeni

Kokutekeleza Musebeni studiert Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film & ist Journalistin, Moderatorin und Autorin für den Bayerischen Rundfunk | Ihre aktuellen Projekte: der Instagram-Account "Workin' Germany" vom BR | Über Rassismus lernen wir: auf diesem Account, auf dem Themen rund um Diversity und Intersektionität in Gesellschaft und Arbeitswelt besprochen werden | Mehr von Koku

Malcolm Ohanwe

Malcolm Ohanwe
© Malcolm Ohanwe

"Durch meine Herkunft als Schwarzer Palästinenser oder Arabischer Nigerianer haben mich verschiedene Kulturen schon fasziniert bevor ich richtig lesen konnte. Mein Taschengeld hatte ich für Dutzende Atlanten und Erdkunde-Bücher ausgegeben. An meiner Grundschule gab es von 20 Kids, drei, die keinen Migrationshintergrund hatten, wir waren alle "Ausländer" und in dem Münchner Friseursalon von meinem Vater waren fast nur Schwarze Kunden und Kundinnen. In einer Gesellschaft zu leben, wo reiche, weiße Deutsche nicht immer die Norm sind, sondern alle Formen des Deutschseins vorkommen, war für mich in meiner Kindheit bis zum Studium eigentlich normal. In meiner Hood hatten viele Gastarbeiter-Großeltern, oder einen Papa, der in der Fabrik arbeitet und gebrochen Deutsch spricht oder kamen aus einem Haushalt mit einer alleinerziehenden Mutter, kamen auch aus gemischt-kulturellen Elternhäusern.

Das war nicht "exotisch" oder besonders, bis ich in den Medien gelandet bin. Da habe ich auf einmal ein ganz anderes Deutschland kennengelernt. Eine bildungsbürgerliche, fast rein weiße Parallelgesellschaft. Ich nenne es manchmal Narnia, weiß wie Schnee. Ich hatte Kolleg*innen, die waren Mitte 20 und hatten vor mir noch nie mit einer Schwarzen Deutschen Person ein Gespräch geführt. Ich musste anfangs so tun, als würde mir andere Musik gefallen, um nicht dafür abgewertet zu werden, dass ich eigentlich R&B und Hip-Hop ganz unironisch richtig geil finde.

Und wenn du dann als Schwarzer Typ vom "sozialen Brennpunkt" nicht mehr lustiges Maskottchen sein willst, dich nicht mehr anpassen willst, sondern ebenbürtig am Programm mitbestimmen und kompromisslos Veränderungen in Gang setzen willst, dann kann es ungemütlich werden. Aber das bringt mich nicht davon ab meine Überzeugungen kundzutun, und ich debattiere auch gerne bei guten Argumenten. Wir in Bayern sind so vielfältig wie die Welt und sich dafür einzusetzen, dass das auch gesehen wird auf allen Ebenen, zeugt einfach von einem Verständnis unseres tollen Grundgesetzes. Ich möchte junge Keneks, Asians, Roma, Schwarze, Leute aus Gegenden wie Neuperlach und Hasenbergl dazu motivieren, sich mit Selbstbewusstsein, alle Positionen in dieser Gesellschaft einzufordern, die ihnen auch zustehen!"

– Malcolm Ohanwe

Malcolm Ohanwe ist Malcolm Ohanwe ist studierter Sprachwissenschaftler, Journalist und Autor unter anderem für ARD-Alpha, den SPIEGEL und Deutschlandfunk Kultur, außerdem ist er Moderator & aktiv auf Twitter | Seine aktuellen Projekte: zusammen  mit Marcel Aburakia der Podcast: Kanackische Welle | Über Rassismus lernen wir: viel auf seinem Twitter AccountMehr von Malcolm

Augustine Kangni

Augustine Kangni
© Augustine Kangni

"Meine Wurzeln und Werte verdanke ich meinem Heimatland, doch meine Fähigkeiten konnte ich hier in Deutschland ausbilden. Dadurch musste ich leider auch lernen, gegen Rassismus im Alltag anzukämpfen– jetzt ist es höchste Zeit ihn gemeinsam zu vernichten! Für Menschen mit rassistischem Gedankengut empfinde ich nichts außer Mitleid, denn anders als sie habe ich das Glück das Beste aus zwei unterschiedlichen Welten zu verbinden. Das Aufrütteln unserer Gesellschaft motiviert mich umso mehr die Rassisten unter uns von ihrem beschränktem Weltenbild zu befreien. Aufstehen, hinschauen und füreinander einstehen – das ist der Weg zum Ziel und er hat gerade erst begonnen!"

– Augustine Kangni

Augustine Kangni ist Impact Manager von getINNOtized GmbH & Regionalleitung von ADAN e.V. München | Ihre aktuellen Projekte: das Afro Deutsche Akademiker Netzwerk (ADAN), außerdem baut sie ein Black Owned Business auf mit dem Ziel eine Plattform zu schaffen, um auf die individuellen Bedürfnisse der Afro Community eingehen zu können. Der erste Bereich der App fokussiert sich vor allem auf Dienstleistungen für Afro Haare und bietet Mitgliedern der Afro Community eine Plattform zum Austausch | Über Rassismus lernen wir: bei den "Diaspora Talks", die vom ADAN organisiert werden | Mehr von Augustine & ADAN

Diana-Sandrine Kunis & Betiel Berhe

Diana-Sandrine Kunis & Betiel Berhe
© Diana-Sandrine Kunis & Betiel Berhe

"Als Expert*innen für Anti-Diskriminierung wissen wir, dass Schwarze Menschen in Deutschland nicht mehr bereit sind Rassismus als Normalität hinzunehmen. Sie sind wütend darüber, dass sie in allen Lebensbereichen Rassismus erleben und kaum Möglichkeiten haben sich dagegen zu wehren. Gesellschaft und Politik müssen nun ihre Hausaufgaben machen und: Erstens den tiefsitzenden strukturellen Rassismus anerkennen und sich damit auseinandersetzten, zweitens strukturelle Mechanismen etablieren, um Menschen vor Rassismus zu schützen.

Entgegen der aktuellen Debatte, geht es nicht darum zu diskutieren, ob es Rassismus in Deutschland gibt! Die vielen jungen Menschen gehen auf die Straße, weil sie die konsequente Ahndung von Rassismus einfordern. Dies ist ein Pulverfass das schon lange brodelt - wenn auf die Proteste keine tatsächlichen Veränderungen folgen, könnten sich die Zustände hier grundlegend verändern."

– Diana-Sandrine Kunis & Betiel Berhe

Diana-Sandrine Kunis & Betiel Berhe sind die Gründer*innen des Social Justice Institut München | Ihre aktuellen Projekte: Workshops, Beratung und Veranstaltungen zu unterschiedlichen Antidiskriminierungsthemen | Über Rassismus lernen wir: auf ihrem neu gelaunchten Instagram-Seite "Radical Diversity", sie grenzen sich bewusst von dem Mainstream Diversity-Begriff ab. Sie vertreten die Idee der„Radical Diversity“. „Radical Diversity“ steht für die Anerkennung aller Menschen in ihrer radikalen Verschiedenheit & fordert die Gleichbehandlung aller marginalisierten Gruppen auf struktureller Ebene | Mehr von Diana-Sandrine & Betiel

Sisilia Akello-Okello von AfroDiaspora 2.0

AfroDiaspora 2.0
© AfroDiaspora 2.0

"Mit AfroDiaspora 2.0 e.V. bilden wir in München Community, denn unser Kollektiv Schwarzer Frauen* richtet sich primär an andere in München lebende Schwarze Menschen. Wenn wir jemandem etwas beibringen wollen – dann vor allem uns selbst. Und zwar, dass wir trotz strukturellem, institutionellem und alltäglichen Rassismus zusammenkommen und einander Support und Liebe geben können. Das ist unsere Auffassung von Empowerment und das ist das Bindeglied unserer Workshops und Veranstaltungen, die wir seit 2019 in München organisieren.

Von regelmäßigen Gruppentreffen für Schwarze Frauen* im Safer Space Format über Schreibwerkstätte für Kinder bis hin zu Hip Hop Karaoke Sessions ist bei uns alles möglich. Schreibt uns gerne und macht mit. Wir freuen uns. #blackjoy"

– Sisilia Akello-Okello

Sisilia Akello-Okello ist Mitgründerin von AfroDiaspora 2.0 | Ihr aktuellen Projekte: AfroDiaspora 2.0, eine Plattform für Schwarze Frauen, Kinder und Künstler*innen, die mit Workshops & Veranstaltungen Schwarze Stimmen, Perspektiven und Wissen Raum gibt, seit 2019 gibt es eine Schreib- und Malwerkstatt für Schwarze Kinder, daraus ist ein Kurzgeschichtenbuch entstanden: „Und wenn ich groß bin, zieh’ ich nach New York“ erzählt 15 empowernde Kurzgeschichten von Kindern, deren Geschichten und Lebensrealitäten in der deutschsprachigen Literatur kaum vorkommen. Das Buch gibt es bei AfroDiaspora2.0 zu erwerben | Über Rassismus lernen wir: dass Empowerment ein wichtiger Teil zur Lösung des Problems ist |  Mehr von Sisilia & Afro Diaspora 2.0

Tina Monkonjay, Garway

Tina Monkonjay, Garway
© Tina Monkonjay, Garway

"Anders als für den "weißen" Teil der Gesellschaft ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus und rassistische Gewalt keine Wahlmöglichkeit für uns Schwarze Menschen und People of Color. Täglich machen wir in Deutschland rassistische Erfahrungen. Wir werden aufgrund unserer „Hautfarbe“ oder wegen Vorurteilszuschreibungen von den Angehörigen der weißen Mehrheitsgesellschaft diskriminiert und ausgegrenzt.

Es ist wichtig, dass jetzt viele weiße Menschen in Deutschland solidarisch mit Schwarzen auf die Straßen gehen, die Demonstrationen sind aber nur ein Teil im Kampf gegen Rassismus und rassistische Gewalt. Für ein friedliches und gesünderes Zusammenleben ist es erforderlich, dass jede*r Einzelne seine eigenen Aussagen, sein eigenes Verhalten und eigene Position im System hinterfragt."

– Tina Monkonjay, Garway

Tina Monkonjay, Garway arbeitet als Referentin für Antidiskriminierung bei der Fachstelle IKA (VIA Bayern), ist Vorstandsmitglied beim Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern e.V. | Ihre aktuellen Projekte: sie bietet Empowerment Training für Schwarze, Migrant*innen, sowie für Frauen in schwierige Lebenslagen an, außerdem diverse Workshops und sozialpolitische Austauschprojekte für Jugendliche afrikanischer Herkunft in Deutschland und Jugendlichen vom afrikanischen Kontinent | Über Rassismus lernen wir: bei ihren "Rassismus kritischen, pädagogischen Workshops" für Schulklassen und Fachkräfte in Sozialen- und Bildungsbereichen | Mehr von Tina Monkonjay

Dipama Hamado

Hamado Dipama
© agaby/Chandra

"Institutioneller, struktureller und Alltagsrassismus macht uns Betroffenen hier in Deutschland und in vielen weiteren Länder sehr zu schaffen. Der Begriff „Rasse“ ist nach wie vor ein Bestandteil des Deutschen Grundgesetzes und der dazugehörigen Rechtsgrundlagen. Meine Petition im März 2019 für die Ersetzung dieses Begriffes durch „aus rassistischen Gründe“ wurden von dem Petitionsausschuss des Bundestages abgelehnt. Aber, die Hoffnung stirbt zuletzt!

Eines ist klar: Wir Menschen, die von Rassismus und Diskriminierung betroffen sind und alle die für eine Rassismus-kritische Gesellschaft stehen, können nicht mehr lange diesen Zustand mit seinen negativen Wirkungen hinnehmen und dulden. Mein Appell an alle Betroffenen ist Rassismus und Diskriminierung nicht anzunehmen da wir als Teil der Bürger*innen nicht nur Pflichten haben sondern auch Rechte."

– Dipama Hamado

Dipama Hamado ist 2002 als Geflüchteter aus Burkina Faso nach Deutschland gekommen, er ist Vorstand des Netzwerkes Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern e.V., arbeitet als Referent für die Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit bei der AGABY, ist Sprecher im Migrationsbeirat der Stadt München & im Bayrischen Flüchtlingsrat, außerdem Mitglied im BR Rundfunkrat | Seine aktuellen Projekte: er hält viele Vorträge gegen Alltagsrassismus in Deutschland und in der ganzen Welt | Über Rassismus lernen wir: bei Veranstaltungen und auf der Seite des Netzwerkes Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern e.V. & der AGABY | Mehr von Dipama Hamado

Achim Waseem Seger

Waseem Work is a human right
© Work is a human right

“Wir alle müssen Anti-Rassismus lernen, von und mit Betroffenen. Als Gesellschaft müssen wir uns endlich von Alltagsrassismus über strukturellen bis hin zum institutionellen Rassismus befreien. Und wir müssen den Kolonialismus so aufarbeiten wie den Holocaust. Das ist nie passiert und tut deshalb noch heute weh: “Dekolonialisierung jetzt!” Außerdem müssen wir eigene Strukturen schaffen, damit diese Forderungen keine leeren Versprechen bleiben. Nur so können wir schließlich auch gemeinsam glaubwürdige, intersektionale Solidarität aufbauen.”

– Waseem

Achim Waseem Seger macht unglaublich viel: er ist Rapper, Poetry-Slammer, Youtuberpolitischer Aktivist | Seine aktuellen Projekte: Anti-Rassismus Workshops an Schulen, ehrenamtliche Arbeit im Bellevue di Monacco, er ist zum Beispiel der Initiator von "Work is a Human Right" , außerdem organisiert er das AusArten Festival | Über Rassismus lernen wir: in seinen Songs, seinen Poetry Slams und auf seinem YouTube Kanal | Mehr von Waseem

 

Titelbild: © Philipp Wulk, © Holger Borggrefe, © Philipp Wulk, © Nick Trachte, © Kaj Lehner, © Seggen

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